Beschluss

Kultur in der LINKEN

Beschluss des Parteivorstandes vom 21. und 22. Januar 2012

Der Parteivorstand beschließt die folgenden im Anhang näher bezeichneten Maßnahmen zur Stärkung der Kultur in der Partei:

  1. Kultivieren linker Ereignisse
  2. Kulturkonferenz 2013
  3. Kulturverantwortliche in den Gremien
  4. Kultur im Karl-Liebknecht-Haus
  5. Diskussion über Kulturarbeit eröffnen

Anlage: Kultur in der LINKEN

1. Kultivieren linker Ereignisse

Die Empfänge, Sommer- und Parteifeste atmen noch nicht die kulturelle Weite, die z. B. mit der "Festa de l'Unità" oder der "Fête de l‘Humanité" oder auch nur mit dem UZ-Pressefest der kleinen DKP gelegentlich schmeckbar wurde. Unsere offiziellen Empfänge sind zu steif und könnten etwas von dem Wind der Straße mitbekommen. Wir wollen erreichen, dass unser politisches Agieren und die politischen Ereignisse auch eine kulturelle Ausstrahlung nach innen und außen haben. Das heißt, dass wir Künstlerinnen und Künstler, die sich für uns in Wahlkämpfen für "einen Appel und ein Ei" einsetzen, auch in unsere Veranstaltungen und Empfänge holen, wo sie dann gutbezahlt ihre Stimme, ihr Instrument, ihren künstlerischen Beitrag zu Gehör und zu Gesicht bringen. Das heißt auch, dass wir unsere Wahlkämpferinnen von der Basis, aus den Gewerkschaften, Vereinen und Bewegungen gezielt zu unseren Veranstaltungen und Empfängen einladen und damit eine größere Vielfalt der persönlichen Kommunikation und Ausdrucksweise anbieten.

Wir wollen unsere politische Praxis kultivieren. Dabei darf Kultur, darf Kunst kein Beiwerk ("künstlerische Umrahmung"!!) sein, sondern ist Ausdruck geistiger Aneignung der Welt, ohne parteipolitisch vereinnahmt zu werden. Wir wollen uns so tagtäglich in der "Ästhetik des Widerstands" üben und stärken, insbesondere wollen wir die internationale Arbeit mit Kultur verbinden bzw. über Kultur eine internationale Vernetzung erreichen.

2. Internationale Kulturkonferenz 2013

Im Wahljahr 2013 wird im Zusammenhang mit dem Fest der Linken und/oder dem Kongress der Europäischen Linken in Berlin eine internationale Kulturkonferenz organisiert.

Mögliches Thema (Arbeitstitel): Kultur als linke Bewegung

DIE LINKE beruft sich in ihren programmatischen Forderungen auf die Arbeiterbewegung, die Frauenbewegung, die Friedens-, Umwelt- und andere Protest- und Befreiungsbewegungen, auf die Erfahrung der geistigen Kulturprozesse, die in der DDR den Umgang mit der Wirklichkeit im Sinne thematischer Haltungskunst1(1) demokratisierten. In der aktuellen kulturellen Ausstrahlung der LINKEN, im Lebensgefühl und auch in der Kultur des linken Alltags finden sich dazu kaum Entsprechungen. Woran liegt das? Wie kann das geändert werden? Diese Fragen sind zu klären.

Die internationale Kulturkonferenz 2013 soll zwei Schwerpunkte haben:

  1. mit einem internationalen kulturellen und künstlerischen Programm aufwarten, bei dem Gruppen sowie Künstlerinnen und Künstler auftreten, die dezidiert politische und sozialkritische Kunst machen bzw. aus den aktuellen Bewegungen kommen, z.B. in den nordafrikanischen und arabischen Ländern (alle Genres Musik, Tanz, Theater, Bildende Kunst, Literatur etc.);
  2. in Vorträgen und Diskussionsrunden den Kulturbegriff philosophisch und praktisch sowie im Zusammenhang mit den sozialen und politischen Verhältnissen erklären.

Wir wollen der Frage nachgehen, wie sich historisch die Kunst und Kultur der verschiedenen Bewegungen herausgebildet hat, welche Reflexe (Servilität, Vereinnahmung, Verbot) der Herrschenden es gegen Kunst und Kultur gab, ob und wie durch eine Veränderung unserer politischen Praxis ein linkes Lebensgefühl über Kunst und Kultur initiiert und befördert werden kann?

Verantwortlich: Diether Dehm und Ida Schillen in Zusammenarbeit mit einer Vertreterin/einem Vertreter der Ständigen Kulturpolitischen Konferenz, vom ANTIEISZEITKOMITEE, der Rosa-Luxemburg-Stiftung, mit Volker Steinke, Franz Sodann, Gert Gampe und anderen noch zu benennenden Kulturfachleuten.

3. Kulturverantwortliche in den Gremien

Die Arbeiterbewegung war immer auch eine Kulturbewegung und deswegen müssen wir für die Verbindung zu Künstlerinnen und Künstlern "vor Ort" auch Ansprechpartner auf allen Parteiebenen haben, neue Formen der Öffentlichkeit auf Straßen und Plätzen betreffend, als auch im Hinblick auf die kulturelle Bildung und den Kunstgenuss der Mitglieder. Natürlich sind klassische und auch arrivierte Kunst und Hochkultur für uns keine Fremdkörper und nicht Feindesland. Gemeinsam ins Theater, gemeinsam ins Konzert oder ins Kino gehen, erleichtert die Rezeption, macht sie nachhaltig und kritisch. Die Partei (und auch die parlamentarische Ebene) sollte sich auch engagieren für solche Formen von Kulturarbeit wie die "Liederbestenliste" des Südfunks, das Waldeck-Festival, das Festival "Musik und Politik" und die Erinnerungsveranstaltung an Gerhard Gundi Gundermann und ähnliches. Da von nichts nichts kommt, sollen Kulturverantwortliche bzw. Kulturreferent/innen in den geschäftsführenden Vorständen auf allen Ebenen (Partei und Fraktionen) gewählt werden, um die Konzepte und die praktische Kulturarbeit vor Ort zu sichern. Dazu ist selbstverständlich auch ein Kulturbudget in der jeweiligen Finanzplanung zu gewährleisten.

4. Kultur im Karl-Liebknecht-Haus

Kunst ist Aneignung der Welt und ihr visionäres Überschreiten im Gegenentwurf. Also Lebensmittel gerade für eine Partei, die die Veränderung der Verhältnisse anstrebt. Das Karl-Liebknecht-Haus ist als historischer Ort – auch mit den dort installierten Kunstwerken verschiedener Zeiten – ein Platz, der zur geistig-kulturellen Auseinandersetzung, zur Aneignung von Kunst sowie zur Kommunikation unter künstlerisch und politisch arbeitenden Menschen einladen soll.

Dabei war und ist Spezifik der Veranstaltungen im Karl-Liebknecht-Haus – ob beim monatlichen "Lesen im Karl-Liebknecht-Haus", den regelmäßigen Kunstausstellungen, dem Gespräch über Literatur mit der Reihe "geDRUCKtes"– dass geistiger Gewinn durch das Kunsterlebnis, die Begegnung mit dem Kunstwerk und seinen Produzenten, gefördert wird. Dafür gibt es bei Künstlerinnen und Künstlern eine große Dialogbereitschaft – nicht in genügendem Maße wird der durch die im Karl-Liebknecht-Haus politisch Tätigen entsprochen. Dialog und Kommunikation dürfen nicht folgenlos bleiben; beispielsweise immer wieder unterbreitete Beratungsangebote von Künstlerinnen und Künstlern, auch zur Darstellung der Partei in der Öffentlichkeit, sollten aufgegriffen werden.

Hier gibt es gute Möglichkeiten weiterer Entwicklung, die auch der Parteientwicklung zugutekommen wird. Dabei entwickelte und erprobte Konzepte sollten danach allen Gliederungen der Partei zur Verfügung gestellt werden.

5. Diskussion über Kulturarbeit eröffnen

Wir wollen mit diesem Beschluss die Diskussion zur Kulturarbeit eröffnen und eine Bestandsaufnahme vorhandener künstlerischer Arbeit in der Partei erstellen. Dazu werden wir diesen Beschluss und andere Vorlagen ins Netz stellen und damit eine permanente Kulturplattform eröffnen.

Anmerkung

(1) Bildkünstlerische Werke dieser Art sollten im Wechsel in Räumen der Begegnung der LINKEN gezeigt werden.