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DISPUT

Wo die Bettvorleger landen

Das kleine Blabla von Fabian Lambeck

Was waren das für Zeiten, als die Welt noch am »deutschen Wesen« genesen durfte. Als man Aufständische jeglicher Couleur abschlachten durfte und sich dabei der Rückendeckung durch den obersten Dienstherrn und -hunnen im Berliner Stadtschloss sicher sein konnte. Als die Briten ein Reich beherrschten, in dem niemals die Sonne unterging, der weiße Mann seine Bürde klaglos trug und in den schwülen Dschungeln Britisch-Indiens dem Tiger nachstellte. Brachte er diesen zur Strecke, so endete das Fell der Großkatze nicht selten als Bettvorleger.

Auch heute noch enden Wesen als Bettvorleger. Doch sind es kaum noch Tiger, denen der weiße Mann so zusetzte, dass sie nun unter strengstem Schutz stehen. Heutzutage erwischt es oft Politiker oder gar ganze Gremien. So etwa die von der Bundesregierung eingesetzte Verkehrskommission zum Klimaschutz. Diese sei, so beschieden ihr Klimaaktivsten, »als Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet«. Auch die SPD sei in der Rentenpolitik »als Tiger gesprungen, aber als Bettvorleger gelandet«, meinte jüngst der Kommentator des »Tagesspiegel«. Dieses Beispiel eignet sich hervorragend, um zu zeigen, dass die Metapher vom Tiger nicht nur den muffigen Geist untergegangener Kolonialregimes atmet, sondern auch merkwürdige Bilder beschwört: Andrea Nahles als zähnefletschende Bestie, die das von der eigenen Partei ausgehöhlte Rentensystem gegen die Union verteidigt. Vollkommen absurd wird es, wenn der Vorsitzende einer CDU-Kreistagsfraktion die Metapher auf einen Supermarkt überträgt: »Die Ansiedlung ist ein Fall von ›Als Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet‹«. Warenhäuser, die zu Tigern mutieren, um dann als Bettvorleger im Sprachschatz eines CDU-Politikers zu verenden: An diesem deutschen Sprachunwesen wird die Welt sicher nicht genesen.