Gewerkschaftsarbeit als klassenpolitische Säule der Partei Die Linke
Beschluss des Parteivorstandes vom 21. März 2026
Für die Linke als Partei mit dem Anspruch, organisierende Klassenpartei zu sein, ist der unauflösliche Gegensatz von Kapital und Arbeit das Herzstück für die Analyse der Gesellschaft und für die Perspektiven ihrer Veränderung. Wir als Linke und sozialistische Partei stehen dabei auf der Seite der großen Mehrheit der Bevölkerung, der Arbeiter:innenklasse und ihrer Interessen. Besonders relevant ist dabei die Frage, wie Gegenmacht, Solidarität und gesellschaftliche Alternativen aufgebaut werden können. Lohnabhängige sind für uns als Sozialist*innen dabei keine Verbündeten wie viele andere, sondern die entscheidenden politischen Akteure. Deswegen haben wir eine besonders enge Partnerschaft zu ihren Gewerkschaften.
Eine systematische Auseinandersetzung mit gewerkschaftlichen Themen und Kämpfen – sowohl inhaltlich als auch in Bezug auf die Rolle unserer Partei – ist daher unverzichtbar. Ein Jahr nach der Bundestagswahl 2025, die mit einer beispiellosen Eintrittswelle in Die Linke einherging, soll dieser Beitrag eine Bestandsaufnahme und eine Perspektive liefern. Er verbindet die Analyse mit strategischen Überlegungen, um Debatten und Aktivitäten der Linken im Bereich Gewerkschaftsarbeit zu fundieren und weiter zu entwickeln.
1. Politische Ausgangslage
Die Kräfteverhältnisse zwischen Kapital und Arbeit haben sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend zuungunsten der Lohnabhängigen entwickelt. Ein zentraler Wendepunkt war dabei die neoliberale Umstrukturierung unter der rot-grünen Bundesregierung, die mit der Agenda 2010 Privatisierungen, Sozialabbau, Lohnsenkungen und die Deregulierung des Arbeitsmarktes durchsetzte. Das beendete eine lange Phase der Verbesserung der Lage der Arbeiter:innenklasse mit Lohnsteigerungen und Verkürzung der täglichen, wöchentlichen und Lebensarbeitszeit. Diese Politik der rot-grünen Regierung vertiefte nicht nur soziale Ungleichheit und erzeugte neue Unsicherheiten, sondern schwächte auch die Verhandlungsmacht von Gewerkschaften.
Derzeit erleben wir, wie das deutsche Wirtschaftsmodell erneut bröckelt – mit dramatischen Folgen für die Lohnabhängigen. Wir erleben eine klassische Überproduktionskrise und gesättigte Märkte, die von einer tiefen Struktur- und der ökologischen Krise begleitet werden. Während chinesische Hersteller angesichts ihres technologischen Vorsprungs in vielen Bereichen deutschen Unternehmen die enger werdenden globalen Märkte streitig machen, treffen zusätzlich die US-amerikanische Zollpolitik sowie gestiegene Energiekosten die deutsche Wirtschaft schwer. Über den Binnenmarkt kann dieser Wegfall aufgrund fehlender Investitionen in Infrastruktur und Daseinsfürsorge nicht kompensiert werden. Die Folge: Unternehmen schließen Standorte und entlassen Beschäftigte zu Tausenden; Wertschöpfungsketten, beispielsweise in der Chemieindustrie oder der Metall- und Elektroindustrie, erleben dramatische Strukturbrüche.
Die Bundesregierung um Friedrich Merz bemüht gegen diese Entwicklung die immer gleichen neoliberalen wirtschaftspolitischen Rezepte. Sie setzt auf Steuersenkungen, von denen – wie etwa beim „Investitionsbooster“ – vor allem Aktionäre und Manager profitieren, und macht eine Absage an nachhaltige Klimapolitik oder einen ökologischen Umbau der Wirtschaft. Dazu wird die Rüstungsindustrie als angeblicher Konjunkturmotor gepriesen. Die öffentlichen Haushalte werden mit Verweis auf die Schuldenbremse künstlich verknappt. Das führt zu Kürzungszwängen, insbesondere bei den öffentlichen Kassen. Bei einer Fortsetzung dieser Politik drohen nachhaltige Schäden für die Wirtschaft und die öffentliche Daseinsvorsorge, die sich spürbar und dramatisch auf die Lebensbedingungen der breiten Mehrheit der Menschen im Land auswirken würden.
Nur für den Verteidigungshaushalt gilt eine Ausnahme vom Spardiktat: Durch die höheren Rüstungsausgaben und Militarisierung erhofft sich die Bundesregierung auch einen Aufschwung in der Industrie. Das ist nicht nur friedenspolitisch falsch, sondern auch ökonomisch unvernünftig. Denn Investitionen in Rüstungsgüter erzeugen nur vergleichsweise geringe volkswirtschaftliche Effekte – und die neuen Arbeitsplätze werden die verlorenen nicht annähernd kompensieren. Notwendig wäre stattdessen eine aktive staatliche Industrie- und Beschäftigungspolitik, die den sozialökologischen Umbau ernsthaft vorantreibt und den Beschäftigten und ihren Familien wirkliche Sicherheit bietet, statt die Krise auf sie abzuwälzen. Die Binnennachfrage müsste gestärkt und der Dienstleistungssektor aufgewertet werden.
Aktuell zeichnet sich unter der seit 2025 amtierenden Koalition aus Union und SPD unter Friedrich Merz (CDU) eine weitere Vertiefung der neoliberalen Agenda ab. Bereits vor der Bundestagswahl 2025 kündigte die CDU mit der „Agenda 2030“ eine Fortsetzung der Schröderschen Agenda-Politik an – wortwörtlich und programmatisch. Flankiert wird dieses Anliegen von Unternehmens- und Arbeitsgeberverbänden, die lautstark tiefgreifende Einschnitte fordern. Vorstöße zu einer Begrenzung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, zur Verlängerung der täglichen und wöchentlichen Arbeitszeit, für die Rente mit 70 Jahren bis hin zu Rufen nach höheren Beiträgen der Versicherten bei Pflege und Krankenkassen sowie einer Einschränkung des Streikrechts sind nur einige Beispiele für eine ganze Welle von Angriffen auf die Lohnabhängigen in Deutschland, die sie erfolgreich in die gegenwärtigen politischen Debatten einspeisen konnten.
Die Angriffe auf die Rechte arbeitender Menschen und die angespannte Haushaltslage machen deutlich: Die angekündigten „Reformen“ der Bundesregierung zielen auf tiefgreifende Einschnitte in die soziale Absicherung. Vorbereitet werden sie in eigens eingesetzten Kommissionen zu Rente, Gesundheit, Sozialstaat und Pflege. Während Millionen Menschen in eine unsichere Zukunft blicken, wächst der Druck; Beschäftigte werden täglich abgewertet. Um das zu rechtfertigen, wird der Sozialstaat selbst zum Problem erklärt. Die Zielrichtung ist klar: Die arbeitenden Menschen sollen länger arbeiten, mehr leisten und belastet werden - und für den gleichen Schutz mehr bezahlen. Kurz: Die Kosten der sozialen Absicherung sollen auf die Einzelnen abgewälzt werden, statt den Sozialstaat zum Besseren zu reformieren.
Ein erster, massiver Angriff durch die Bundesregierung ist mit der Verabschiedung der neuen Grundsicherung schon erfolgt. Unter dem Vorwand, Kosten einzusparen, wird die neue Grundsicherung Armut verschärfen. Härtere Sanktionen, strengere Kontrollen und verpflichtende Arbeitsaufnahme bedeuten schlechtere Lebensbedingungen und existenzielle Notlagen für Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind. Sie spalten und disziplinieren die Lohnabhängigen. Mit ihrem Angriff auf den Acht-Stunden-Tag im Arbeitszeitgesetz greift die Bundesregierung direkt ein zentrales Schutzrecht der Beschäftigten und eine historische Errungenschaft der Arbeiter*innenbewegung an.
Unter dem Eindruck wachsender Unsicherheit und existenzieller Bedrohung wächst auch die Zustimmung zur AfD. Zur Bundestagswahl 2025 schnitt sie bei Arbeiter*innen besser ab als jede andere Partei; 38% der Arbeiter*innen machten ihr Kreuz bei der AfD und sie wurde auch unter Gewerkschaftsmitgliedern überdurchschnittlich gewählt. Der Partei gelingt es, das (berechtigte und nachvollziehbare) Gefühl der Ohnmacht und die Angst vor dem Verlust von Sicherheit und Status bei vielen Beschäftigten für sich zu nutzen, in Wirklichkeit aber Politik gegen die Interessen der Lohnabhängigen zu machen. Als Sündenbock werden Migrant:innen, geflüchtete Menschen und Menschen in Armut angegriffen und nationalistische und rassistische Propaganda zum Mainstream gehoben. Unterstützung bekommt sie dabei von den etablierten Parteien, die – neben der die Unsicherheit vertiefenden Politik der Bundesregierung – die rassistischen und spaltenden Diskurse der AfD und anderen zunehmend legitimieren und darüber wiederum die arbeitende Klasse schwächen.
Diese politische Ausgangslage stellt uns und die Gewerkschaften vor neue Herausforderungen. Die Linke begleitet und kritisiert die Aufrüstung und Kürzungspolitik, das Fehlen einer sozial-ökologischen Industriepolitik und soziale Einschnitte im Parlament wie in der Öffentlichkeit scharf und setzt eigene Konzepte dagegen. Dabei arbeiten wir mit gesellschaftlichen Bündnispartner*innen und vor allem den Gewerkschaften zusammen und suchen nach Möglichkeiten, gemeinsame Gegenwehr zu organisieren. Aus dem Rechtsruck in der Gesellschaft, aber insbesondere auch unter den Lohnabhängigen, leitet sich für die Gewerkschaften und Die Linke der Auftrag ab, ein Gegenangebot in Form von Solidarität und kollektiver Gegenwehr zu entwickeln. Eines, das Beschäftigten die Möglichkeit verschafft, ihre Macht einzusetzen, Angriffe abzuwehren und Verbesserungen der eigenen Lebensbedingungen durchzusetzen.
2. Die Lage der Gewerkschaften
Die deutschen Gewerkschaften sind seit Jahrzehnten in der Defensive und stehen stark unter Druck. Maßgeblich dazu beigetragen haben dabei politische Weichenstellungen seit den 1980er Jahren wie die Privatisierungen und Liberalisierungen im öffentlichen Dienst und schließlich die Agenda 2010. Prekäre Beschäftigung und die Verlagerung auf Subunternehmen schränken seither ihre kollektive Handlungsfähigkeit ein, die Tarifbindung sinkt dramatisch und die Gewerkschaften sind mit einer Aufkündigung des Klassenkompromisses durch die Unternehmen konfrontiert. Die Kapitalverbände und ihre Ideolog:innen haben zu einem Klassenkampf von oben aufgerufen. Teils setzen sie auf offen gewerkschafts- und betriebsratsfeindliche Strategien, etwa beim Onlinehändler Amazon oder dem Automobilhersteller Tesla. Angesichts des verschärften Spardrucks lässt sich auch eine deutlich härtere Haltung auch der öffentlichen Arbeitgeber in Tarifrunden zu beobachten, die sich auch in vermehrten juristischen Angriffen gegenüber den Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes ausdrückt.
Da ihnen die institutionelle Macht in Teilen wegbricht, müssen die Gewerkschaften ihre Organisationsmacht – also die kollektive Handlungsfähigkeit ihrer Mitglieder – ausbauen, obwohl die Mitgliederentwicklung weitestgehend in die gegensätzliche Richtung zeigt. Ein Strategiewechsel hin zu einer konfliktorientierteren und politischeren Gewerkschaftsarbeit die die breite Mitgliedschaft der Gewerkschaften miteinbezieht, ist noch lange nicht genommen. Jedoch lassen sich in verschiedenen Bereichen auch Umrisse einer erneuerten Praxis erkennen, die sich auch in einer Hinwendung zu Organizing und vor allem im Dienstleistungsbereich in ver.di aber auch bei der NGG in einer Zunahme von offensiveren Arbeitskämpfen ausdrückt. Mit Verweis auf die Unterfinanzierung der Daseinsvorsorge und den dortigen Personalmangel gelang es streikstarken Beschäftigtengruppen beispielsweise in den Kliniken, Politik und Bevölkerung anzusprechen und so Druck zu entfalten. Das Bündnis #wirfahrenzusammen aus Gewerkschafts- und Klimabewegung im öffentlichen Nahverkehr steht für eine noch engere Verbindung dieser Kämpfe.
Die wirtschaftlichen Krisenerscheinungen vor allem in der exportorientierten Industrie treffen die Branchen von IG Metall und IG BCE stark. Oftmals reagieren die Unternehmen – trotz zum Teil hoher Dividendenzahlungen – nicht mit Zukunftsinvestitionen oder nutzen die Krise, um Arbeitskosten durch Verlagerungen, Beschäftigungsabbau und Arbeitsverdichtung zu minimieren. Spätestens mit der Aufkündigung des Tarifvertrages zur Beschäftigungssicherung durch VW 2024 – der die langjährige sozialpartnerschaftliche Tradition erschütterte – ist der Personalabbau in Zulieferunternehmen auch bei den Endherstellern der Automobilindustrie voll angekommen.
Gewerkschaftliche Proteste gegen Entlassungen führen oft dazu, dass im Tausch gegen den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen Tarifstandards abgesenkt werden. Immer wieder finden jedoch in Sozialtarifvertragsauseinandersetzungen einzelne beindruckend geführte Abwehrkämpfe um Arbeitsplatzabbau, Verlagerungen und Betriebsschließungen statt. Doch insgesamt wirkt sich auch der massive Verlust von Industriearbeitsplätzen negativ auf den Organisationsgrad aus: Die IG Metall Ende 2025 innerhalb eines Jahres 3,9 Prozent ihrer Mitglieder.
Angesichts des massiven Rechtsrucks auch in den Betrieben stehen die Gewerkschaften zunehmend nicht nur vor der Frage, wie sie die politische Stimmung im Betrieb wieder verändern, sondern auch, wie sie mit gewerkschaftlich aktiven AfD-Mitgliedern in ihren eigenen Reihen oder mit rechtsextremen Organisationen im Betrieb (wie dem Verein „Zentrum“) auch angesichts der Betriebsratswahlen umgehen sollen. Studien zeigen, dass betriebliche Partizipationserfahrungen, beispielsweise über gewerkschaftliche Kämpfe und gelebte Mitbestimmung im Betrieb, die Anfälligkeit für rechte Narrative verringern.
3. Die Linke und Gewerkschaften
Als Linke sind wir eine Partei für die arbeitende Klasse. Dieser Grundsatz zieht sich durch alle Bereiche politischer Arbeit, in denen wir uns bewegen. Er bedeutet für uns, durch die Brille der Lohnabhängigen zu schauen, und für und mit ihnen Politik zu machen.
Der Arbeitsplatz ist der Ort, an dem die Menschen die meiste Zeit verbringen. Er ist der Ort, an dem zentrale Investitionsentscheidungen fallen und über die Verteilung gesellschaftlicher Ressourcen entschieden wird. Zugleich ist er der am wenigsten demokratische Ort. Aus diesem Widerspruch erwächst die Notwendigkeit für die Lohnabhängigen, sich zusammenschließen, um ihre Interessen durchsetzen zu können. Deswegen ist die betriebliche Verankerung eine bedeutende Säule unserer Strategie. Das Ziel, das wir verfolgen, ist die Organisierung von Menschen an ihrem Arbeitsplatz analog zur Organisierung in Mietshäusern. Dort, wo wir als Linke organisiert sind, sprechen wir auch Beschäftigte an, sich gemeinsam für ihre direkten ökonomischen Interessen selbst einzusetzen.
Der Kampf um Löhne, Arbeitszeit, grundlegende Arbeitsrechte und gute Arbeit ist zentral, um die Position der Arbeit gegenüber dem Kapital zu stärken. Ausgangspunkt ist für uns die Überzeugung, dass die Entscheidung darüber, was und wie produziert wird, nicht von Multimilliardären und Shareholdern getroffen werden sollte, sondern von den Beschäftigten selbst. Gewerkschaften sind daher für uns enge Verbündete in ihrem und in unserem wichtigsten Auftrag, Gegenmacht zu organisieren. Sie sind das wirksamste Mittel, das die arbeitende Klasse je hatte, um ihre Interessen durchzusetzen.
Wir stehen deswegen hinter Beschäftigten und ihren Gewerkschaften sowie ihren Betriebs- und Personalräten in Tarifkämpfen und betrieblichen Auseinandersetzungen und stärken ihnen in der politischen Debatte den Rücken. Sowohl unsere Parlamentarier*innen als auch die Partei arbeiten daran, gewerkschaftliche Auseinandersetzungen auf die politische Ebene zu heben, gewerkschaftliche Kämpfe durch Gesetzgebung (etwa zur Tariftreue, zur Verbesserung und Verallgemeinung des Streikrechts oder zum Arbeitszeitgesetz) zu verbessern, ihren politischen Gehalt herauszustreichen und damit die Arbeitskonflikte zu politisieren. Die Bundestagsfraktion sowie die Landtags- und Kommunalfraktionen beziehen fachlich in aktuellen gewerkschaftlichen Themen Stellung, bringen Anliegen der Gewerkschaften in das Parlament ein und machen – auch durch die Gewerkschafter*innen und Beschäftigtenvertreter*innen in den eigenen Reihen – immer wieder auf Missstände in der Welt der Arbeit aufmerksam. Die Partei hat die Aufgabe, auf jeder Ebene die Zusammenarbeit mit Gewerkschaften zu stärken, Beschäftigte in ihren Auseinandersetzungen konkret zu unterstützen und Austauschräume betrieblich Aktiver zu organisieren.
Streiksolidarität gehört für uns als Linke zum Handwerkszeug. Sie bietet konkrete Solidarität und zeigt den streikenden Kolleg*innen auch, dass sie nicht allein sind in ihrer Auseinandersetzung. Das verschafft uns Glaubwürdigkeit. Darüber hinaus kann die Partei besonders öffentlichkeitswirksam Beschäftigten den Rücken stärken und das Licht der öffentlichen Debatte auf betriebliche Auseinandersetzungen und Beispiele für erfolgreiche Kämpfe lenken. Dafür braucht es eine gezielte und konsequente Klassenansprache, die die arbeitenden Menschen als Subjekte der Veränderung anspricht. Wir wollen die Beschäftigten auch selbst zu Wort kommen lassen, z.B. auf größeren Veranstaltungen oder Räumen, zu denen wir Zugang schaffen können.
Mit unseren Forderungen nach einer Vermögensteuer oder einem Mietendeckel geben wir der gewerkschaftlichen Bewegung außerdem politische Forderungen für den Alltag an die Hand, die die Lebensbedingungen der arbeitenden Menschen im Verhältnis zum Kapital stärken und sie im Alltag entlasten. Wir treten für das politische Mandat der Gewerkschaften ein, das immer mehr als bloße ökonomische Kämpfe in Streiks einschließt. In diesem Sinne ist auch ein gemeinsames Bündnis zur Vertiefung des Sozialstaats notwendig: Nur gemeinsam wird es gelingen, nicht nur den Angriffen der Arbeitgeberlobbys zu trotzen, sondern auch langfristig Verbesserungen zu erstreiten und die Arbeitswelt zu demokratisieren.
Wir arbeiten mit den Gewerkschaften an einem umfassenden Ausbau der mit- und selbstbestimmenden demokratischen Verfassung in den Betrieben. Die Belegschaften benötigen qualitative und wirksame Mitbestimmungsmöglichkeiten. Sie müssen bei Produktionen und Arbeitsbedingungen, die umweltzerstörend und gesundheitsschädigend sind, oder demokratische und Menschenrechte verletzen, ein Vetorecht erhalten.
Unser Grundsatz als Linke lautet: Wir kommentieren nicht von außen, sondern arbeiten – als Teil einer gemeinsamen gewerkschaftlichen Bewegung, die ihre Wurzeln in den Generationen vor uns hatte und in derer Tradition wir uns sehen – an einer erneuerten konfliktorientierten Gewerkschaftspraxis. Einer, die angesichts der geballten Macht von Arbeitgeberverbänden, Konservativen, Neoliberalen und einer kraftlosen Sozialdemokratie machtvoll etwas entgegensetzen kann, indem sie in die Konfrontation geht. Daher haben wir uns auf dem Chemnitzer Parteitag 2025 die Aufgabe gegeben, dass jedes Mitglied „an seinem Arbeitsplatz die Gewerkschaftsbewegung stärken“ solle. Diese richtet sich nicht nur an aktive Gewerkschafter*innen, sondern die gesamte Partei und linke Familie. Wir begreifen Gewerkschaftsarbeit als ganzheitliche Säule unserer Strategie und arbeiten daran, das in unsere Praxis zu übersetzen.
4. Konkrete Perspektiven und Fragen
In den nächsten Jahren wird Die Linke ihre Gewerkschaftsarbeit intensivieren und damit nächste Schritte gehen, um sich in der lohnabhängigen Klasse zu verankern.
Hierbei setzen wir zwei Schwerpunkte:
Zum einen wollen wir Beschäftigte im Bereich der Daseinsvorsorge in anstehenden und sich abzeichnenden Auseinandersetzungen unterstützen. Unser Ziel ist, den Kampf für den Erhalt und Ausbau sozialer Infrastruktur und die Ablehnung der Kürzungen mit der Unterstützung der Beschäftigten und ihrer Gewerkschaften im Kampf um höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und mehr Personal verbinden und ihn so politisieren. Viele unserer Mitglieder sind selbst im öffentlichen Dienst tätig. Wir wollen ihnen Handlungsangebote machen, wie sie sich wirksam einbringen können und entwickeln Vernetzungs- und Beteiligungsformate.
Wir wissen, dass es in Bereichen wie der Pflege oder Kindererziehung trotz gut organisierter Kampagnen, Streiks und engagierten Beschäftigten nicht leicht ist, ökonomischen und politischen Druck aufzubauen. In den zurückliegenden Jahren haben wir Erfahrungen gesammelt, an die wir hierbei anknüpfen, seien es Vernetzungsversuche insbesondere im Feld der Krankenhausbewegung oder Kampagnen wie #wirfahrenzusammen, an der sich zahlreiche Gliederungen aktiv beteiligt haben. Wir wollen Schulungsangebote zur Streikunterstützung und betrieblichen Aktivitäten systematisieren, (politische) Unterstützungsformate weiterentwickeln und in der Mitgliedschaft verankern sowie weiterhin/vermehrt Anlässe suchen, zu denen wir Beschäftigte in unserer öffentlichen Kommunikation sichtbar machen.
Zum anderen wollen wir im Bereich Industrie eigene Vorschläge entwickeln und in betroffenen Regionen Kämpfe der Beschäftigten und Gewerkschaften politisch begleiten und praktisch unterstützen. Hierzu werden wir die Ansprache von Industriearbeiter*innen verstärkt erproben und Protagonist*innen dabei unterstützen, ihre Forderungen zu formulieren und damit gehört zu werden. Denn wir sind überzeugt: Die betrieblichen Kolleg*innen selbst sind am besten in der Lage, über Ausrichtung und Zukunft „ihrer“ Betriebe zu entscheiden. Sie können Deutungsangebote an die betroffenen Beschäftigten machen, Gesprächsanlässe schaffen und öffentlich Kontrapunkte zur Politik der Regierung setzen. Wir verfolgen den Anspruch, daraus tragfähige Konzepte zu entwickeln, um Industriearbeiter*innen an ihrem Arbeitsplatz anzusprechen.
Um darüber hinaus Gewerkschaften zu stärken und Potenziale für ihre Erneuerung zu unterstützen, rufen wir unsere Mitglieder mit gezielten Maßnahmen auf, in Gewerkschaften einzutreten und aktiv zu werden – und laden interessierte Gewerkschaftsaktive aktiv ein, in der Linken mitzuwirken. Wir rufen dazu auf, sich mit den Gewerkschaften und auf deren Listen an den Betriebs- und Personalratswahlen zu beteiligen. Denn die betriebliche Verankerung unserer eigenen Mitglieder ist ein Schlüssel, um erfolgreich in arbeitsweltliche Auseinandersetzungen eingreifen zu können. Wir arbeiten gemeinsam mit der BAG Betrieb & Gewerkschaft und den Zusammenschlüssen auf Landes- und Kreisebene an der Vernetzung von Gewerkschafter*innen und betrieblich Organisierten innerhalb der Partei.
Um unserer Rolle gerecht zu werden, werden wir als gesamte Partei regelmäßig unsere Gewerkschaftsarbeit reflektieren. Dazu gehört eine Analyse der Gewerkschaften und aktuellen Auseinandersetzungen genau wie der stete Blick auf Entwicklungsperspektiven und Potentiale, beispielsweise in Bezug auf die betriebliche Verankerung der Linken und die Strukturen, in denen der Austausch betrieblich Aktiver vorangetrieben werden kann. Wir wollen auch von anderen linken Parteien und ihrer gewerkschaftlichen Arbeit lernen: Denn nur eine internationale Perspektive auf Arbeitskämpfe und Auseinandersetzungen gegen die Militarisierung weltweit kann in globalisierten Märkten und transnationalen Konzernen erfolgreich sein.
In Analyse und Strategie wird Die Linke dabei beraten vom Gewerkschaftsrat, in dem haupt- und ehrenamtliche gewerkschaftliche Perspektiven einbezogen werden. Wir nehmen uns kontinuierlich vor, eigene Strukturen konsequent zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Dieser Beitrag soll dafür den Anstoß geben.