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Hannoverscher Parteitag

Reden und Grussworte

Hannoverscher Parteitag Rede von Malalai Joya

Hannoverscher Parteitag

Ich verurteile aufs schärfste die Asylpolitik der EU-Mitgliedstaaten

Zunächst einmal möchte ich der LINKEN danken, dass ich Euch eine Botschaft der leidenden und unterdrückten Menschen Afghanistans überbringen kann.

Bis heute sind die Männer und Frauen meines Landes nicht frei, sondern leiden immer noch unter faschistischem Fundamentalismus unterschiedlichster Art und unter der Okkupation durch die USA und die NATO.

Liebe Freunde, ich muss Euch die in Afghanistan herrschenden Bedingungen sicherlich nicht im Detail beschreiben. Die große Zahl Asylsuchender, darunter vor allem junge Leute, die große Risiken auf sich nehmen, um nach Europa und in andere Länder zu gelangen, ist schlagender Beweis für die schlimmen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen im Lande.

Ich bin der Meinung, dass die Verantwortung für die derzeitige Katastrophe in Afghanistan eindeutig bei den westlichen Regierungen liegt. Die Welle von Terrorismus und die wachsende Zahl von Asylsuchenden sind das Ergebnis einer völlig fehlgeschlagenen Politik in Afghanistan, Irak, Syrien, Libyen, Jemen und anderswo in den letzten 15 Jahren.

60 Prozent der Afghanen haben keine Arbeit und leben in Elend. Sie gehen dann zu den Taliban, dem IS oder anderen terroristischen Gruppen, die ihren Kämpfern bis zu 600 US$ im Monat zahlen. Diejenigen, die der Westen wieder zurückschickt, werden oft drogenabhängig oder schließen sich den Terroristen an, um zu überleben.

Ich verurteiIe aufs schärfste die Asylpolitik der EU-Mitgliedstaaten. Deren Werte, die Menschenrechte, die internationalen Verträge und vor allem ihre eigene Rolle in der Krise sind eigentlich eine Verpflichtung für sie, Menschen in Not zu helfen. Sie müssen das Völkerrecht, das auch für Flüchtlinge gilt, respektieren.

Liebe Freunde, der sogenannte "Krieg gegen den Terror" ist die Lüge des Jahrhunderts. Der Terrorismus ist immer noch eine strategische Waffe in den Händen des Weißen Hauses, um Asien zu destabilisieren und den wirtschaftlichen und militärischen Vormarsch Russlands, Chinas und anderer Rivalen zu stoppen. Die wachsende Stärke Asiens wird als Bedrohung des amerikanischen Empires gesehen. Die Asien-Strategie soll den Kontinent mit Krieg, Terrorismus und Instabilität überziehen – eine Politik, die Europa ebenfalls treffen wird.

Viele von Euch haben von der "Mutter aller Bomben" gehört, der stärksten nicht-nuklearen Bombe, die von den USA vor kurzem über Afghanistan abgeworfen wurde. Die Mütter aller Bomben, Splitterbomben, weißer Phosphor oder abgereichertes Uran bringen keine Demokratie.

Solange unser Land von den USA und der NATO besetzt ist, werden die Menschen weder Sicherheit noch Stabilität haben.

Liebe Freunde, während des jahrzehntelangen Krieges haben die progressiven Kräfte Afghanistans gekämpft, sich der Okkupation und dem Fundamentalismus widersetzt, was eine Quelle der Hoffnung für die Zukunft unseres Landes ist. Eure Solidarität und Unterstützung sind Anlass für mich, hoffnungsvoll zu sein und den Mut aufzubringen, den Kampf fortzusetzen. Wir brauchen Eure Solidarität, Eure politische und finanzielle Hilfe mehr denn je!

Ich grüße meinen kurdischen Kollegen und möchte ihm versichern, dass wir den gleichen Kampf kämpfen!

Lang lebe die Freiheit, die internationale Solidarität und die soziale Gerechtigkeit.

Danke.