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Rosemarie Hein

Fachkräftemangel ist hausgemachtes Problem

Zum Fachkräfteprogramm der Bundesregierung erklärt das Mitglied des Parteivorstandes Rosemarie Hein:

So richtig es ist, ausländische Fachkräfte nicht schlechter zu stellen als solche mit deutscher Staatsbürgerschaft, so perfide ist es, jetzt auf Kosten anderer Länder die eigenen jahrzehntelangen bildungspolitischen Versäumnisse kaschieren zu wollen.

Nicht nur, dass über Jahre gut ausgebildete Fachkräfte in Deutschland keine Arbeit fanden und ihre Qualifikation sich mit der Zeit entwertete, dass sie ins Ausland gehen mussten, um ihre Existenz zu sichern, die Politik hat auch nahezu nichts dafür getan, das bildungspolitische Potenzial für Fachkräfte vor allem im naturwissenschaftlichen Bereich zu stärken. So spielen die naturwissenschaftlichen Fächer in den Stundentafeln mancher Länder bis heute eine untergeordnete Rolle, polytechnische Bildung ist in den meisten Ländern Fehlanzeige, und wenn, so wird sie nur als Vehikel für eine bessere Berufsorientierung verstanden.

Ein Land, das einen Großteil seiner wirtschaftlichen Leistungskraft aus innovativen Technologien schöpft, bedarf einer Schulausbildung, die dem auch gerecht wird. Dazu sind eine stärkere Betonung des naturwissenschaftlichen Unterrichts und mehr polytechnische Bildung erforderlich.

Bildungspolitische Weichenstellungen benötigen ein Jahrzehnt bis sie gesellschaftlich wirksam werden. Die Politik der Bundesrepublik und die Wirtschaft haben diese Weichenstellung vor mehr als einem Jahrzehnt verschlafen. Wenn man nun vor allem Fachkräften aus Osteuropa ermöglicht, in Deutschland Arbeit zu finden, ist das für die Betroffenen persönlich sicher eine attraktive Perspektive. Aus politischer Sicht aber nicht mehr als die Ausbeutung anderer Länder auf besonders perfide Weise. Schließlich profitiert man von einer Bildungsleistung, die man selber nicht zu erbringen bereit war. Die Bundesrepublik müsste jenen Ländern gerechterweise dann eigentlich einen angemessenen finanziellen Ausgleich für die geleistete Bildungsarbeit gewähren.


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