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Bildung

Bildung ist ein Menschenrecht. Alle Menschen – ob mit oder ohne körperliche Beeinträchtigung, unabhängig von sozialer Herkunft oder ihrem Geburtsort – haben ein Anrecht auf die bestmögliche Bildung. Das gilt für Kindertagesstätten, Ganztagsschulen, Ausbildungsbetriebe, Fachhochschulen und Universitäten, für Musik- und Volkshochschulen sowie für Fort- und Weiterbildungen im Beruf.

Doch der Schulabschluss eines Kindes in Deutschland hängt immer noch von der sozialen Herkunft der Eltern ab – stärker als in fast jedem anderen Land in Europa. Das zeigt die PISA-Studie immer wieder aufs Neue. Wer reiche Eltern hat, macht mit großer Wahrscheinlichkeit Abitur. Kinder werden oft schon im Alter von zehn Jahren auf Schulzweige »sortiert« – statt diejenigen mit schlechteren Startbedingun- gen besser zu fördern. Deutschland gibt zudem weniger Geld für das öffentliche Bildungssystem aus als nahezu alle Nachbarländer.

Studien zeigen: Wenn Kinder länger gemeinsam lernen, lernen alle besser. Eine Schule für alle, eine ganztägige Gemeinschaftsschule mit guter Betreuung und interessanten Angeboten, mit gutem Essen und ohne Hausaufgaben fördert alle Kinder und gleicht unterschiedliche Startbedingungen aus. Man sieht meist, dass den öffentlichen Schulen und Hochschulen das Geld fehlt: Wenn es durchs Dach regnet, die Toiletten kaputt oder schmutzig, Klassen zu groß und Hörsäale überfüllt sind. Wenn Pädagog*innen und Sozialarbeiter*innen fehlen und ständig Unterricht ausfällt. Für Lehrbücher und Lernmaterial müssen die Eltern oft privat zahlen; wer es sich leisten kann auch für Nachhilfeunterricht. Private Firmen bieten Schulen und Lehrer*innen »kostenfrei« Lehrmittel, Lernvideos und Referent*innen an.

Werbung in der Schule ist zwar verboten, aber wer die Schulbücher schreibt, kann auch für die eigene Sichtweise werben. Immer noch werden tausende Lehrer*innen am Ende des Schuljahrs entlassen, um während der Sommerferien Geld zu sparen. Wenn Schulklassen zu groß sind, verursachen sie einen höheren Lärmpegel und mehr Stress für Lehrer*innen. Viele reduzieren ihre Arbeitszeiten oder gehen vorzeitig in Rente, weil sie die Belastung nicht aushalten.

Eltern müssen in den meisten Bundesländern für die Kita-Betreuung bezahlen. Das Recht auf einen Kita-Platz ist gut, aber oft wird es nur verwirklicht, indem die Gruppen vergrößert werden. Das bedeutet mehr Stress für die Erzieher*innen und für Kinder und Eltern. Wir fordern kleine Gruppen, mehr Geld für Erzieher*innen und dass die Betreuung für die Eltern gebührenfrei ist. An Hochschulen arbeitet der größte Teil des wissenschaftlichen Personals mitbefristeten Arbeitsverträgen. Der Einfluss der Unternehmen auf die Hochschulen nimmt zu. Einzelne Universitäten werden zu »Exzellenzuniversitäten« ausgebaut, während beim Rest Finanzierung und Qualität weiter sinken.

Angesichts der Veränderungen in der Arbeitswelt ist Weiterbildung wichtig für alle Beschäftigten. Aber die Kosten und die Risiken dürfen nicht den Beschäftigten aufgebürdet werden. Wir setzen uns für lebenslanges, lebensbegleitendes Lernen ein: als Angebot, nicht als Pflicht zur Selbstoptimierung!

DIE LINKE will mehr Personal für Bildung und Erziehung. Bundesweit fehlen mindestens 55 Milliarden Euro für die Renovierung von Schulen, Turnhallen und Kitas. Für ein reiches Land wie Deutschland ist das eine Schande! Das Geld muss zu Verfügung gestellt werden.
Die Frage ist, wie wir künftig lernen und unsere Kinder und uns bilden und weiterbilden. Wir wollen längeres gemeinsames Lernen in gut ausgestatteten öffentlichen Bildungseinrichtungen, die demokratisch organisiert sind. Dazu gehören Ganztagsschulen, in denen alle länger gemeinsam lernen und gefördert statt sortiert werden – davon profitieren alle. Hochschulen, in denen kritisches Wissen und nicht Profitinteressen der Maßstab von Lehre und Forschung sind. Kitas, die Orte des Entdeckens und nicht des frühen Drills auf Konkurrenz oder lieblose Verwahranstalten für die Kleinsten sind. Vereine, bei denen es sich jeder leisten kann mitzumachen. Und endlich eine angemessene und zuverlässige Finanzierung aller Bildungseinrichtungen.

 

Unsere wichtigsten Forderungen

  1. 1

    Mehr Personal in Kitas, Schulen und Hochschulen: Die Beschäftigten brauchen bessere und tariflich abgesicherte Arbeitsbedingungen und unbefristete Arbeitsverträge.

  2. 2

    Einheitlicher Betreuungsschlüssel: Überall in Deutschland muss ein einheitlicher Betreuungsschlüssel in den Kitas gelten: mindestens ein*e Erzieher*in für höchstens drei Kinder im Alter bis zu drei Jahren und mindestens ein*e Erzieher*in für höchstens acht Kindern ab drei Jahren.

  3. 3

    Wir wollen 300 000 neue Kitaplätze schaffen.

  4. 4

    In allen Ausbildungsberufen muss das Schulgeld abgeschafft werden und eine Mindestvergütung für Azubis eingeführt werden.

  5. 5

    Beschäftigte müssen einen Anspruch haben, für berufliche Weiterbildung freigestellt zu werden. Das ausfallende Gehalt der Beschäftigten müssen die Unternehmen über einen Weiterbildungsfonds ersetzen.

  6. 6

    Die Hochschulen müssen ausgebaut und Zulassungsbeschränkungen abgeschafft werden. Das Bafög muss erhöht, künftig nicht mehr zurückgezahlt und elternunabhängig vergeben werden, damit Studierende nicht mehr neben dem Studium arbeiten müssen.

  7. 7

    Bildung darf keine Ware sein! Schulen. sind kein Ort für Lobbyisten und erst recht kein Rekrutierungsfeld für die Bundeswehr.

pixabay.org

Aus der Krise lernen! Gute Bildung nach Corona

Corona verschärft die ohnehin schon große Bildungsungerechtigkeit in Deutschland. Die Krise trifft vor allem die, denen es an Computern, an Rückzug und Freiräumen zum Lernen zu Hause fehlt. Wie gute Bildung nach Corona aussehen könnte, erklären Bildungspolitikerinnen und -politiker der LINKEN in ihrem aktuellen 5-Punkte-Plan.

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Solidarität ist das Gebot der Stunde

Die Corona-Krise droht die Ungerechtigkeit im Bildungssystem weiter zu verschärfen. Dem muss unter den jetzigen Ausnahmebedingungen entgegengewirkt werden - materiell, finanziell und personell. Das fordern linke Bildungspolitiker*innen in einer gemeinsamen Erklärung.

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Aktuelle Meldungen zur Bildungspolitik


Katja Kipping

Schulen brauchen einen Digitalisierungsschub

Die Bundesregierung muss die Sommerferien nutzen, um den Schulen einen Digitalisierungsschub zu verpassen, sagt Katja Kipping, Vorsitzende der Partei DIE LINKE. Dabei hat sie vor allem drei Punkte im Sinne:

1. Eine Task-Force für digitales Lernen

So wie es Schulbücher, Arbeitsblätter und Curricula für alle Schulen gibt, müssen auch digitale Lernmedien, Plattformen und Methoden für alle entwickelt und bereitgestellt werden. Auf Bundesebene muss eine Taskforce von Fachleuten und motivierten Lehrerinnen und Lehrern aus der Praxis gebildet werden, die die Erstellung von Material organisiert. Auf Länderebene brauchen wir ebensolche Task-Forces, die die bereitgestellten Mittel für die Länder-Bildungssysteme anpasst und ergänzt.

Die Corona-Krise ist eine Jahrhunderterschütterung im Bildungssystem. Wer Kinder hat oder selbst zur Schule geht, weiß, dass das aktuelle Schulhalbjahr vieles war, aber kein normales Schuljahr. Schulkinder, Eltern und Lehrkräfte tun ihr Möglichstes, um unter diesen schwierigen Bedingungen zu lehren und zu lernen. Aber einzelne Lehrkräfte, oder auch eine Schule, können nicht im Alleingang die digitale Lernpraxis neu erfinden.

2. Schul-Laptop statt "Bring your own device"

Hinzu kommt: Die Förderung zur Geräteanschaffung ist nicht ausreichend und wenig zielführend. Die Schulen kämpfen dadurch mit einem Chaos verschiedener Software und daraus folgenden Datenschutz- und Kompatibilitätsproblemen. Zudem hat nicht jede Familie einen Internetanschluss zuhause. Die bessere Lösung:

Jedes Kind bekommt von der Schule einen eigenen Laptop mit mobilem Datenzugang gestellt. Über SIM-Karten in Laptops ist es inzwischen problemlos möglich, damit dann auch zuhause zu arbeiten. Diese Laptops können die Kinder am Ende ihrer Schulzeit mitnehmen.

3. Online-Hausaufgabenbetreuung

Die Corona-Krise verschärft die sozialen Unterschiede beim Bildungserfolg. Wer zuhause Unterstützung und taugliche Geräte hat, kann zuhause auch besser lernen. Um die Startchancen auch für Kinder zu verbessern, die unter schwierigen Bedingungen lernen, muss bessere Online-Unterstützung angeboten werden. Die kann dann auch bei den Hausaufgaben helfen und so Kinder unterstützen, die zuhause wenig Hilfe bekommen können.

Die Corona Krise hat die mangelnde Digitalisierung an den Schulen offengelegt. Und wir wissen nicht, wie der künftige Pandemie-Verlauf den Unterricht weiter beeinträchtigen wird. Statt auf baldige Rückkehr zur alten Normalität zu hoffen, sollten wir die ohnehin sinnvolle Digitalisierung des Lernens jetzt richtig angehen. Bis zum Ende der Sommerferien müssen wir da weiter sein. Das sind die zentralen Hausaufgaben für die Bildungspolitik in der Sommerpause.