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DISPUT

Alleskönner

Der als Tesla-Gründer glorifizierte Investor Elon Musk ist der Prototyp des Alleskönners. Neben ihm glänzen Lichtgestalten wie Virgin-Gründer Richard Branson oder Staubsaugerkönig James Dyson – Erfinder, Designer, Abenteurer und Unternehmer in einer Person. Unsere wirtschaftshörige Postdemokratie feiert diese Selfmade-Helden, die sich rücksichtslos gegen alle Widerstände durchsetzen, als leuchtende Vorbilder. Doch wer alles können muss, kann nichts wirklich gut. Und so scheitern Millionen tagtäglich an den Ansprüchen dieser Gesellschaft. Ein Blick in die einschlägigen Statistiken belegt dies eindrucksvoll. Dabei gilt: Je entfesselter und schrankenloser der jeweilige Markt, desto höher die Rate an Menschen mit Burn-out, Angststörungen und Depressionen. Kein Wunder, dass die USA hier mit Abstand Weltmarktführer sind.

Längst hat das Können auch Einzug in den Sprachschatz von Medienschaffenden gehalten. Da der Kapitalismus so auf Effizienz bedacht ist, hat das Können alles aus dem Satz verdrängt, was Zeit beim Sprechen und Lesen kosten würde. Der Twitter-Sprech erobert die Welt. So schreibt der Stern, Friedrich Merz strahle mit jeder Faser aus: »Ich kann Kanzler.« Mit Blick auf den designierten Wirtschaftsminister sagte ein Ministerpräsident kürzlich: »Er kann Minister.« Dem Fußballbundestrainer wurde vom Spiegel attestiert: »Er kann Trainer.«

Ältere Zeitgenossinnen und -genossen werden sich erinnern, dass das Wort »können« früher nur selten allein stand. Es handelt sich nämlich um ein sogenanntes Modalverb, das für gewöhnlich zusammen mit einem Hauptverb steht. Also »Sie kann prima Fußball spielen« oder »Er kann überzeugend den Kanzler mimen«. Doch wie gesagt, wer alles können muss, kann irgendwann gar nichts mehr richtig, nicht einmal Grammatik.

Fabian Lambeck