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DISPUT

Kein Leben im falschen

Das kleine Blablabla von Fabian Lambeck

Wenn der Verband Angestellter Akademiker eine Pressemitteilung herausgibt, dann sucht man überschw.ngliche Formulierungen meist vergebens. Doch selbst die bodenständigen Angestellten werden schwärmerisch, wenn es um ihr Verhältnis zu den Arbeitgebern geht: Man setze sich für eine gelebte Sozialpartnerschaft ein, heißt es beim Verband. Damit folgen die Akademiker einem Trend in der politischen Kommunikation, dem sich kaum jemand entziehen kann. Wenn etwas glaubwürdig und authentisch sein soll, dann muss es heute »gelebt« werden. Lebte mensch früher lediglich sein Leben, wird heute in linken Kreisen gern die »Solidarität gelebt« oder gar die »Utopie«. Wenn ein Rathaus über eine Rollstuhlrampe verfügt, dann ist das »gelebte Inklusion« und wenn sich eine Gemeinde um Gefl üchtete kümmert, dann ist das selbstverständlich »gelebte Integration «. Wenn sich die Auswirkungen eines neuen Gesetzes im Alttag der Menschen bemerkbar machen, dann handelt es sich zweifelsfrei um »gelebte Praxis«. Das Grundgesetz, das immer dann abgeändert oder ignoriert wird, wenn es das Regierungshandeln stört, ist natürlich »gelebte Demokratie«. Ein deutsch-französisches Volksfest im Süddeutschen ist nichts weniger als »gelebte Freundschaft«. Doch wo gelebt wird, da wird auch gestorben. Was, wenn die Eliten entscheiden, die Völkerfreundschaft aufzukündigen? Ist ein dann folgender Krieg nicht gelebte oder gar gestorbene Freundschaft? Müssen wir, wenn sich Menschen oder Gesellschaften nur um sich selbst drehen und den Eigennutz zum Ideal erklären, von nicht gelebter oder gar toter Solidarität bzw Utopie reden oder schreiben? Es mag Leben auf dem Mars oder irgendwo im Andromeda- Nebel geben, aber es gibt kein Leben in der Floskel und es gibt erst recht keine gelebte Floskel.