DISPUT

Smart City: Digitaler Kapitalismus im analogen Stadtraum

Von Katalin Gennburg

Digitalisierung findet auch im gebauten Raum statt. Das Paradigma der »Smart City« hat in den letzten Jahren weltweit buchstäblich Land genommen. Die Idee der »intelligenten« und der Wunsch nach der »selbst denkenden« Stadt geht mit dem Versprechen des Silicon Valley eines innovativen Entwicklungskonzepts einher. Es suggeriert, kluger Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechnologien könne Städte effizienter, moderner und inklusiver machen und zugleich das dringlichste Problem unserer Zeit, den Klimawandel, bewältigen.

Die Sorgen um Klimapolitik und Trends der erneuerbaren Energien befördern technische Lösungsangebote für das persönliche Umfeld der Menschen: digitalisierte »Smart Homes« für Stadtbewohner*innen in Smart Cities – so die Ideen der Investor*innen und Produktentwickler*innen.

Momentan bestimmen technizistische Ansätze und ökonomische Interessen die Debatte – die soziale Frage bleibt außen vor. Zudem sind die ökologischen Kosten des Ressourceneinsatzes für den Absatzmarkt von Technikprodukten gigantisch. Wie viel Coltan wird für die Ausstattung aller Berliner Mietwohnungen mit Tablets zur Heizungssteuerung benötigt, auf wessen Kosten geht das? Wie wird Datensicherheit und Datenschutz gewährleistet, wenn Google und Amazon private Haushalte mit überwachungskompatiblen Geräten wie ALEXA­ fluten?

Eine Smart City von links einzufordern kann deshalb nur heißen: Digitalisierung städtischer Infrastrukturen, Vergesellschaftung der Infrastrukturen auf dem Land, Technologiesouveränität und Mitbestimmung. Digitaler Infrastruktursozialismus? Ja, Datensouveränität und gemeinwohlorientierte Technologiepolitik sollen die profitorientierte Datenverwertung durch Tech-Giganten stoppen. Unsere Städte sind keine Absatzmärkte für technischen Schnickschnack und Datentankstellen für Plattformkapitalist*innen. Wir streiten für kommunale Selbstverwaltung und Souveränität und wollen dafür Non-Profit-Anwendungen im analogen wie im digitalen Raum. 

Katalin Gennburg ist Mitglied des Abgeordnetenhauses Berlin, Stadtforscherin und Mitglied im Parteivorstand der LINKEN