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Haltung zeigen!

Marius Ewert spricht im Interview über seine Erfahrungen in der Fortbildung "Linke Argumente gegen rechte Parolen"

Marius, Du hast an einer der Schulungen für das Seminar »Linke Argumente gegen rechte Parolen« teilgenommen, die dieses Jahr stattgefunden haben. Was hat Dich dazu bewegt?

Mich hat dazu bewegt, dass ich die Konzipierung der Fortbildung bei der Bewerbung sehr spannend fand, wie zum Beispiel effektive Methoden gegen rechte Argumente zu erlernen, um dies an andere Genoss*innen zu vermitteln. So tragen sich dieses Wissen und diese Erfahrungen weiter. Ich habe mich in den letzten Jahren zudem inhaltlich viel mit Neonazismus und Rechtspopulismus auseinandergesetzt und auch viel mit Genossen*innen über die gesellschaftlichen Ursachen des aufsteigenden Rechtspopulismus gesprochen. Aber für die konkrete Arbeit vor Ort konnte ich noch keine Erfahrungen sammeln. Dafür ist das Seminar gut geeignet, weil es Ansätze liefert, Theorie und Praxis zusammenzuführen.

Wie lief das Ganze ab – wie war der Tag?

Die Fortbildung ging über zwei Tage. Sie begann am Samstag mit einer netten Begrüßung durch die Referent*innen, mit anschließender Vorstellungsrunde und politischer Verortung. In diesem Kontext wäre noch zu erwähnen, dass es einen breiten gesellschaftlichen Querschnitt an Genoss*innen gab, die an dieser Schulung teilnahmen. Es waren sowohl von Jung bis Alt alle Altersschichten, als auch geographisch, Menschen aus den alten und neuen Bundesländern, vertreten. Nach der Begrüßung gab es einen kurzen theoretischen Input und einige praktische Rollenspiele. Diese Kombination setzte sich auch am nächsten Tag fort.

Was waren die Highlights insgesamt? Was hat Dir besonders gut an dem Konzept gefallen?

Ich fand vor allen die Rollenspiele,­ wie zum Beispiel Gespräche mit Menschen der AfD am Infostand sehr hilfreich und sehr aufschlussreich. Dabei war für mich überraschend, auf welch unterschiedliche Weise die Genoss*innen an den Wahlkampfständen diskutieren. Die Erkenntnisse aus den Rollenspielen haben wir im großen Plenum immer reflektiert, so gab es immer ein breites Spektrum an Perspektiven der Teilnehmenden. Ich fand auch sehr gut, dass wir nach jedem Themenblock unser Feedback geben konnten zu den verschiedenen Seminar-Bausteinen. Auf diese Weise hatte ich das Gefühl, dass eine spätere Überarbeitung des Workshops sehr transparent verlief und unsere Anregungen Gehör fanden.

Welche Strategien oder konkrete Handlungsmöglichkeiten hast du mitgenommen?

Ich habe für mich vor allem viele­ Anregungen aus den Rollenspielen mitgenommen, um so konkrete Handlungsstrategien direkt mit den späteren Teilnehmer*innen der Fortbildung erarbeiten zu können. Auf jeden Fall habe ich bei diesen Übungen gemerkt, dass bei AfD-Wählenden zumindest teilweise missverständliche Emotionen eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Und es war spannend, mich dabei zu ertappen, wie ich – als progressiver Linker und ausgestattet mit selbstverständlich den besseren Argumenten – diesem Klientel von oben herab und belehrend begegnete. Auf diese Weise verändert man aber keine Meinung, sondern schafft nur eine härtere Ablehnung beim Gegenüber.

Wo konntest du schon von deinem neu erworbenen Wissen profitieren?

Ich konnte durch die Schulung im besonderen Maße profitieren. Denn das durch meine Bachelorarbeit erworbene theoretische Wissen über Rechtspopulismus wurde hier durch die praktische Projektarbeit ergänzt und eröffnete mir die Möglichkeit, nun selbst Fortbildungen durchzuführen. Diese Seminare sind in meinem Fall auch gerade in der Planung und werden in nächster Zeit im Gebiet Sachsen stattfinden.

Was davon würdest du gerne anderen antifaschistisch Aktiven aus der Partei weitergeben?

Ich würde die Menschen gern ermutigen, auch an solchen Fortbildungen teilzunehmen und selbst als Multiplikator*innen gegen rechtspopulistische Argumente tätig zu werden. So können wir auch in Zeiten, in denen die AfD mehr und mehr parlamentarische Stärke gewinnt, eine Gegenbewegung schaffen, die sich selbst organisiert. Man schafft eine eigene Infrastruktur und wird auch selbst Teil des Projektes gegen Rechtspopulismus. Mit dieser Art von progressiven linken Seminaren, die praktische Anleitungen geben, wird auch ein eigener Handlungsraum eröffnet, in dem man selbst tätig werden kann.

Rechte und neonazistische Stimmungsmache gegen LINKEN-Politiker*innen ist nicht neu und dennoch nehmen die Vorfälle in den letzten Jahren massiv zu. Wie ist es in deinem Umfeld? Wie geht Ihr mit sowas um?

Ich arbeite seit März im Bürokollektiv des »LinXXnet« in Leipzig. Dort habe ich schon sehr intensiv mitbekommen, dass auch die Abgeordneten dieses Büros, Juliane Nagel und Marco Böhme, selbst von Menschen aus der neonazistischen Szene regelmäßig angefeindet werden. Ich kann nur aus meiner Perspektive sagen: Ich werde mich nicht einschüchtern lassen und denke, das sollte auch kein anderer Mensch. Wichtig ist es immer, weiter gegen diese Kräfte zu arbeiten und Ihnen Paroli zu bieten. Denn wie wäre das politische Klima in Deutschland, wenn Menschen aus der antifaschistischen Szene nicht gegen diese Neonazis tätig werden würden?

Was rätst du anderen Betroffenen?

Ich würde aus meiner Perspektive immer sagen, dass es erstrebenswert ist, sich ein linkes Arbeitskollektiv zu suchen oder, wenn möglich, selbst eins zu gründen. Auf diese Weise schafft man ein Gefühl der Solidarität und eines pluralen Meinungsaustausches und kann gemeinsam für linke progressive Projekte streiten.

In einem Satz: Warum lohnt es sich, das Seminar mitzumachen?

Um praktische Handlungsstrategien gegen Rechtspopulisten und Demagogen zu erlernen und selbst zu entwickeln.

 

Interview: Inva Halili und Nina Rink

 

Haltung zeigen! Linke Argumente gegen rechte Parolen

Immer wieder begegnen wir im Alltag rechten oder rassistischen Äußerungen und sehr oft sind es herausfordernde Momente, auf die wir nicht immer angemessen und mit den richtigen Worten reagieren können.

Welche Strategien gibt es, die in solchen Situationen sinnvoll eingesetzt werden können? Welche Gesprächstechniken können hilfreich sein? Wie können Angebote in der Arbeit vor Ort aussehen? Was können wir tun, um rechte Wahlerfolge zurückzudrängen? Wie kann eine eigene antifaschistische Strategie aussehen?

All diesen Fragen wollen wir uns im Rahmen der Fortbildung »Linke Argumente gegen rechte Parolen« widmen.

Der Aufbau orientiert sich an folgenden Fragestellungen:

  • Wie können wir mit rassistischen Äußerungen in der Öffentlichkeit, in Wahlkämpfen oder am Infostand umgehen?
  • Wie können wir potentielle AfD-Wählende erreichen, die nicht aus rassistischen oder neonazistischen Gründen AfD wählen?
  • Welche Strategien gibt es, um rechte Wahlerfolge zurückzudrängen?

Die Fortbildung richtet sich an Teamende, Aktive und Interessierte der Bildungsarbeit in den Landes- und Kreisverbänden und ist kostenlos.

Ihr habt Interesse, teilzunehmen? Dann meldet euch unter: polbil@die-linke.de