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Axel Troost

SPD streicht ihre Historische Kommission

Die SPD streicht - aus Geldmangel (= 20 000 Euro im Jahr) - ihre Historische Kommission mit mehr als zwei Dutzend Wissenschaftlern. So nimmt die älteste Partei in Deutschland "Das Ende der Geschichte" - jedenfalls für sich – ernst.

Aber diese Historische Kommission hat wohl den Fehler begangen, der Parteispitze vorzuschlagen, die umstrittenen Hartz-Sozial-Reformen - auch bekannt unter dem Namen Agenda 2010 - aus historischer Perspektive als Beitrag zur aktuellen Debatte um die Zukunft des Sozialstaates zu begleiten. Aber die Historische Kommission wurde nicht einmal einer Antwort für würdig gefunden, außer jetzt eben diese Antwort, dass die Historische Kommission ihre Arbeit einzustellen hat.

Der Historiker Edgar Wolfrum - auch bisher Mitglied dieser Historischen Kommission - findet, die SPD leidet jetzt offenbar an - von oben verordneter - Geschichtsdemenz.

Wolfrum meint, Rechtspopulisten okkupieren die deutsche Geschichte - und ausgerechnet in diesem Umfeld hat jene deutsche Partei, die sich rühmt, die älteste zu sein, und stolz ist auf ihre Demokratie-Geschichte, diese abstruse Idee: ihre Historische Kommission einzustellen.

Ja, diese jungen SPD-Funktionäre - aufgewachsen unter dem neoliberalen Dogma, dass der Markt am besten alles selbst regelt und die Politik sich möglichst rauszuhalten habe - haben eben keine Ahnung davon, warum unsere Demokratie ein Geschichtsbewusstsein benötigt, um nicht zu verkümmern, klagt Wolfrum.

Man möchte hinzufügen, dass dadurch wohl offenbar werden könnte, wie diese "letzte" Politiker-Generation gerade als "Politiker" versagt bzw. sich für eine sozial gestaltende Politik aufgegeben hat...

Aber ohne das Wissen um die Vergangenheit lässt sich keine Zukunft gewinnen. Kritisches Geschichtsbewusstsein ist ein Lebenselexier für jede Demokratie. Denn Geschichte ist diese Trias aus Vergangenheitsdeutung, Gegenwartsverständnis und Zukunftsperspektive.... Nur lässt es sich dann eventuell nicht mehr so einfach "perspektiv- und konzeptionslos" einfach vor sich hinwursteln.

Im Moment gibt es nicht viele Gewissheiten, an die sich die SPD noch klammern kann. Parteichefin Nahles hat verstanden, dass die Menschen zunehmend Mühe haben zu erkennen, wofür die SPD überhaupt noch steht...

Umso erstaunlicher ist es, mit welcher Rigorosität Nahles die Axt an die Wurzeln der Partei anlegt. Ausgerechnet für die Historische Kommission will die 155 Jahre alte Partei kein Geld mehr haben. Was sollte der SPD in einer Zeit, in der ihr Hetzer und Geschichtskonstrukteure der AfD den Rang abzulaufen drohen, mehr Mut machen als ein Blick in die Geschichte?

Sie könnte aus der Erinnerung Selbstbewusstsein beziehen; sie hat ja nicht alles falsch gemacht.

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