Solidaritätserklärung ver.di Kolleg*innen Tarifrunde Länder
Beschluss des Parteivorstandes vom 29. Januar 2026 (gefasst im Umlaufverfahren)
An alle ver.di-Kolleginnen und Kollegen in der Tarifrunde Länder 2025/2026
Gute Arbeit und gute Löhne fallen nicht vom Himmel, sie werden gemeinsam erkämpft!
Wer ist von der Tarifrunde betroffen?
Die aktuelle Tarifrunde für den öffentlichen Dienst der Länder betrifft insgesamt rund 3,2 Millionen Menschen in Deutschland. Unmittelbar verhandelt werden die Arbeitsbedingungen für etwa 925.000 Tarifbeschäftigte im öffentlichen Dienst der Länder. Darüber hinaus fordert ver.di die zeit- und wirkungsgleiche Übertragung des Tarifergebnisses auf rund 1,3 Millionen Beamtinnen und Beamte sowie knapp eine Million Versorgungsempfängerinnen und -empfänger. Ohne die Beschäftigten läuft nichts. Sie sichern Mobilität, Bildung, Versorgung und Verwaltung und tragen tagtäglich die Verantwortung dafür, dass unser Gemeinwesen funktioniert.
Die Forderungen der Kolleginnen und Kollegen
Ver.di fordert als Verhandlungsführerin auch für die DGB-Gewerkschaften GdP, GEW und IG BAU eine Gehaltserhöhung von sieben Prozent im Monat – mindestens aber 300 Euro zusätzlich, um insbesondere die unteren Lohngruppen zu stärken. Für Nachwuchskräfte sollen die Vergütungen um 200 Euro pro Monat steigen, verbunden mit der Forderung nach unbefristeter Übernahme nach erfolgreicher Ausbildung. Studentische Beschäftigte sollen erstmals ein tariflich garantiertes Mindeststundenentgelt erhalten. Zudem fordert ver.di die Erhöhung aller Zeitzuschläge um 20 Prozentpunkte. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags soll zwölf Monate betragen.
Wer unser Land am Laufen hält, verdient Löhne, die zum Leben reichen, verlässliche Arbeitsbedingungen und ausreichend Personal. Es ist an der Zeit, dass die Beschäftigten endlich die Anerkennung und den Respekt erhalten, die ihnen zustehen. Der öffentliche Dienst steht im Wettbewerb um die besten Fachkräfte, während gleichzeitig rund 600.000 Stellen unbesetzt sind. Die Beschäftigten müssen diese Lücken mit enormer Mehrbelastung kompensieren. Eine Erhöhung deutlich oberhalb der Inflation ist notwendig, damit die Gehälter nicht weiter von den explodierenden Preisen für Lebensmittel, Energie und Miete aufgefressen werden.
Zudem geht es um den Anschluss an den Tarifabschluss für den öffentlichen Dienst des Bundes und der Kommunen vom Frühjahr 2025. Dass die Gehälter im öffentlichen Dienst nicht auseinanderdriften, ist eine Frage der Gerechtigkeit. Die Gehälter im öffentlichen Dienst bestimmen aber auch, wie hoch andere Tarifabschlüsse ausfallen: Wir entscheiden darüber, was uns der öffentliche Dienst wert ist. Gerade die Länder als Arbeitgeber sind hier in der Pflicht, Standards zu setzen und den öffentlichen Dienst nicht ausbluten zu lassen.
Die Position der Arbeitgeber in der zweiten Verhandlungsrunde
Die zweite Verhandlungsrunde am 15. und 16. Januar blieb ohne Ergebnis. Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) erwartet offenbar von den Beschäftigten, dass sie sich mit deutlich weniger zufrieden geben als ihre Kolleginnen und Kollegen im Bund und in den Kommunen. Außerdem weisen sie die berechtigte Forderung nach tarifvertraglichem Schutz für studentisch Beschäftigte zurück und schlagen eine Laufzeit von 29 Monaten vor.
Diese Haltung ignoriert die große Belastung der Beschäftigten und den eklatanten Personalmangel. Die Arbeitgeber ducken sich weg und verschanzen sich hinter angeblichen Sachzwängen, während die Beschäftigten sich tagtäglich abrackern und sich mit Wertschätzung zufriedengeben sollen, die nichts kosten darf.
Doch die Behauptung, es sei kein Geld da, ist falsch: Erstens: Deutschland hat im internationalen Vergleich einen der schwächsten Zuwächse bei den öffentlichen Sozialausgaben. Von 2002 bis 2022 stiegen die realen Sozialausgaben in Deutschland nur um 26 Prozent – während der OECD-Durchschnitt bei über 60 Prozent lag. Deutschland liegt damit auf Platz 3 von 27 OECD-Ländern mit dem geringsten Wachstum.
Zweitens: Die Staatsquote Deutschlands liegt mit 48,2 Prozent des BIP im Jahr 2023 im europäischen Mittelfeld – deutlich unter Frankreich (56,5 Prozent), Belgien (54,9 Prozent) oder Österreich (51,4 Prozent). Von einem 'aufgeblähten Staat' kann keine Rede sein.
Drittens: Der Anteil der öffentlich Beschäftigten an der Gesamtbeschäftigung ist in Deutschland zwischen 2007 und 2019 sogar gesunken – während er im OECD-Durchschnitt stieg. Auch hier zeigt sich: Deutschland leistet sich keinen übermäßig großen öffentlichen Sektor, sondern hat in den vergangenen Jahren eher zu wenig investiert.
Unsere Solidarität
Die Linke steht fest an der Seite aller Kolleginnen und Kollegen in dieser wichtigen Tarifrunde. Eure Forderungen sind berechtigt und notwendig! Ihr haltet jeden Tag unser Land am Laufen – ob in der Bildung, im Krankenhaus, in Wissenschaft oder Verwaltung. Ihr verdient eine Bezahlung, die dem Rechnung trägt.
Wir sagen klar: Deutschland hat kein Ausgabenproblem, sondern ein Einnahmeproblem! Die Steuereinnahmen steigen kontinuierlich, und die Länder haben deutlich mehr finanzielle Spielräume, als die Arbeitgeber wahrhaben wollen. Es ist eine politische Entscheidung, wie diese Mittel verteilt werden. Wir brauchen eine gerechte Steuerpolitik, die Vermögende und Konzerne endlich angemessen zur Finanzierung des Gemeinwohls heranzieht. Dann ist auch Geld da für faire Löhne im öffentlichen Dienst!
Eure berechtigten Forderungen sind kein Kostenfaktor, sondern eine Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft. Wir unterstützen euren Kampf für gute Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung mit aller Kraft!