Elizabeth Ngari erhält Clara-Zetkin-Preis
Der Clara-Zetkin-Preis 2025 wurde am Samstag dem 30. August im KCR Dortmund an Elizabeth Ngari verliehen. Dazu sagt Jan van Aken, Vorsitzender der Partei Die Linke, der die Laudatio hielt:
„Trotz der gegenwärtigen Wohnungskrise ist es für die meisten Menschen kaum vorstellbar, unter was für Verhältnissen geflüchtete Menschen in Massenunterkünften leben: Auf viel zu engem Raum, ohne Privatsphäre und viel zu oft in provisorischen Containerunterkünften oder großen Hallen. Für Frauen und Kinder ist das eine besonders große Herausforderung und Gefahr: Sie sind in Massenunterkünften oftmals nicht ausreichend geschützt.
Doch die Regierung unternimmt nicht viel um das zu ändern, schlimmer noch, die hat gar kein Interesse, diese Situation zu verändern. Sie macht immer wieder deutlich, dass geflüchtete Menschen hier nicht gewollt sind und man ihnen auch deshalb keine zumutbare Bleibe zur Verfügung stellt wird. Und das obwohl Massenunterkünfte am Ende oft teurer sind.
Es gehört viel dazu, sich angesichts solcher Widrigkeiten nicht entmutigen zu lassen, sondern im Gegenteil noch für andere Mitmenschen einzustehen. Clara Zetkin, nach der dieser Preis benannt wurde, hat einmal gesagt: „Lassen wir uns nicht schrecken durch die Ungunst äußerer Umstände, haben wir für alle Schwierigkeiten nur eine Antwort: ‚Erst recht!‘“ Dieses „Erst recht“ verkörpert Elizabeth Ngari.
Aufgrund ihrer eigenen schrecklichen Erfahrungen in Sammelunterkünften hat sie 2002 in Brandenburg die Gruppe ‚Women in Exile‘ gegründet. Gemeinsam mit anderen geflüchteten Frauen hat sie Lager für Lager bereist – erst in Brandenburg, dann in ganz Deutschland. ‚Lager abschaffen‘ wurde zur zentralen Forderung von Elizabeth Ngari und später einer ganzen Bewegung. Sie stellte damit etwas in den Mittelpunkt ihrer Arbeit, was bis dahin höchstens am Rande thematisiert wurde: Alle Menschen, egal woher sie kommen und wohin sie gehen, haben einen Anspruch auf ein sicheres, selbstbestimmtes und menschenwürdiges Wohnen.
Doch Politikerinnen und Politiker machen ein menschenwürdiges Wohnen – damals wie heute – immer schwerer, und für Geflüchtete oft unmöglich. Statt sich um gute und bezahlbare Wohnungen für alle zu kümmern, betreiben konservative und rechte Politiker*innen Spaltung und tun so, als seien Geflüchtete das Problem. Es sind aber nicht geflüchtete Menschen, die unverschämt hohe Profite mit unseren Mieten machen. Es sind nicht geflüchtete Menschen, die den sozialen Wohnungsbau faktisch auslaufen lassen. Unsere Antwort muss gemeinsamer Einsatz für bezahlbares und gutes Wohnen für alle sein.“
Die Linke würdigt mit dem Clara-Zetkin-Preis jährlich ein feministisches Projekt oder eine Einzelperson, das oder die die Gleichstellung zwischen den Geschlechtern in der Gesellschaft befördert, sich für Frauenrechte einsetzt oder für ein schönes Leben für alle ohne Patriarchat kämpft. Das Preisgeld beträgt 2.500 Euro. Unter einer Rekordzahl von 136 Einreichungen hatte die Jury die folgenden fünf Projekte und Einzelpersonen nominiert:
- Lila Hilfe
- Liga für unbezahlte Arbeit (LUA)
- Elizabeth Ngari
- Cocoon. Queerfeministisches Hebammen*kollektiv
- Feminizidmap.org
Ausschreibung, Jury und Informationen zu den Nominierten hier.