DISPUT

#nohatespeech

Soziale Netzwerke sind oft Tatorte des Hasses – doch was tun, wenn der Hass spricht?

 

Von Inva Halili und Nina Rink

Beleidigungen, Anfeindungen und Gewaltandrohungen im Netz sind Erfahrungen, die für viele von uns alltägliche Realität sind. Wer seine persönlichen oder politischen Ansichten mit der Öffentlichkeit teilt, erlebt oft eine gewalttätige, verrohte Sprache, die einem Schauer über den Rücken laufen lässt. Oft erfolgen solche Angriffe nicht aus persönlichen Gründen, sondern Hass oder Unzufriedenheit werden auf die Schreibenden und ihre Äußerungen projiziert. Auf der Kommunikationsebene bleibt es für Betroffene allemal herausfordernd, denn hinter Hatespeech stecken gut organisierte Strukturen, die Teil eines rechtsautoritären und neonazistischen Kulturkampfes sind.

Nur welche Optionen gibt es, Shitstorms und Hasspostings zu begegnen? Angesichts der bedrohlichen Entwicklungen haben zivilgesellschaftliche Kampagnen und Vereine Vorschläge erarbeitet, um gezielten und koordinierten Attacken im Netz etwas entgegenzusetzen. Eine Strategie par excellence existiert natürlich nicht – es geht vielmehr darum zu lernen, Erfahrungen für den eigenen Umgang damit zu sammeln und eine (Gegen-)Erzählung zu etablieren, die rechtsextremes Framing irritiert und davor warnt.

1. Eines ist sicher: Du bist mit deiner Situation nicht alleine und auch nicht alleine auf dich geworfen. Es lohnt sich, zunächst mit dem engeren Umfeld – seien es Genoss*innen, Verwandte oder Freund*innen – zu sprechen, zu reflektieren und sich gemeinsam zu beratschlagen: Wie fühle ich mich? Welche Schritte möchte ich als nächstes unternehmen? Was würde mir jetzt guttun? Wünsche ich mir Unterstützung? Möchte ich, dass jemand für die nächsten Tage meine Accounts verwaltet? Es lohnt sich in jedem Fall, die Lage mit jemandem zu analysieren und nächste Schritte gemeinsam zu planen.

2. Auch wenn der Hass auf dich projiziert wird, hat das mit dir als Mensch wenig zu tun. Das hilft dir in dem Moment zwar nicht weiter, und dennoch ist es wichtig, #hatespeech im gesellschaftlichen Gefüge zu analysieren, um zu verstehen, warum du dafür herhalten musstest. In solchen Fällen lohnt es sich, nicht darauf persönlich zu reagieren. Zudem sollte man auch von überschnellen Reaktionen Abstand nehmen. Antworte, wann es dir passt, oder noch besser: Antworte gar nicht, wenn du es für eine bessere Strategie hältst. Da gibt es kein richtig oder falsch. Counterspeech lohnt sich nur, wenn man die Zeit, den Support und den Nerv dazu hat.

3. Zum Glück bieten alle sozialen Netzwerke Block-Möglichkeiten: Diese Funktion sollte man ernst nehmen, denn es geht nicht nur um das eigene Wohlbefinden. Es geht vor Allem auch darum, die eigenen Grenzen festzulegen: Wann ist eine rote Linie für mich erreicht? Was ist endgültig zu viel? In diesem Prozess lohnt es sich auch, Beweise zu sichern, um gegebenenfalls Strafanzeige stellen zu können.

Die Gefahr, im Netz mit Hasstiraden und Gewalt konfrontiert zu werden, ist extrem groß. Wenn man sich dafür entscheidet, eigene Positionen mit allen zu teilen, dann lohnt es sich, ein Kommunikations- und Nutzungskonzept für sich zu erstellen, um in schwierigen Situationen schnell, sicher und offensiv reagieren zu können. Zwar wurden einige Gesetze mühevoll verabschiedet in den letzten Jahren, schützen können sie aber nicht. Aufmerksam und sensibilisiert zu sein, ist schon die halbe Miete.


Im DISPUT erschien zu dem Thema außerdem ein Interview mit René Wilke, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt (Oder) und Katja Wolf, Oberbürgermeisterin von Eisenach