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DISPUT

Manche Winter werden heiß

von Jens Jansen

In wichtigen Wahljahren schauen die Politiker öfter auf Umfragen. Für den Februar 2019 fragte daher das Politbarometer für das ZDF: »Wessen Politik bereitet Ihnen große Sorgen?«. 82 Prozent der Befragten nannten Mr. Trump. Nur 56 Prozent antworteten wie die Bundesregierung und ihre Medien: Putin! Diese Urteilsfähigkeit hat mich verblüfft. Die hiesigen Medien behandeln doch alles, was Amerika bewegt, als wären wir der 51. Bundesstaat der USA! Spötter knurren: »Vasallentreue«. Vasallen geloben: »Bündnistreue«. Was die Sache aber verschlimmert, wenn der Oberbefehlshaber ein Zocker mit sehr begrenzten Einsichten ist. 

Wie viele Kriege und Naturtragödien braucht der Führer der Vormacht der freien Welt, um zu begreifen, dass seine Nation nicht die einzige auf dieser Erde ist? Was berechtigt ihn, mehr Ressourcen dieser geplünderten Erdkugel zu verbrauchen, als hundert verarmte Staaten dieser Welt? Und wer gab ihm die Vollmacht, sich zum Vormund anderer Völker aufzuspielen?
Aber vielleicht glaubt Trump nun doch an die zunehmende Erderwärmung. Er will seinen Konzernen nur keine höheren Kosten aufbürden. Um aber dennoch die Erhitzung zu stoppen, wirft er seine Turbinen für den »Kalten Krieg« an. Der verdoppelte Rüstungsetat fördert den Stuhlgang der Börse und schmälert Putins Sozialbereich. Das gnadenlose Embargo gegen Russland soll Putin die Hölle heiß machen, wie einst die endlose Belagerung Leningrads. Nun möchte ich Trump nicht mit Hitler vergleichen. Aber mit dem preußischen Feldmarschall Hindenburg, der ausrief: »Mir bekommt der Krieg wie eine Badekur!« Und der dann folgerichtig Hitler auf den Thron hob.
Da aber alle Vergleiche hinken, bieten sich weitere Gehhilfen von klügeren Köpfen an. Bertolt Brecht schrieb: »Der Krieg ist nix als die Geschäfte, und statt mit Käse ist's mit Blei.« Weil Trump mehr auf Atom-U-Boote, Drohnen und den Weltraum setzt, könnte man sagen: Es geht um die Eroberung fremder Märkte durch das Töten fremder Verbraucher. Und wer da zu dumm oder zu gierig ist, einen Knoten aus verschiedenen Problemen diplomatisch aufzulösen, der schlägt dann mit dem Schwert drauf.
Das schlimme an dieser Methode ist, dass sich die Probleme damit noch vermehren. Und was Deutschland besonders interessieren müsste, sind drei aktuelle Szenarien: Wenn Trump Russland erwürgen möchte, zeigt Putin seine Faust. Wenn Trump seine NATO-Spießgesellen in alle »Kreuzzüge gegen die Ungläubigen« einbindet, zeigt auch Peking seine feuerspeienden Drachen. Und wenn zwischen diesen Großmächten keine Vernunft waltet, dann wird Europa die »Knautschzone« dieses Massakers. Drum lässt nun die NATO kleinere Atomwaffen-Kaliber für mittlere Reichweiten entwickeln. Als Kleinkaliber für Fernraketen galt bislang 40-fach Hiroshima. Wenn jetzt an Drohnen mit vierfach Hiroshima gebastelt wird, ist das kein Trost. Da sinkt die Hemmschwelle zum Einsatz! Die Spätfolgen der ersten amerikanischen Tests 1945 in Hiroshima und Nagasaki werden jedes Jahr vor Ort angeprangert.
Die deutsche Außenpolitik regiert nach der Devise: »Wir sind wieder wer!« Doch der Mumm reicht nicht mal, den US-Botschafter in Berlin zur Mäßigung aufzufordern. Aber wir »fordern« von Moskau, von Peking, von London, von Athen … Dabei sind wir überfordert von allem, was heute wichtig ist. Das soll sich aber bessern, sagen Frau Merkel und ihre Minister. Wie sollen wir sonst den von Trump erkorenen Neben-Präsidenten Venezuelas in seinen Palast tragen? Am Ende müssen wir noch unsere Gebirgsjäger vom Hindukusch dort hinjagen! Und Trump weiß doch nicht mal, wo das liegt.