DISPUT

Das digitale Wettrüsten ist im Gange

 

Gelesen von Ingrid Feix

Keine Angst, in diesem Agentenroman des Amerikaners David Ignatius wird nicht rumgeballert, es fließt kaum Blut. Dennoch ist es sehr gruselig, auch weil der Roman unheimlich dicht an der Wirklichkeit ist. Der Autor kennt sich aus mit Geheimdiensten. Da gibt es kein Gut und Böse.

Die USA, China und Russland arbeiten mit Hochdruck und im Geheimen an der Entwicklung eines Quantencomputers, der in kürzester Zeit jeden noch so komplizierten Code knacken kann. Russland – so in dieser Geschichte – ist dabei in eine Sackgasse geraten. Bleiben nur noch die USA und China als Rivalen im digitalen Wettrüsten. Es geht wie immer um die Macht. Wissenschaftler sind mit ihren Entwicklungen umworbene Menschen und stehen unter besonderer Beobachtung. Verdacht, Misstrauen und Verrat sind an der Tagesordnung.

Zu den »Beobachtern« im Dienste der CIA gehört der Sino-Amerikaner Harris Chang. Er ist durch und durch Amerikaner, seit mehreren Generationen lebt seine Familie in den USA, er hat im Irak-Krieg gedient und sich als besonders geeignet für den Auslandsgeheimdienst erwiesen. Nun soll er einen chinesischen Maulwurf in den eigenen Reihen enttarnen. Wer ist dieser Rukou, der die Chinesen mit Informationen aus der Kommandozentrale versorgt? Chang ist ihm auf der Spur und gerät selbst ins Visier, denn für seine amerikanischen Kollegen ist er noch immer ein Chinese. Misstrauen herrscht schließlich auch innerhalb der Geheimdienste, die weltweit von Singapur bis Mexiko-­City, von Amsterdam bis Vancouver ihre Fäden ziehen. Was dem Autor neben der sehr anschaulichen Darstellung der geheimdienstlichen Methoden gelungen ist, sind die Charaktere der Agenten, ihre Schwächen und Stärken zu beschreiben. Denn der ganze Wahnsinn ist bei aller technischen Genialität menschengemacht.

 

David Ignatius: Quantum spy. Der Feind im System. Aus dem Englischen von Stefan Lux, Thriller, Rowohlt Verlag, 448 Seiten, 20 Euro.