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DISPUT

Wenn Fußballer rudern

Das kleine Blabla

Haben sie Anfang Juni die Europameisterschaften im Rudern verfolgt? Nein? Dann gehören sie zum bundesdeutschen Mainstream. Denn Rudern bleibt eine Randsportart, die zwar von Tausenden aktiv betrieben wird, für die sich aber sonst kaum jemand interessiert. Deshalb ist es umso erstaunlicher, dass in der deutschen Öffentlichkeit ständig gerudert wird – und zwar zurück. Es sind vor allem Politikerinnen und Politiker, die sich hier in die Riemen legen. Besonders oft rudert die Kanzlerin zurück, etwa in Sachen Asylpolitik oder Klimaschutz. Wobei sich die berechtigte Frage stellt: Wenn Merkel zurückrudert, muss sie ja auch hin gerudert sein. Es wäre durchaus möglich, von ihrer Wohnung gegenüber der Museumsinsel bis zum Kanzleramt zu rudern. Die Spree fließt schließlich in unmittelbarer Nähe beider Gebäude vorbei. Vielleicht könnte sie sich mit ihrem parteiinternen Konkurrenten Friedrich Merz einen spannenden Ruderwettkampf liefern. Denn auch der smarte Lobbyist eines US-amerikanischen Investmenthauses musste »zurückrudern«, nachdem er zuvor das Asylrecht in Frage gestellt hatte.

Absurd wird es, wenn etwa die Münchener »tz« titelt: »Bayern-Stürmer Müller rudert zurück«. Nicht weil er die Abfahrt des Mannschaftsbusses verpasst hat, sondern weil er seinen Kommentar zu einer Schiedsrichterentscheidung nach Sichtung der Fernsehbilder revidieren musste. Ähnlich komisch klingt es, wenn das Management der Lufthansa »zurückrudern« muss. Nicht weil der Flieger kaputt ist, sondern strategische Konzernziele nicht erreichbar sind. Angesichts der üppigen Dividende, die das vormals staatliche Unternehmen ausschüttet, sollte die Bundesregierung hier auch zurückrudern und die Lufthansa vergesellschaften. Dann könnte man sie mit der Deutschen Bahn verschmelzen, die innerdeutschen Flüge streichen und so endlich was fürs Klima tun.

Fabian Lambeck

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