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DISPUT

Funkenflug

Feuilleton von Jens Jansen

Freude, schöner Götterfunken« – diese Hymne schwebt durch Europa. Ach, wenn doch nicht so viele Funken vom Fegefeuer der Hölle dazwischen wären! Aber Europa ist eben von vielen Widersprüchen geprägt. Auch Schiller tat sich schwer, als er 1785 in Leipzig an der Erstfassung seiner »Ode an die Freude« bastelte und schrieb: »Deine Zauber binden wieder, was der Mode Schwert geteilt; Bettler werden Fürstenbrüder, wo dein sanfter Flügel weilt«. Doch dann kamen ihm wohl Zweifel, ob man der Mode ein »Schwert« in die Hand geben darf. Und dass sich Bettler und Fürsten verbrüdern, schien ihm wohl auch zu utopisch. So entstand 23 Jahre später die heute gebräuchliche Textfassung von 1808: »Deine Zauber binden wieder, was die Mode streng geteilt, alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter Flügel weilt«. Damals konnte Schiller nicht ahnen, dass dieser Text mit Beethovens großartiger Musik später zur »Europa-Hymne« erkoren wurde. Er wäre geschockt, wenn er nach 200 Jahren lesen würde, was die Brüder und Schwestern in der »Europäischen-Union« von ihrem Parlament und dessen »Rat der Götter« – laut Umfragen 2018 – halten: Nur 4 von 10 Europäern haben ein positives Bild (43 Prozent). 20 Prozent haben ein schlechtes Bild von dieser »Völkerfamilie«. Und 36 Prozent wissen gar nicht, was sie von dieser Einrichtung halten sollen. Lässt sich das mit dem Wahlzettel ändern? Wiegt jede Stimme? 49 Prozent glauben JA. 47 Prozent glauben NEIN. Und was sagen die LINKEN? DIE LINKE ist seit dem Manifest von 1848 internationalistisch und solidarisch, also auch für eine brüderliche »Hausgemeinschaft« aller Gutwilligen und Friedfertigen in Europa. DIE LINKE erstrebt einen demokratischen Sozialismus, also ist sie gegen das Diktat des Marktes und der Finanzoligarchie, die Europa ausbeuten. DIE LINKE ringt um soziale Gerechtigkeit, also ist sie gegen die Mästung der Superreichen, die von der Privatisierung der Erde und vom Pokern an der Börse leben.

Eine positive Wende in der EU kann also nicht von einer Mitte-RECHTS-Koalition ausgehen, die seit Jahrzehnten die Konzerne begünstigt, sondern nur von einer starken Mitte-LINKS-Koalition, die ein soziales Europa erstrebt. Alles, was unser Wohlergehen unterminiert, ist nur so zu überwinden: Ob Klimaschutz oder Jugendarbeitslosigkeit, Altersarmut oder Fluchtwellen. Die Ost-Expansion mit Waffen torpediert die Ost-Kooperation mit Handelsverträgen. Jede Stimme zählt beim Blockieren der unternehmerfreundlichen Beschlüsse der EU. Mehr Demokratie verlangt mehr Einfluss von unten und andere Spielregeln für oben.

Umgekehrt sollten sich die EU-Chefs in Brüssel und Straßburg nicht als die »Kaiser von Europa« in Positur werfen. Von den drei Dutzend Staaten unseres Kontinents sind nur 27 ½ Mitglied der EU. Den Euro als Währung benutzen keine 20. Der Interessenverband in Brüssel ist eine Art Aktiengesellschaft: Wer viel einzahlt an Geldern und Leuten, hat viel zu sagen. So konnte sich Deutschland zum »Zuchtmeister« mit Peitsche gegen Griechenland und andere durchsetzen. Oft kämpfen die 50 Vertreter der Vereinigten Linken ziemlich einsam neben den 700 Mandatsträgern der anderen politischen Gruppierungen im EU-Parlament. Wir dürfen also keine Wunder erwarten. Wir müssen die LINKE stärken! Europa ist es wert, wie wir als Touristen wissen. Dieser Kontinent darf nicht abermals zum Schlachtfeld der Supermächte werden! Die Millionäre haben sich längst »umschlungen«. Durch Schiller und Beethoven sowie durch die Linken aller Erdteile bleiben die Millionen aufgefordert, es den Widersachern gleich zu tun!