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DISPUT

Ein Preis war zu wenig

Bei der diesjährigen Verleihung des Clara-Zetkin-Frauenpreises fiel der Jury die Entscheidung besonders schwer

VON ANTJE SCHIWATSCHEV

Große Begeisterung im Saal als die südamerikanische Band Mambe & Danachilango mit einer Mischung aus Dancehall, Balkan und Cumbia-Elementen – gemischt mit urbanen HipHop- und aufregenden Elektro-Klängen – die Bühne rockten. Sängerin Mambe mit ihrer kraftvollen Stimme zog sofort die Gäste in ihren Bann und der ganze Saal wippte mit. Von großen Emotionen war auch der gesamte Abend geprägt. Zum achten Mal wurde am 1. März der Clara-Zetkin-Frauenpreis im Südblock in Berlin von der LINKEN vergeben. Erneut waren rund vierzig Projekte vorgeschlagen, aus denen die Jury neun sehr unterschiedliche Projekte nominierte. Friederike Benda und Bettina Gutperl vom Parteivorstand wiesen noch einmal auf den Facettenreichtum feministischer Arbeit hin. Ganz klar standen die Projekte an diesem Abend im Mittelpunkt. Ob international oder regional – die Arbeit aller ist eine Bereicherung. Auch unsere Europaabgeordnete Cornelia Ernst machte noch einmal deutlich, wie wichtig die Arbeit jedes einzelnen Projektes und jeder einzelnen Aktivistin ist. Die Frauen von »Basmt Khayr«, die mit ihrem Projekt vor allem Frauen aus den Flüchtlingslagern der Sahauris im Süden Algeriens stärken und unterstützen. Das Team von »ContRa e.V.«, das darum bemüht ist, inhaftierten Frauen eine Perspektive für die Zeit nach der Entlassung zu geben. »Familia Futura« – ein Dresdner Festival für Familien und Utopien ist für viele eine kulturelle Insel in Sachsen. »Flamingo e.V.« – ein Netzwerk von gefl üchteten Frauen für gefl üchtete Frauen. »Heimatlos in Köln (HiK)« mit der »Kölschen Linda« und ihrem Hund Clayd. Linda kommt selbst aus der Wohnungslosigkeit und betreut nun mit ihrem Verein vor allem obdachlose Frauen in der Domstadt. Die »One World Poetry Night« von Stefanie- Lahya Aukongo und das Projekt der Leipziger Raketen-Wissenschaft für den Genderstern in leichter Sprache sowie »RuT – Rad und Tat e.V«. aus Berlin, eine offene Initiative lesbischer Frauen und nicht zuletzt »Solidarity at Sea« mit der Kapitänin Pia Klemp, die auf dem Mittelmeer Gefl üchtete vor dem Ertrinken rettet. Mit viel Anerkennung wurden die Projekte vorgestellt und allen im Raum war klar, dass eigentlich alle der vorgestellten Initiativen den Clara-Zetkin- Frauenpreis verdient hatten. Gewonnen hat die »Kölsche Linda « mit ihrem Projekt »Heimatlos in Köln« Linda Rennings hat selbst jahrelang auf der Straße gelebt und unterstützt heute obdachlose Frauen in Köln. Immer dabei: Ihr Hund Clayd. Den Ehrenpreis hat »Solidarity at Sea« und die Kapitänin Pia Klemp bekommen, die gemeinsam mit anderen Seenotrettungsorganisationen in den letzten Jahren tausende Menschen aus dem Mittelmeer gerettet haben. Nun steht sie mit anderen Aktivist*innen für ihren humanitären Einsatz in Italien vor Gericht. Es drohen ihr bis zu 20 Jahre Haft. Für den Prozess, der rund eine halbe Million Euro kosten kann, wird sehr viel Geld benötigt, denn dabei geht es um mehr als die Angeklagten: Es geht um den Kampf gegen die Kriminalisierung der Seenotrettung. Würdige Preisträger*innen, die für viele Frauen stehen, die sich in gesellschaftliche Debatten einbringen und für konkrete Veränderungen und Verbesserungen für Frauen streiten. Wir können einfach nur Danke sagen! Danke dafür!

Antje Schiwatschev ist Koordinatorin für feministische Politik in der Bundesgeschäftsstelle der LINKEN.