Solidarische Antworten auf Ausbeutung in der Sexarbeit
Beschluss des Bundesparteitages am 21. Juni 2026
Die Linke strebt eine Gesellschaft an, in der die Geschlechter gleichgestellt sind und in der Sexualität frei und gleichberechtigt gelebt werden kann.
Sexuelle Ausbeutung von Sexarbeitenden ist mit unserem feministischen und emanzipatorischen Selbstverständnis unvereinbar. Wir lehnen die Inanspruchnahme sexueller Handlungen unter Zwang entschieden ab, unabhängig davon, ob sie bezahlt oder unbezahlt stattfinden. Auch in der Sexarbeit sind sie Ausdruck patriarchaler, kapitalistischer, rassistischer Machtverhältnisse und ökonomischer Ungleichheit. Die Linke kritisiert alle Verhältnisse, die Menschen in prekäre und ausbeuterische Formen der (Sex-)Arbeit drängen.
Menschenhandel, Zwangs- und ausbeuterische Verhältnisse in der Sexarbeit müssen konsequent bekämpft werden. Ursachen hierfür sind insbesondere Armut, unsichere Aufenthaltsverhältnisse, restriktive Migrationspolitik, fehlende soziale Absicherung sowie mangelnde Rechte und Schutzmöglichkeiten für Betroffene. Eine wirksame linke Politik gegen Ausbeutung setzt deshalb auf soziale Sicherheit, sichere Flucht- und Migrationswege, Arbeitsrechte, Aufenthaltsrechte, Gesundheitsversorgung und die Stärkung der Selbstbestimmung von Sexarbeitenden. Eine emanzipatorische Politik unterscheidet zwischen der Kritik an gesellschaftlichen Verhältnissen und der Bewertung individueller Lebens- und Sexualitätsformen. Ziel linker Politik muss es sein, Ausbeutung, Gewalt und ökonomischen Zwang zu bekämpfen, ohne Stigmatisierung, Denunziation oder Eingriffe in die sexuelle Privatsphäre zu fördern.
Wir beschließen daher:
- Die Partei Die Linke setzt sich kritisch mit gesellschaftlichen Vorstellungen von Sexualität und Geschlecht, Machtstrukturen und ökonomischer Ungleichheit auseinander, die auch im Bereich der Sexarbeit wirksam sind. Dabei darf die Kritik an patriarchalen und ausbeuterischen Strukturen jedoch nicht in pauschale moralische Verurteilungen oder Stigmatisierung von Menschen umschlagen.
- Mitglieder, die wissentlich und willentlich sexualisierte Ausbeutung, Menschenhandel (in egal welcher Branche) oder sexuelle Handlungen unter Zwang in Anspruch nehmen, handeln entgegen den politischen Grundwerten der Partei.
- Die Linke betrachtet die Inanspruchnahme von Sexarbeit im Kontext patriarchaler und ökonomischer Machtverhältnisse kritisch. Zugleich lehnt sie pauschale Zuschreibungen, moralische Verurteilungen sowie Eingriffe in die Privatsphäre von Mitgliedern ab.