DISPUT

Das kleine Blabla

Unter falscher Flagge

von Fabian Lambeck

Kenia ist ein ostafrikanischer Staat, der sich bei Tierliebhaber*innen und Sextourist*innen großer Beliebtheit erfreut. Immer wieder wird Kenia von heftigen politischen Unruhen heimgesucht. Das ist den hiesigen Medien durchaus mal einen Bericht wert, deutlich häufiger findet der Staat jedoch Erwähnung, wenn es um fragwürdige politische Bündnisse geht. Gerade erst haben sich in Brandenburg SPD, CDU und Grüne zu einer Kenia-Koalition zusammengefunden. Da sich die Flagge Kenias aus den Farben Schwarz, Rot und Grün zusammensetzt, muss das Land am Kilimandscharo als unfreiwilliger Namenspatron herhalten. Das verleiht dem drögen Zweckbündnis einen Hauch von Exotik – ist aber Unsinn. Denn als Referenz taugen exotische Flaggen eigentlich nicht. Schließlich kannte und kennt kaum jemand die Fahne Kenias, deren Mitte übrigens ein traditionelles Schild der Massai-Krieger ziert - samt gekreuzter Speere.

Rastafaris und Geografie-Nerds wissen sicher, wie die Fahne Jamaikas aussieht, viele Bürger*innen aber nicht. Trotzdem firmiert das Bündnis von CDU, FDP und Grünen unter diesem Namen, der ganz falsche Assoziationen weckt. Wer nach Schleswig-Holstein fährt, wo ein solches Dreierbündnis an der Macht ist, wird enttäuscht sein: keine Palmen, keine karibischen Strände und viele bleiche Gesichter.

Wer sich gar von dem schönen Namen Bahamas-Koalition täuschen lässt, wird eine richtig böse Überraschung erleben. Steht der Inselstaat mit seiner schwarz-blau-gelben Flagge doch für ein Bündnis aus CDU, AfD und FDP. Immerhin bieten sich die Bahamas als Exil-Ort an, sollte eine solche Konstellation auf Bundesebene tatsächlich zusammenkommen. Wenn sich die politische Fragmentierung weiter fortsetzt, wird der Flaggen-Unsinn ohnehin bald ein Ende finden. Denn die meisten Fahnen sind nur zwei- oder dreifarbig.