Ältestenrat

Johanna Klages (1935 - 2019)

Wir trauern um unsere Genossin und Freundin Johanna Klages, die in der Nacht vom 15. auf den 16. Mai 2019 verstarb.

Johanna Klages war Mitglied des Ältestenrates. Diese Mitgliedschaft war ihr sehr wichtig, sie identifizierte sich mit dem Ältestenrat. Sie gehörte zu uns. Auf der letzten Sitzung des Ältestenrates am 4. April 2019 war sie anwesend und noch voller Zuversicht, sich an einer geplanten Diskussion über die Eigentumsfrage beteiligen zu können. Dies entsprang ihrem langjährigen Engagement in den politischen, sozialen und kulturellen Bewegungen. Gespeist wurde ihr Engagement in der Auseinandersetzung mit den Folgen des sich zuspitzenden Finanzkapitalismus. Ihr zentrales Erkenntnisinteresse war es, aufzudecken, wie über die verborgenen Mechanismen der Macht, Herrschaft über Menschen ausgeübt wird, ohne das ihnen dies bewusst würde. Diese These entfaltet sie in dem 2009 im VSA-Verlag erschienenen Buch "Meinung - Macht - Gegenmacht". Im Jahr 2002 gab sie zusammen mit Siegfried Timpf "Facetten der Cyberwelt" und 1997 zusammen mit Peter Strutynski "Kapitalismus am Ende des 20. Jahrhunderts" heraus.

Besondere Aufmerksamkeit widmete sie in aufklärender Absicht den linksliberal-individualistischen Fortschrittsversprechen, dem die Frauen nicht aufsitzen dürften. In ihrer Intervention "Frauenbefreiung und Rechtspopulismus" im Supplement 9-2016 von Sozialismus.de "Marxismus - Feminismus; Frauen im Neoliberalismus" zeigt sie die Risiken auf, denen Frauen im neoliberalen Kapitalismus ausgesetzt sind. Sie erhalten weiter geringere Löhne und Renten, sind häufig in prekären Arbeitsverhältnissen beschäftigt und erleiden weitere vielfältige Diskriminierungen.

Die Schwäche der politischen Linken könne nur überwunden werden, so ihre Hoffnung, wenn die gewerkschaftlichen Bewegungen der Lohnabhängigen und die neuen sozialen Bewegungen sich ihrer Gemeinsamkeiten bewusst werden und gemeinsam solidarisch kämpfen. Sie befürchtete, dass die Bewegung der Lohnabhängigen und die sozialen Bewegungen gegeneinander ausgespielt werden und damit Gefahr laufen, die emanzipatorische Bewegung zu spalten.

Wir werden sie sehr vermissen.

Der Ältestenrat

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