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LieLa e.V.

Kurzbeschreibung des Projektes

LieLa e.V. ist ein 2021 gegründeter feministischer Verein aus Bremen, der sich zum Ziel gesetzt hat, die allgemeine Lebenssituation von wohnungs- und obdachlosen Frauen zu verbessern. Die Gründung es LieLa Punkts, eines Abendstundentreffs und Schutzraums für wohnungs- und obdachlose Frauen steht im Zentrum der Projektarbeit.

Bei LieLa e.V. arbeiten Ehrenamtliche, vor allem Bremer:innen aus unterschiedlichen Generationen und mit verschiedenen Expertisen zusammen. Die unzureichende Anerkennung von und Hilfe für obdach- und wohnungslosen Frauen hat die Gruppe dazu bewegt das Projekt LieLa ins Leben zu rufen. Heute arbeiten mehr als 20 Aktive bei LieLa daran auf diese Problemlage aufmerksam zu machen und konkrete Lösungsvorschläge zu entwerfen.

Nach Schätzungen der Senatorin für Soziales sind in Bremen um die 600 Personen von Obdachlosigkeit betroffen, viele mehr vermutlich von Wohnungslosigkeit. Das Leben auf der Straße ist zermürbend, gewaltvoll und kann lebensbedrohlich sein. Frauen leiden besonders stark unter den Folgen von Obdach- und Wohnungslosigkeit und sind auf der Straße gleich mehreren Gefahren und Stigmatisierungen ausgesetzt. Sie sind häufiger körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt ausgesetzt, von sogenannter verdeckter Wohnungslosigkeit betroffen und leben zunehmend in Abhängigkeitsverhältnissen. Hier sind Gewalterfahrungen und traumatisierende Ausnutzung wahrscheinlich. Mit Strukturen der Zwangsprostitution und Suchterkrankungen wird die vulnerable Situation von Frauen ausgenutzt.

Trotz dieser Bedrohungen bleibt Obdachlosigkeit ein männlich dominiertes Thema. Im Fokus der Hilfesysteme wie Notschlafstellen stehen insbesondere männliche Obdachlose. Bis heute gibt es in Bremen keine sichere Unterkunft für den Abend oder die Nacht, die sich ausschließlich an Frauen und ihre Bedürfnisse richtet.

Die Einrichtung des LieLa Punkts ist das zentrale Ziel des Projekts. Der LieLa Punkt soll die Lücke im Bremer Versorgungssystem schließen und einen sicheren Raum für wohnungs- und obdachlose Frauen in der Bremer Innenstadt etablieren. Eine offene, niedrigschwellige und vor allem bedingungslose, freiwillige und zentrale Anlaufstelle in Form eines Tages- und Abendtreffs. Der Raum soll neben der sozialpädagogischen Beratung durch Fachkräfte auch Grundbedürfnisse abdecken (z.B. Essen, Trinken, Kleidung, Menstruations- und Hygieneprodukte), Unabhängigkeiten stärken (z.B. durch Computer, WLAN, Postadresse, Schließfächer) und Austausch und Vernetzung untereinander fördern.

Begleitend dazu arbeitet das Projekt bereits daran, eine bessere Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit und behördliche Anerkennung von dieser stark benachteiligten Gruppe zu erreichen und die Problematik auf die politische Agenda zu bringen. Dazu gehört neben der Öffentlichkeitsarbeit auf sozialen Netzwerken (Instagram, Twitter, Website, Newsletter) auch die Vernetzung und Kooperationen mit Bremer Initiativen wie Housing First sowie das Verteilen von Hygieneartikeln an wohnungs- und obdachlose Frauen.

Begründung für die Auszeichnung

Das Leben auf der Straße ist für Frauen mit größeren Gefahren verbunden als für Männer.  Obdach- und wohnungslose Frauen haben andere Bedürfnisse und sind mit einer Vielzahl von Problemen und sexualisierter Gewalt konfrontiert. Dabei hindern verdeckte Wohnungslosigkeit und Abhängigkeitsbeziehungen sie an einem selbstbestimmten Leben. Die Dominanz von männlichen Besuchern in den wenigen Übernachtungsmöglichkeiten kann ein Hinderungsgrund für Frauen sein, diese Räume aufzusuchen und aus Abhängigkeiten auszubrechen.

Eine differenzierte Betrachtung der geschlechterspezifischen Obdachlosigkeit findet im öffentlichen Diskurs und vor allem in der Präventionsarbeit und bei bestehenden Hilfsangeboten unzureichend statt. Es ist also dringend erforderlich passende Angebote zu schaffen, in denen Frauen sicher vor männlicher Gewalt und Ausbeutung sind.

LieLa e.V. stellt sich dieser Herausforderung und will Frauen in Bremen gezielt unterstützen. Das Engagement entstand aus dem Bedürfnis heraus, denjenigen Hilfe und Schutz zu bieten, die in der Gesellschaft wenig oder gar keine Beachtung finden und deren Bedürfnisse in ihrer unbestreitbaren Dringlichkeit nicht voll erkannt werden. Der LieLa Punkt will durch den Ansatz der akzeptierenden Sozialarbeit alle obdach- und wohnungslose Frauen erreichen, die vom Hilfesystem bisher nicht erreicht werden und im Stadtbild kaum sichtbar sind – immer orientiert an den individuellen Bedürfnisse und Anliegen der Frauen, um Schutz und langfristig den Ausstieg zu ermöglichen.

Feminismus, Empowerment und Partizipation spielen neben Akzeptanz und Freiwilligkeit in der Arbeit von LieLa eine große Rolle. Als feministischer Verein will LieLa die Solidarität unter Frauen fördern und Netzwerke und soziale Kontakte schaffen. Frauen sollen befähigt werden sich selbst zu ermächtigen, ihre Selbsthilfekräfte und Selbstverantwortung zu fördern, ihnen Möglichkeiten eröffnen, ihre Stimme zu erheben, sich selbst zu organisieren, ihr soziales Umfeld und ihr Leben selbst zu gestalten, statt es von außen gestalten zu lassen.

Eine Auszeichnung mit dem Clara-Zetkin-Frauenpreis 2022 würdigt eine engagierte Gruppe junger Bremerinnen, die nicht wegsieht, sondern aktiv daran arbeitet obdach- und wohnungslose Frauen aus ihrer Unsichtbarkeit und prekären Lage herauszubringen. Dabei geht es ihnen auch darum, die Gesellschaft und Politik aufzuklären, Bewusstsein und Aufmerksamkeit zu schaffen und zu sensibilisieren – denn es kann jede treffen.

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