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Sommeruniversität

13. Sommeruniversität der Europäischen Linken vom 11. bis 15. Juli 2018 in Wien, Österreich

Alte und neue Herausforderung für die Linke

Ein Bericht von Alper Taparli

Die Sommeruniversität der Europäischen Linken fand in diesem Jahr vom 11. bis 15. Juli in Wien, Österreich statt. Gut 280 Genossinnen und Genossen aus 30 Ländern trafen sich in Wien zu ihrer bereits dreizehnten Auflage, und auch DIE LINKE war mit knapp 20 Teilnehmenden vertreten. Die Sommeruniversität erfreut sich an wachsender Beliebtheit in ganz Europa. Das Interesse unserer Genossinnen, die dieses Jahr knapp 45% der Teilnehmenden ausmachten, ist ein Zeichen für eine bessere Zukunft in Europa.

Die Europäische Linke (EL) ist eine Vereinigung sozialistischer, kommunistischer, rot-grüner und anderer demokratischer linker Parteien aus den Mitgliedstaaten der Europäischen Union und deren Partnerstaaten. Auf der Sommeruniversität waren also auch Genossinnen und Genossen aus nicht europäischen Ländern präsent - das Spektrum reichte von Albanien und Lettland über die Tschechische Republik und Belarus bis hin zur Türkei und Zypern.

Angefangen hat die vier tägige Veranstaltung mit einer Gedenkrede zu Ehren unserer, vor 2 Jahren verstorbenen, Genossin Elisabeth Gauthier. Auch Teilnehmende, die noch nie zuvor etwas über Elisabeth gehört hatten, waren fasziniert von ihrem Tatendrang und ihrem Engagement für die Europäische Linke. Die französisch-österreichische Europäerin und Kommunistin hat sich in ihrem zu kurzen Leben stark für den Zusammenhalt linker Europäerinnen eingesetzt.

Wie auch in den Jahren zuvor, war die Veranstaltung sehr gut vorbereitet und strukturiert. Das Programm war umfangreich und die Auswahl an Workshops war so vielfältig, dass Teilnehmende Schwierigkeiten hatten, sich einen davon auszusuchen. Auch der Veranstaltungsort, das Europahaus Wien, war gut ausgewählt, da es ausreichend Räumlichkeiten und eine gemütliche Atmosphäre bot.

Gleich am zweiten Tag wurden Teilnehmende von der Jungen Linken Österreich eingeladen, das rote Wien zu besichtigen. Neben der Geschichte der Arbeiterbewegung in Österreich hatten die Teilnehmenden auch die Gelegenheit, Informationen über den sozialen Wohnungsbau in Wien (z.B. den Karl Marx-Hof) und die Entwicklung der Situation auf dem Wohnungsmarkt zu bekommen. Ähnlich wie in Deutschland und in vielen anderen europäischen Ländern, sind auch in Österreich die Auswirkungen neoliberaler Politik zu sehen.

Neoliberale Politik und Rechtsruck in Europa waren auch die zentralen Themen der gesamten Veranstaltung. So deuteten die Titel vieler Workshops auf ein Europa, das große Herausforderungen für die Linke birgt:

 "Widerstand gegen die Neuauflage der Militarisierung und des kalten Krieges in Europa" war der Titel einen dieser Workshops. Claudia Haydt (Die Linke, Deutschland), Maite Mola (Vizepräsident der EL) und Antero Eerola (Left Alliance, Finland) sprachen über die Gefahr, dass Europa von einem kulturellen und wirtschaftlichen Projekt zu einer Militärischen Festung umgewandelt wird, und dass ein steigender Rüstungsetat zusammen mit militärischen Abkommen unter europäischen Ländern auf eine Vorbereitung zu bewaffneten Auseinandersetzungen auf mehreren Ebenen hinweist. Der Satz von Antero Eerola "Trump ist kein Idiot, er lenkt die Menschen mit seinen Skandalen ab, während er die Welt bis an die Zähne bewaffnet" war eine erfrischende Abwechslung zu allen anderen Trump-Kommentaren, die man in den Zeitungen lesen kann.

Es war zu beobachten, dass junge Linke aus ganz Europa besonders besorgt über den Rechtsruck in ihren Ländern sind. Sie versuchen Aktionspläne gegen Rechts mit rhetorischem Widerstand zu kombinieren, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Die junge SYRIZA zum Beispiel verhindert Kundgebungen und Straßenarbeiten der Goldenen Morgenröte wo es nur geht. Auch die Junge Linke aus Österreich hat ähnliche Vorgehensweisen gegen Neoliberale und radikale rechte Kräfte die oft Hand in Hand arbeiten.

"Wir müssen zusammenarbeiten und stärker werden!"

Man sollte Themen, die in ihrer Natur schon kompliziert sind, nicht unnötig weiter verkomplizieren. Es wird keine Veränderung des Verhaltens der Kapitalisten und keinen Kurswechsel der neoliberalen Politik ohne das Einwirken von linken Kräften geben. Diese jedoch sind im Moment nicht stark genug, um als ernstzunehmender Spieler wahrgenommen zu werden. Um wirksame Politik gegen den voranschreitenden Abbau der Sozialstaaten und den Rechtsruck auf dem gesamten Kontinent geltend zu machen, müssen wir es schaffen, die Gesellschaften auf unsere Seite zu ziehen. Frei nach dem Motto: "Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" sprachen viele Teilnehmer|innen darüber, dass sie in Zukunft auch außerhalb solcher Veranstaltungen enger zusammenarbeiten möchten.

Auch Kunst und Kultur kam bei der Sommer-Universität nicht zu kurz. "Flüchtlingsgespräche" hieß das, von Berthold Brecht inspirierte, Werk das unter der Direktion von Eva Brenner zu einer unter die Haut gehenden Improvisation wurde, um nur kurze Zeit später die Bühne für persischem und kurdischem Gesang frei zu machen.

Die abendlichen Gespräche machen meist den schönsten Teil solcher Veranstaltungen aus. Ob man nun die Redner finden und weitere Fragen stellen, oder neue Gesprächspartner aus einem anderen Land suchen möchte, nach dem Essen unter freiem Sternenhimmel war dies bei der Sommer-Universität leicht möglich. Eines ist klar, die Linke hat Ideen: Die Gründung einer eigenen Wohnungsgenossenschaft, um mit gutem Beispiel den Wohnungsmarkt zu beeinflussen und die Gestaltung einer Webseite über die linke Genossinnen und Genossen sich treffen, Europa, die Welt und die unterschiedlichen Organisationsstrukturen kennenlernen können, sind nur zwei der Ideen, über die in geselligen Runden gesprochen wurde.

"Wir brauchen nur etwas Mut und etwas mehr Selbstbewusstsein, um die Welt zu einem gerechteren Ort zu machen." sagte ein Teilnehmer aus Italien, kurz bevor er sich von seinen neu gewonnen Genossinnen und Genossen verabschiedete.

Die EL-Sommeruniversität bietet eine tolle Gelegenheit zum Austausch mit Gleichgesinnten aus anderen Ländern, Einblick in die Struktur und Arbeitsweise der ausrichtenden Partei sowie viele Infos und Neuigkeiten zu linker Politik über den landespolitischen Tellerrand hinaus. Wer Lust hat, im nächsten Jahr selbst bei einer Sommeruni dabei zu sein, sollte im Frühjahr nach der Ausschreibung im Newsletter und auf der Homepage Ausschau halten. 

Alper Taparli ist Mitglied im KV Ludwigsburg/Baden-Württemberg und nahm als Delegierter der LINKEN zum ersten Mal an der Sommeruniversität teil.