DISPUT

Was hat sich da eigentlich wie vereinigt?

Gelesen von Ingrid Feix

Dem Jubiläum des Mauerfalls folgt das Jubiläum der »Wiedervereinigung«. Die Ereignisse überstürzten sich in jener Zeit, zumindest für die, die von einem Systemwechsel betroffen waren. Die Erinnerungsbilder, die inzwischen öffentlich in Dauerschleife wiederholt werden und das Geschichtsbild prägen, laufen auf die Formel hinaus: Stasiland ist abgebrannt. Nur wenige fragen danach, was hat sich da eigentlich wie »vereinigt«.

Der Roman von Bastienne Voss wirkt da aus der Zeit gefallen, denn er versucht die Umbruchzeit, ohne deren Folgen, zu beschreiben. Die drei Hauptpersonen sind die etwas aufmüpfige 16-jährige Schülerin Iris, ihr Vater Leo, von dem sich herausstellt, dass er Offizier bei der Staatssicherheit ist, und der von seinem spießigen Leben in einer westdeutschen Kleinstadt etwas frustrierte Atomphysiker Henry. Leo soll Henry, der im Osten Verwandte besucht, »auskundschaften« und »anwerben«, zum Wohle der DDR. Allerdings hat niemand damit gerechnet, dass sich ausgerechnet Leos Tochter Iris in den über zwanzig Jahre älteren Henry verliebt und umgekehrt. Aus der Sicht der drei wird ihre Situation in dieser Zeit beschrieben. Der zunächst etwas naiv wirkende Roman »Grünauge sieht dich« wandelt dabei zwischen Liebesgeschichte und Agententhriller mit einer gewissen traurigen Komik.

Letzteres wird vor allem durch die unprätentiöse Erzählweise der Autorin hervorgerufen. Bastienne Voss hatte schon 2007 mit ihrem Debütroman »Drei Irre unterm Flachdach« Furore gemacht. Als langjähriges Schauspielmitglied am Berliner Kabarett »Die Distel« hat sie gewissermaßen eine satirische Ader. Und sie hat in ihren Geschichten fast vergessene Erinnerungsstücke untergebracht, die mehr vom Leben in der DDR erzählen als die offiziellen Bilder.

 

Bastienne Voss: Grünauge sieht dich, Roman, Picus Verlag, 254 Seiten, 24 Euro.