Digitalkonferenz 2019
Audio-Beiträge

Rainer Fischbach (Softwarexperte und Publizist u.a. für Makroskop) spricht darüber, welche Umbrüche in der Wirtschaft, in Dienstleistungen und Industrie, sind durch den neuen Schub der Digitalisierung zu erwarten sind. Was sind die sozial-ökologischen und volkswirtschaftlichen Folgen von 5G, Industrie 4.0 und neuen Unternehmensstrategien? Welche Chancen eröffnen sich für ein stärker selbstbestimmtes Arbeiten und Leben, für eine sozial gerechtere und ökologische Gestaltung der Wirtschaft?

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Ein digitaler Kapitalismus droht die soziale Spaltung, die Klimakrise und die Aushöhlung der Demokratie zu verschärfen. Gefragt ist ein Transformationsprojekt von links: nur mit einer Demokratisierung der Wirtschaft lässt sich die Digitalisierung sozial gerecht und klimagerecht gestalten. Wie kann eine linke Agenda für eine sozial-ökologische und demokratische Transformation der digitalisierten Wirtschaft aussehen? Wie können Einstiege aussehen, mit denen wir die gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse nach links verschieben?

Mit: Input Rainer Fischbach (Softwarexperte und Publizist u.a. für Makroskop), Birgit Mahnkopf (Professorin (i.R.) für Europäische Gesellschaftspolitik an der HWR Berlin), Michael Fischer (Leiter Abteilung Politik und Planung beim ver.di Bundesvorstand) und Bernd Riexinger (Vorsitzender der Partei DIE LINKE), Moderation: Lia Becker (DIE LINKE;  wissenschaftliche MA von Bernd Riexinger)

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Im digitalen Zeit­alter müssen wir den Sozialstaat völlig neu denken. Die Digitalisierung kann dazu führen, dass die Menschen freier arbeiten und leben. Im schlimmsten Fall aber führt sie zur Verschärfung der sozialen Ungleichheit. Wie sieht also eine soziale Infrastruktur aus, die überhaupt mög­lich macht, dass alle Menschen das digi­tale Freiheitsversprechen einlösen kön­nen? Ohne einen Sozial­staat 4.0 wird es eine digitale Demokratie nicht geben können. Konkret bedeutet das, dass wir z.B. neue soziale Absicherungsinstrumente für die in­zwischen über zwei Millionen Soloselbst­stän­digen brauchen, die meist unter prekären Bedingungen über die Runden kommen müssen. Und wie sieht aus es mit einer solidarischen Bürgerversicherung, wie mit der Rente und wie mit sozialen Garantien, die tatsächlich Schutz gegen die um sich greifende Existenzangst bieten? Diese und weitere Fragen wollen wir in diesem Workshop stellen und Antworten finden.

Mit: Katrin Mohr (Politische Sekretärin im Bereich Grundsatzfragen und Gesellschaftspolitik beim Vorstand der IG Metall) und Philipp Frey (Vorstand Zentrum für emanzipatorische Technikforschung)

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Mit der Digitalisierung haben auch Über­wa­chung und Kontrolle neue Ausmaße ange­nom­men. Geheimdienste und Staat übertreffen sich in ihrem Wunsch nach Überwachungsmaß­nah­men. Die digitale Aufrüstung eskaliert und die Kontrolle der verantwortlichen Institutionen wird systematisch verhindert. Das zeigen so­wohl der NSA- als auch der NSU-Skandal. Der Regierung geht es nicht um unsere Sicherheit, sondern um die Interessen der Rüstungsindustrie und die Macht ihrer ei­ge­nen Sicherheitsapparate. Sie bekämpft die Angst nicht, sondern instrumentalisiert sie für ihre eigene Agenda. Un­ser Recht auf Schutz der Privatsphäre wurde in den letzten Jahren zunehmend erodiert, Missbrauch von Geheimdiensten nachträglich legalisiert. Auch werden die technischen Errungenschaf­ten derzeit für eine vernetzte, unüberwindliche „Grenzsicherung“ an den Gräben und Zäunen der Festung Europa und für Kriegseinsätze genutzt. Das heißt „Abschottung und Krieg 4.0“. Der brutale Akt der europäischen Abschottung wird auf die Technik ausgelagert – Verant­wortung verwischt und eine technokratische Dystopie wird zum Greifen nahe: Algorithmen entscheiden, wer die smarte Mauer über­winden darf und wer nicht. Diese Entwicklungen kündigen ein Über­wachungssystem an, das die Menschen wie nie­mals zuvor unter die Kapitalinteressen stel­len und die bestehenden Verhältnisse mittels Ma­schinen verwalten und verfestigen würde. Aber: So muss es nicht kommen. Wir haben eine Wahl.
 

Mit: Matthias Monroy (Wissensarbeiter, Aktivist und Mitglied der Redaktion der Zeitschrift Bürgerrechte & Polizei/CILIP), Pascal Stuiber (Politikwissenschaftler und Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundestag) und Felix Lee (2012 bis 2019 China-Korrespondent der taz in Peking, jetzt wieder in Berlin für Weltwirtschaft zuständig), Moderation: Shaked Spier (Sprecher der BAG Netzpolitik bei der LINKEN)

Beitrag von Felix Lee (25:19 Min, 24,3 MB) | Beitrag von Matthias Monroy (10:02 Min, 9,6 MB) | Beitrag von Pascal Stuiber (21:12 Min, 20,4 MB)

Kapitalismus, technische Innovationen und Arbeitswelt sind eng miteinander verwoben. Heute wie zu Beginn der Industrialisierung steht das Renditestreben der Unternehmen den Wünschen der Beschäftigten nach Guter Arbeit, sicheren Arbeitsplätzen und betrieblicher Mit- und Selbstbestimmung gegenüber. Die aktuellen politischen Kämpfe sind somit keine gänzlich neuen; sie finden im klassischen Spannungsfeld zwischen Kapital und Arbeit statt. Die Digitalisierung bricht nicht nur herkömmliche Arbeitsstrukturen auf, sondern stellt auch die Verteilungsfrage neu: Wie und von wem wird Mehrwert erzeugt und wer bekommt ihn? DIE LINKE beobachtet seit Jahren, dass Arbeitgeberverbände die Digitalisierung als Einfallstor zu nutzen versuchen, um hart erkämpfte Schutzrechte von Beschäftigten aufzuweichen und eine neue Welle der arbeitsmarktpolitischen Deregulierung durchzusetzen. Ziel des Panels ist eine Diskussion darüber, wie ein positiver Gegenentwurf der LINKEN aussehen kann, um Gewinne gerechter zu verteilen, neue Erwerbsformen sozial abzusichern und Beschäftigte zu entlasten und zu stärken.

Mit: Nadine Müller (Referentin im Bereich Innovation und gute Arbeit bei ver.di), Jessica Tatti (Sprecherin zum Thema Arbeit 4.0 der Linksfraktion im Bundestag) und Florian Butollo (Weizenbaum Institut, Leiter der Forschungsgruppe "Arbeiten in hochautomatisierten digital-hybriden Prozessen") 

 

Beitrag von Nadine Müller (19:05 Min, 18,6 MB) | Beitrag von Jessica Tatti (9:48 Min, 9,4 MB) | Beitrag von Florian Buttolo (25: 54 Min, 24,4 MB)

Welche Hoffnung lag nicht auf den neuen Medien. Utopien sahen eine wirkliche Demokratisierung der Medien kommen. Der/die Empfänger*in konnte selbst zum/zur Sender*in werden. Dialog wurde möglich. Sollte Brechts Radiotheorie Praxis werden? Der Tag lag nah, an dem Springer, Murdoch und Co. ihr Monopol auf Desinformation genommen werden konnte. Nach der kurzen Phase der Hoffnung landeten wir in der Phase der Dystopie. Rechte Hetze, Kampf gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk statt gegen die Macht privater Medienkonzerne, die Wahl Trumps mittels gezielter Social-Media-Kampagnen oder die Verbreitung von Fake-News: Die Digitalisierung der Medien schafft es offenbar, die niedrigsten Instinkte noch zielgerichteter zu mobilisieren als es Hetzblätter wie BILD je konnten. Gleichzeitig führt die Digitalisierung und die schlafmützige Reaktion seitens der Verlage auf diese technische Revolution sowie gesteigerte Renditeorientierung in der Hochphase des Neoliberalismus auch noch zu einem Qualitätsverlust: Fehlende Bezahlkultur führte zu ausgedünnten journalistischen Angeboten, prekäre freiberufliche Arbeit erschwert gute Recherche und unabhängigen Journalismus, und die Vermarktungsabteilung der Verlage im digitalen Kapitalismus verlangt von ihren Online-Redaktionen SEO-Optimierung statt investigativem Journalismus, fundierter Recherche und längeren feuilletionistischen Reportagen.

In diesem Workshop wollen wir die Entwicklung der Digitalisierung der Medien aus verschiedenen Perspektiven bearbeiten. Grundsätzlich – wie kann linke Medienkritik heute eigentlich noch aussehen, Medienpolitisch – wie wollen wir die Digitalisierung der Medienarbeit unter demokratischen, aufklärerischen und emanzipatorischen Gesichtspunkten steuern und medientechnisch – wie kann linke und das heißt aufklärerische und empowernde Medienarbeit in Zeiten der Digitalisierung eigentlich aussehen? In Teil 1 des Workshops liegt der Fokus auf der Medienkritik und Medienpolitik.

Mit: Doris Achelwilm (MdB), Medienpolitische Sprecherin Fraktion DIE LINKE im Bundestag, Malte Krückels (Staatssekretär Medien in Thüringen), Peter Freitag (stv. Vorsitzender dju in verdi), Katharina Nocun (Netzaktivistin, Autorin, Bloggerin)

Grundlagenreferat von Tom Strohmeier | Download ( 17:30 Min, 16,8 MB)