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DISPUT

Die Erinnerung wachhalten

Der 8. Mai soll bundesweit ein offi zieller Gedenktag werden, fordert DIE LINKE. Im Osten war sie mit ihrem Anliegen teilweise erfolgreich

Von Fabian Lambeck

Seit vielen Jahren fordert DIE LINKE, den 8. Mai zum gesetzlichen Gedenktag zu machen. Denn just an jenem Tag im Jahre 1945 kapitulierte die faschistische Wehrmacht. Die Vorsitzenden der Partei DIE LINKE, Katja Kipping und Bernd Riexinger, betonen unisono: »Der Tag wird vielerorts als Feiertag begangen und sollte auch in Deutschland zum gesetzlichen Gedenktag werden. Es ist ein Tag, an dem wir feiern können, dass der Faschismus besiegt wurde, aber auch ein Tag, der uns mahnt, uns menschenfeindlichen Ideologien entgegenzustellen.« Die beiden Vorsitzenden verweisen in diesem Zusammenhang auf den vermeidbaren Aufstieg der neuen Rechten – nicht nur in Europa: »Um so wichtiger ist es, dass wir die Erinnerung an das Elend wachhalten, welches das faschistische Deutschland zwischen 1933 und 1945 über die Menschen gebracht hat.« Der Tag der Befreiung als bundesweiter Gedenk- und Feiertag könne »Raum für das gemeinsame Gedenken bieten«, so Kipping und Riexinger.

 

Der Ost-West- Unterschied

Die Linksfraktion im Bundestag brachte nun einen Antrag ein, in dem es heißt: »Insbesondere vor dem Hintergrund, dass in absehbarer Zeit keine Zeitzeugen der NS-Vergangenheit mehr berichten können, ist die Etablierung eines die gesellschaftspolitische Diskussion anregenden Gedenktages von besonderer Bedeutung.« Deshalb soll das Parlament die Bundesregierung auffordern, »einen Gesetzentwurf vorzulegen, um – dem Beispiel Brandenburgs, Mecklenburg-Vorpommerns und Thüringens folgend – dem 8. Mai als Tag der Befreiung den Status eines gesetzlichen Gedenktages zu verleihen«. Wobei Gedenktage keinesfalls gesetzliche Feiertage sind. Das öffentliche Leben geht an so einem Gedenktag normal weiter. Schulen, Behörden und Museen bleiben geöffnet. Neben Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Brandenburg, die den 8. Mai bereits als Gedenktag anerkennen, wird Berlin 2020 anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung den 8. Mai einmalig als Feiertag begehen. Partei und Fraktion DIE LINKE. Berlin haben sich seit langer Zeit dafür eingesetzt, den Tag der Befreiung zu einem offiziellen Gedenktag in Berlin zu erklären. Anlässlich des 75. Jahrestages wird er nun einmalig Feiertag. Wobei DIE LINKE nicht nur in Berlin die treibende Kraft war. Auch in den drei Ländern, die den 8. Mai als Gedenktag anerkannt haben, war es DIE LINKE, die die Diskussion vorangetrieben hatte. Auffällig ist, dass der 8. Mai bislang nur im Osten zum Gedenktag erklärt wurde. Dabei spielen auch die unterschiedlichen Traditionen in Ost und West eine Rolle. Denn in der alten BRD ignorierte man das Datum weitestgehend, während der Tag der Befreiung in der DDR ein offizieller Gedenktag war. Der Widerstand gegen jedes Gedenken zeigte sich etwa 1970, als die sozialliberale Koalition unter Willy Brandt zum 25. Jahrestag des offiziellen Kriegsendes eine Regierungserklärung veröffentlichte. Die oppositionelle Union schäumte: »Niederlagen feiert man nicht«. Als die Täter von damals älter wurden, setzten sich CDU und CSU ernsthaft mit dem Thema auseinander. Erst 1985 wagte sich mit dem damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker ein namhafter Vertreter der Union vor und sprach im Zusammenhang mit dem 8. Mai von »Befreiung«.