Der Schoß ist fruchtbar noch ...
Anlässlich des 70. Jahrestages der Novemberpogrome erklärt der Vorsitzende der Partei DIE LINKE Lothar Bisky:
DIE LINKE verurteilt die Novemberpogrome von 1938 als eine barbarische, menschenverachtende Aktion, die in völligem Gegensatz zu den geistigen und humanistischen Traditionen des deutschen Volkes und den Grundsätzen und Zielen der Arbeiterbewegung steht. Die Täter von damals, Funktionäre und Mitläufer des 1933 zur Macht geschobenen Nationalsozialismus sind bekannt. Antisemitismus und Rassismus waren wesentliche ideologische Grundlage für deren Handeln.
Heute sind Antisemitismus und Rechtextremismus in Deutschland kein Rand- oder Jugendproblem. Es gibt weiterhin antisemitische Vorurteile, Einstellungen und Taten. Soziologische Untersuchungen belegen: Mehr als ein Drittel der Deutschen ist latent antisemitisch eingestellt. Träger solcher Meinungen und Handelnde kommen aus allen Generationen, üben die unterschiedlichsten Berufe aus und haben verschiedene Weltanschauungen. Allein in den ersten Monaten dieses Jahres gab es bundesweit über 800 antisemitische und 14.000 rechtsextremistische Straftaten. Im statistischen Schnitt wird in der Bundesrepublik Woche für Woche ein jüdischer Friedhof geschändet. Das ist der erschreckende aktuelle Befund.
DIE LINKE sieht sich in der Verantwortung, diesen neuen Ausgrenzungen und Bedrohungen mit dem Ziel entgegen zu treten, Antisemitismus stets aufs Neue zu ächten und entschieden zu bekämpfen. Antisemitismus ist keine politische Kritik. Antisemitismus ist eine menschenverachtende Ideologie. Begegnen kann man dem Antisemitismus durch beharrliche Aufklärung, Wissensvermittlung und striktes, sofortiges Einschreiten, wo immer es antisemitische Vorkommnisse gibt.
Für die Partei DIE LINKE ist der 70. Jahrestag des Novemberpogroms Anlass, ihre grundsätzlichen Positionen gegen Antisemitismus, Rassenhass und Rechtsextremismus zu bekräftigen und sich an vielfältigen Aktivitäten demokratischer Kräfte vielerorts in Deutschland zu beteiligen.
Die geschichtliche Lehre daraus kann nur lauten: Entschiedener Kampf gegen alle Quellen und Erscheinungsformen von Antisemitismus, Rassenhass, Rechtsextremismus und Menschenverachtung. Hoffnungsvoll stimmt, dass sich 2008 mehr Menschen als in den Jahren zuvor – darunter besonders viele Jugendliche – am Gedenken zu den Novemberpogromen des Jahres 1938 beteiligen wollen und darin eine sie persönlich betreffende Angelegenheit sehen.
Am 9. November 2000 demonstrierten in Berlin auf Initiative der demokratischen Parteien, Verbände und Organisationen mehrere hunderttausend Menschen für Menschlichkeit und Toleranz. Diesen gemeinsam bekundeten Willen heute durch kleinkarierte, parteipolitische oder machtbesessene Aktivitäten infrage zu stellen oder gar zu unterlaufen, ist ungeheuerlich und würdelos.
Im Kampf für Menschenrechte, Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität und gegen Antisemitismus, Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus ist DIE LINKE ein verlässlicher Verbündeter. Faschismus ist und bleibt ein Verbrechen an der Menschlichkeit!
DIE LINKE begrüßt ausdrücklich, dass es in Deutschland wieder ein sich entwickelndes jüdisches Leben und eine ausstrahlende jüdische Kultur gibt. Und sie bekräftigt in diesem Zusammenhang nochmals: "Die Haltung gegenüber Israel ist insofern eindeutig, als wir alle das Existenzrecht Israels bestätigen, als wir alle die besondere historische Verantwortung der Deutschen gegenüber Jüdinnen und Juden akzeptieren, als wir alle wissen, dass Geschichte immer wieder der Aufarbeitung bedarf. Andererseits gibt es Kritik an Israel, weil die Rechte der Palästinenserinnen und Palästinenser nach wie vor nicht durchgesetzt sind." (Gregor Gysi, 3. November 2008)
