DISPUT

Digitalisierung verändert die Wissenschaft

Von Dr. Petra Sitte

Die Digitalisierung hält in der Wissenschaft Einzug wie in anderen gesellschaftlichen Bereichen – und beschränkt sich dabei nicht auf Hochleistungsrechner, Datenauswertungen und andere neue Instrumente, sondern ändert die Art und Weise, in der Wissenschaft betrieben wird, von der Lehre bis zur wissenschaftlichen Forschung.

Strukturen und Arbeitsbedingungen sind im Wandel: Wissenschaftliche Kollaboration und Publikation können ganz neue Wege gehen, die dem historisch gewachsenen Wissenschaftssystem Änderungen abverlangen. Ein Beispiel ist die Bewegung hin zu »Open Access« – wissenschaftliche Arbeiten frei zugänglich zu machen, statt sie über Verlage nur gegen Bezahlung freizugeben. Aus linker Perspektive muss die Frage tiefgehender gestellt werden: Wie kann der Übergang zu neuen Arbeitsweisen und Infrastrukturen begleitet werden, so dass sie möglichst aus der Selbstorganisation der Wissenschaft und nicht von kommerziellen Interessen getragen werden?

Auch die Arbeitsbedingungen in Forschung und Lehre werden durch die Digitalisierung geprägt – und gleichzeitig durch einen zunehmenden ökonomischen Druck und Abhängigkeit von privaten Finanzierungsquellen. Neben der Freiheit von Forschung und Lehre muss es, wie in anderen Bereichen auch, darum gehen, eine Vorstellung von guter Arbeit unter zukünftigen Bedingungen zu entwickeln und zu verteidigen.

Schließlich: Die Rolle, die Wissenschaft in der Diskussion über die Klimakatastrophe spielt – und Kampagnen aus der Wissenschaft heraus wie »Scientists for future« – verdeutlichen aktuell, wie wenig sich Wissenschaft als von der Gesellschaft getrennte Sphäre denken lässt. Auch hier eröffnet die Digitalisierung neue Potenziale, die unter Begriffen wie »Open Science« und »Citizen Science« geführt werden. Die zentrale Frage für uns Linke ist hier: Unter welchen Bedingungen können wir solche Ansätze die Wissenschaft durch die Aufnahme von Fragestellungen und Wissen aus der Gesellschaft auf eine breitere Basis stellen und womöglich sogar Probleme des gesellschaftlichen Vertrauens adressieren? 

Dr. Petra Sitte ist stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Sprecherin für Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik