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Ines Schwerdtner & Jan van Aken

Vier Säulen für Gerechtigkeit – So kämpft Die Linke 2026

Auf einer gemeinsamen Gremienberatung am 10. Januar haben der Bundesvorstand und die Landesvorsitzenden der Partei Die Linke eine inhaltliche Schwerpunktsetzung für das Jahr 2026 verabschiedet. Für eine etwaige Berichterstattung finden Sie anbei den Plan.

Dazu erklärt die Vorsitzende der Partei, Ines Schwerdtner: „Der Parteivorstand hat in den letzten Monaten intensiv beraten, wie wir dem Rechtsruck und dem Aufstieg der AfD begegnen können. Die Landtagswahlen im Osten werden zum entscheidenden Test – für unsere antifaschistische Strategie, aber auch für den Anspruch, im Lager der progressiven Parteien die Führung zu übernehmen. Unser Ziel ist klar: Rote Leuchttürme inmitten der braun-blauen Welle. Wie das geht, hat der Wahlkampf in Berlin-Lichtenberg eindrucksvoll gezeigt.“

Jan van Aken, der Vorsitzende der Partei Die Linke, ergänzt: „Wir wollen nicht nur diejenigen erreichen, die uns ohnehin schon wählen, sondern wir wollen raus aus der Blase, dorthin, wo der Frust groß ist und die Hoffnung fehlt. Die Zahlen zeigen: Bezahlbarkeit ist das Thema, das unsere Zielgruppen eint – ob junge Menschen in der Stadt, Rentner auf dem Land oder Menschen, die sich von der Politik längst verabschiedet haben. 2026 geht es um Siege – die kleinen wie die großen. Denn nur wer erlebt, dass sich etwas verbessert, glaubt auch wieder an Veränderung.“

Ein bezahlbares Leben für alle, sicheres Wohnen, nein zu Krieg und Wehrpflicht – Unser Plan für 2026

Die Menschen haben uns mit ihrer Stimme zur Bundestagswahl einen Auftrag gegeben: Das Leben muss wieder bezahlbar werden. Egal ob Rentner, alleinerziehende Mutter, Mieterin, Studierende – wir wollen ein gutes und sicheres Leben für alle. Das ist unser Ziel und dafür setzen wir alles in Bewegung.

Deswegen haben wir im Herbst unsere große Mieten-Kampagne gestartet. Eine echte Kampfansage an die Mieten-Mafia und ihre mächtige Lobby. 

2026 stehen weitere große Herausforderungen an: Die Regierung plant, die Menschen in diesem Land noch härter schuften zu lassen und noch mehr zur Kasse zu bitten. Diese Pläne sind ein systematischer Angriff auf uns alle. Denn während Superreiche und Wirtschaftsbosse noch mehr Profite einfahren sollen, wird die breite Mehrheit der Menschen von maroder öffentlicher Infrastruktur, erdrückenden Lebenshaltungskosten und explodierenden Mieten zermürbt. Eingebettet ist das in einen gesellschaftlichen Rechtsruck, der zu einer zunehmenden Härte und Abgrenzung gegenüber denjenigen führt, die am wenigsten haben. Um zu überdecken, dass die Menschen sich ihr Leben nicht mehr leisten können, wird nach denen getreten, die sich kaum wehren können. Dies ist ein politisches Konjunkturprogramm für die AfD. 

Dabei sind es nicht die hart arbeitenden Menschen in diesem Land, die für die wirtschaftliche Krise verantwortlich sind. Im Gegenteil: Die Produktivität steigt stetig, die Gewinne der Konzerne auch. Zugleich stagnieren die Löhne. Immer mehr Menschen können sich ihren Alltag nicht mehr leisten. Während die Mehrheit der Bevölkerung den Gürtel immer enger schnallen soll, schreitet gleichzeitig die Militarisierung in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens mit Milliardensummen weiter voran. 

Unsere Aufgabe ist es, diesen politischen Kurs zu stoppen und den Menschen wieder Hoffnung zu geben, dass sich wirklich etwas zum Besseren in ihrem Leben ändern kann. Gemeinsam haben wir es in der Hand.

Und eines ist klar: 2026 wird kein Jahr der bloßen Forderungen – 2026 wird das Jahr, in dem die Bedeutung der Linken in der Politik unübersehbar wird. Wir wissen um unsere Rolle, und immer mehr Akteur*innen in der politischen Landschaft beginnen zu erkennen, dass ohne uns zentrale gesellschaftliche Weichenstellungen nicht zu machen sind. In Berlin stehen wir davor, eine erste Bürgermeisterin zu stellen – ein historischer Moment! Und in weiteren Bundesländern werden wir wieder Verantwortung übernehmen: Unsere Stärke macht es möglich, dass wir nicht nur Parlamentssitze gewinnen, sondern aktiv gestalten. Bei den Landtagswahlen wird die Linke das entscheidende Zünglein an der Waage sein, um die AfD von den Schalthebeln der Macht fernzuhalten – wie organisieren die rote Hoffnung gegen den braunblauen Untergang. Zugleich werden wir mit aller Kraft dafür kämpfen, bei den Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz erstmals in die jeweiligen Landtage einzuziehen – ein Meilenstein in der Geschichte der Bundesrepublik.

Dass die Linke stark ist, bedeutet konkrete Verbesserungen für die Menschen: In dieser Legislatur wird es keine allgemeine Wehrpflicht für Frauen geben, denn unsere Stärke im Bundestag verhindert den Versuch, die Freiheit von jungen Frauen einzuschränken – für diesen Vorschlag wird es keine verfassungsändernde 2/3 Mehrheit geben. Und auch andere geplante Verschlechterungen des Grundgesetzes, die die Lebenswirklichkeit der Menschen verschlechtern würden, werden wir nicht mittragen.

Diesen Herausforderungen werden wir uns im nächsten Jahr intensiv widmen:

Der Fahrplan der Linken für das Jahr 2026 steht auf vier Säulen – so einfach wie konsequent. Erstens: Wir kämpfen für Bezahlbarkeit und ein Leben ohne Existenzängste. Zweitens: Wir holen uns die Kontrolle über unsere Mieten zurück und stellen uns der dreisten Mieten-Mafia entgegen. Drittens: Wir sagen Nein zur Militarisierung und stellen uns entschieden gegen Wehrpflicht, Kriegslogik und Aufrüstung. Viertens: Wir gehen mit voller Kraft in die anstehenden Wahlkämpfe, um überall rote Leuchttürme zu bauen.

Diese vier Säulen tragen unser politisches Jahr – in den Parlamenten, auf der Straße und im Alltag der Menschen.

1. Wir kämpfen für ein bezahlbares Leben für alle 

Seit Jahren steigen die Preise – egal ob an der Supermarktkasse, beim Strom oder beim Heizen. Und niemand tut etwas dagegen. Wenn weder Lohn noch Rente zum Leben reicht, dann läuft etwas gewaltig schief. Am Ende des Monats muss bei allen nicht nur genug Geld für Miete und warmes Essen da sein, sondern auch für neue Kinderkleidung, einen Besuch im Stadion oder die Reparatur der Waschmaschine. Egal ob jung oder alt, Stadt oder Land, Ost oder West: Wir alle verdienen ein Leben ohne Existenzängste. Doch die Regierung, große Konzerne und ihre Lobbyverbände tun nichts gegen die Preisexplosion. Sie wollen sogar, dass für zu wenig Geld noch länger und härter gearbeitet wird. Sie wollen den 8-Stunden-Tag beerdigen und auch noch an der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung sparen. Sie wollen uns bis zum letzten Cent kaputtsparen und nehmen uns damit die Sicherheit. Dagegen werden wir Widerstand organisieren!

  • Mit einem “Anti-Abzock-Amt” gegen explodierende Preise! Wir setzen uns ein für die Einführung einer Preiskontrollstelle, die die Preisentwicklung zentraler Güter des täglichen Bedarfs – etwa Lebensmittel und Energie – überwacht. Wenn Konzerne in systemrelevanten Branchen Preise deutlich stärker anheben als die Kosten gestiegen sind, muss es möglich sein, kurzfristig in den Markt einzugreifen. Auf Preisschocks muss reagiert werden. Im Energiesektor zum Beispiel sollen dann ohne Genehmigung keine Preiserhöhungen vorgenommen werden dürfen.
  • Der Alltag muss wieder bezahlbar werden! Wir fordern als Sofortmaßnahme, Grundnahrungsmittel, Hygieneartikel und Tickets des öffentlichen Nahverkehrs von der Mehrwertsteuer zu befreien. Auch das Deutschlandticket für 9 Euro muss zurück, damit jede und jeder einfach und günstig von A nach B kommt. Langfristig wollen wir den ÖPNV kostenfrei zugänglich machen.

2. Wir wehren uns gegen die Mieten-Mafia

2025 ist uns mit dem Auftakt unserer bundesweiten Mietenkampagne etwas großes gelungen. Aber das war erst der Anfang. Im ganzen Land werden wir im Jahr 2026 lokale Initiativen starten und gemeinsam mit den Mieterinnen und Mietern Wohnung für Wohnung und Euro für Euro von dreisten Vermietern zurückholen. Unser Ziel ist klar: Der bundesweite Mietendeckel muss kommen, aber wir unterstützen auch jetzt schon unbürokratisch:

  • Wir gehen auch im nächsten Jahr an die Haustüren und werden unseren Heizkostencheck weiter ausbauen und intensivieren.
  • Wir wollen im ganzen Land flächendeckend Anlaufstellen aufbauen, in denen die Menschen mit ihren Problemen bei der Miete zu uns kommen können. Jeder Kreisverband soll in Zukunft Mieter*innen direkt helfen können, wenn Vermieter wieder mit neuen Unverschämtheiten kommen.
  • Bei mindestens vier kommunalen Wohnungsunternehmen wollen wir einen Mietendeckel oder deutliche Mietsenkungen durchsetzen. Damit wollen wir zeigen, dass Wohnen auch anders geht!

Gemeinsam mit tausenden Mieterinnen und Mietern im ganzen Land wehren wir uns gegen die dreisten Vermieter. Wir werden uns gemeinsam gegen ihre Abzocke zur Wehr setzen – damit wir alle ein sicheres Zuhause haben.

3. Wir sagen: Nein zum Krieg, Nein zur Wehrpflicht 

SPD und Union planen eine verpflichtende Musterung. Noch im Koalitionsvertrag hieß es, ein neuer Wehrdienst solle freiwillig sein. Doch nun wird ein Zwangsdienst durch die Hintertür vorbereitet. Diejenigen, die es betrifft, werden ignoriert: Die Mehrheit der jungen Menschen lehnt die Wehrpflicht ab.

Das Recht, den Dienst an der Waffe zu verweigern, ist ein Grundrecht – Ausdruck von Gewissensfreiheit und persönlicher Verantwortung. Wer sich entscheidet, keine Waffe in die Hand zu nehmen, verdient Unterstützung und Respekt. Deshalb wird Die Linke Menschen bei der Wehrdienstverweigerung unterstützen:

  • Wir werden über ‚Die Linke Hilft‘ eigene Beratungs- und Informationsangebote fördern, aufklären, über rechtliche Möglichkeiten und solidarische Netzwerke informieren. Hierfür wollen wir auch mit Organisationen wie DFG-VK kooperieren, um an so vielen Orten wie möglich kostenlose Beratungen anzubieten. Wir lassen niemanden allein, der den Dienst an der Waffe verweigern möchte.
  • Wir werden über Tipps und Tricks für die Zwangs-Musterung und Kriegsdienstverweigerung informieren, denn es gibt viele Möglichkeiten, sich dem Zwangsdienst zu entziehen.
  • Wir betten unsere Aktivitäten gegen die Wiedereinführung von Wehrpflicht und Zwangsdienst in eine verstärkte Aufklärung und Politik gegen die gegenwärtige Militarisierung der Gesellschaft und die massive Aufrüstung der Bundeswehr ein.

4. Die blaue Welle brechen – Rote Leuchttürme bauen! 

Im nächsten Jahr stehen viele zentrale Wahlen an. Unser Plan steht: Ein bezahlbares, sicheres Leben muss wieder für alle möglich sein – egal ob in Stendal, Berlin, Greifswald, Karlsruhe oder Ludwigshafen. 

  • In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz haben wir erstmals die realistische Chance, in den Landtag einzuziehen. Als soziale Opposition werden wir dringend gebraucht, um den Finger in die Wunde zu legen. Nur mit einer starken Linken im Landtag werden die Themen endlich angesprochen, um die es den Menschen geht: Die Bezahlbarkeit ihres Alltags und eine gute Versorgung vor Ort.
  • Bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern kommt es auf uns an, dem Durchmarsch der AfD Einhalt zu gebieten. In Sachsen-Anhalt scheut sich die CDU nicht, die gleiche rechte Politik zu machen wie die AfD. Soziale Sicherheit bleibt dabei auf der Strecke, die Transformation der Industrie im Land wird auf dem Rücken der hart arbeitenden Menschen verschlafen. Initiativen, die für eine solidarische Gesellschaft streiten, werden kaputtgespart. In Mecklenburg-Vorpommern haben wir in den letzten Jahren als Partei bereits einige Verbesserungen – wie die Sicherung der beitragsfreien Kita oder die Einführung des 8. März als Feiertag – erkämpft. Trotzdem ist durch die bundesweiten Preissteigerungen das Leben immer teurer geworden. Wir treten bei beiden Landtagswahlen dafür an, das Leben wieder bezahlbar zu machen und stellen uns mit aller Kraft gegen die, die nach unten treten und ausgrenzen. Wir wollen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt mit roten Leuchttürmen Orte der Hoffnung schaffen.
  • Wir kämpfen darum, dass Berlin wieder bezahlbar wird. In unserer Hauptstadt, in der fast vier Millionen Menschen leben, arbeiten und ihre Kinder großziehen, kommen immer mehr Menschen kaum noch über die Runden, während sich Vermieter und Investoren eine goldene Nase verdienen. Wir wollen nicht, dass große Immobilienkonzerne darüber entscheiden, in welche Richtung sich unsere Stadt entwickelt – sondern wir. Egal, ob in Kreuzberg oder Marzahn, ob Sonnenallee oder Grunewald – wir alle wollen ein sicheres und bezahlbares Zuhause. Berlin soll eine Stadt sein, in der man nicht nur für die Miete arbeiten geht, sondern sich auch zukünftig einen Konzertbesuch, ein Stück Kuchen im Café oder den Eintritt für das Schwimmbad leisten kann.
  • Bei allen anstehenden Wahlkämpfen gilt: Wir sprechen nicht über Menschen, sondern mit ihnen: Ganz konkret vor Ort, ob auf dem Marktplatz oder an der Haustür. Denn bei uns stehen die an erster Stelle, die das Land am Laufen halten. Wir machen keine Politik für Linke – sondern linke Politik für alle!

Das alles ist keine Utopie für eine ferne Zukunft, sondern im Hier und Heute umsetzbar. Wir zeigen, wie unsere Vorschläge finanziert werden können und wie wir alle davon profitieren. Der Grundgedanke ist dabei: Höhere Einnahmen u.a. durch eine gerechte Besteuerung der Reichen und Superreichen und eine Beteiligung aller Einkommen an Pflege- und Krankenversicherung und aller Erwerbseinkommen an der Rentenversicherung machen den Sozialstaat finanzierbar. Das entlastet die Menschen bei den Beiträgen und macht bessere Leistungen für alle möglich. Damit wir uns alle unser Leben leisten können.

Zentral sind für uns die Wiedereinführung einer Vermögenssteuer, eine Reform der Erbschaftssteuer, das Schließen von Steuerschlupflöchern und die Abschaffung der Verschonungsbedarfsprüfung bei Riesen-Erbschaften. Nach unseren Berechnungen bringt alleine die Wiedereinführung der Vermögenssteuer der öffentlichen Hand mindestens 108 Milliarden Euro im Jahr, im Februar werden wir dazu neue Zahlen vorlegen. Wir schlagen einen ansteigenden Steuersatz vor: Ab einem Vermögen von einer Million Euro 1 Prozent im Jahr, ab 50 Millionen wird ein Steuersatz von 5 Prozent fällig. Für Vermögen über einer Milliarde zahlen Milliardär*innen 12 Prozent pro Jahr. Mit einer Vermögenssteuer könnten Schulen saniert, Kitas gestärkt und Busse bezahlt werden – die Verbesserungen können Menschen da spüren, wo sie wohnen.