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DISPUT

»Offensiv das Gespräch suchen«

Der Kreisvorsitzende Paul Schmudlach erklärt im Interview, wie es seinem Kreisverband Ostprignitz-Ruppin gelungen ist, viele junge Menschen für DIE LINKE zu gewinnen

Bei den Kommunalwahlen am 26. Mai musste DIE LINKE im ländlich geprägten Osten teilweise herbe Verluste hinnehmen. Während die Partei in Städten wie Rostock oder Frankfurt/Oder trotz Einbußen ihre führende Position behaupten konnte, schnitt sie in der Fläche deutlich schlechter aber. Ein Grund, der immer wieder zur Sprache kommt, ist die Überalterung der Partei im Osten. Wo nur noch wenige Genossinnen und Genossen im Wahlkampf präsent sein können, verliert DIE LINKE. Doch es geht auch anders. Im Norden Brandenburgs ist es der LINKEN gelungen, den Trend umzukehren. Der Kreisverband Ostprignitz-Ruppin wächst – entgegen der Prognosen. Grund genug für den DISPUT, dort einmal vorbeizuschauen. In der Geschäftsstelle der LINKEN im beschaulichen Neuruppin erwartet man uns bereits. Der Ko-Vorsitzende des Kreisvorstandes, Paul Schmudlach, steht uns Rede und Antwort.

Euer Kreisverband, so heißt es, konnte viele junge Mitglieder gewinnen. Lässt sich dieser Zuwachs auch in Zahlen abbilden?

Klar. Im Jahre 2010 waren wir hier in Ostprignitz-Ruppin etwa 230 Mitglieder. Eine Prognose des Landesverbandes, die um diese Zeit erschien, ging davon aus, dass wir um 2018 noch 200 Mitglieder im Kreisverband haben werden. Tatsächlich hatten wir Ende des letzten Jahres 253 Mitglieder. Das klingt jetzt nicht nach einem riesigen Sprung, aber man darf nicht vergessen, dass in dieser Zeit auch Genossinnen und Genossen verstorben, weggezogen oder ausgetreten sind. Wir konnten gegen den Trend gewinnen. In einem Jahr über 30 neue Mitglieder! Alle anderen Kreisverbände in Brandenburg haben in dieser Zeit starke Mitgliederverluste verkraften müssen.

Klingt so, als hättet ihr eine gut durchmischte Mitgliedschaft …

Wenn man sich die Altersstruktur der Mitglieder als Balkendiagramm vorstellt, dann haben wir bei den unter 30-Jährigen einen ganz hohen Balken und wir haben ein paar riesige Balken ab 65 – der größte Balken bei 80 plus. Was uns fehlt, ist die Generation, die jung war, als die Mauer fiel. Also Menschen, die jetzt zwischen 35 und 60 sind. Da haben wir wirklich kaum neue Leute. Also gerade die Menschen, die mitten im Leben stehen, fehlen uns als Partei auch hier im Kreis.

Aber kommen die jungen Genossinnen und Genossen bei euch auch zum Zuge?

Der geschäftsführende Kreisvorstand hat einen Vorsitzenden der 27 Jahre alt ist, einen Geschäftsführer, der ist Anfang 20 und einen Schatzmeister von Mitte 20.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den Alten und den Jungen? Da gibt es doch sicher auch Reibungspunkte?

Also ganz grundsätzlich kommen wir hier sehr gut miteinander aus und die Atmosphäre ist solidarisch. Natürlich sind wir in nicht allen Detailfragen einer Meinung. Etwa im Wahlkampf, wenn die jüngeren Genossinnen und Genossen mal was Neues ausprobieren wollen, sind die Älteren zunächst etwas skeptisch. Doch wenn alle Generationen ihre Erfahrungen und ihr Wissen einbringen, dann kann die Partei davon eigentlich nur profitieren.

Aber wie gewinnt man denn nun neue Mitglieder im ländlichen Raum?

Man muss als Partei greifbar sein. Es gibt ja diesen etwas angestaubten Spruch: Wo ein Genosse ist, ist die Partei. Doch es ist tatsächlich so. Entscheidend dabei sind gar nicht einmal Infostände oder von der Partei organisierte Veranstaltungen. Denn wie viele junge Leute gewinnt man tatsächlich, wenn man sich in irgendeinen Raum einmietet – nach dem Motto »Hallöchen, hier sind wir«? Das funktioniert nur selten. Aber die Genossinnen und Genossen, unsere Mitglieder, sind überall. Wenn man erkennbar als Parteimitglied auftritt und die Leute auch wissen, wo man hingehört, dann nimmt man die Partei überall mit hin. Bei mir weiß man: Das ist der Paul von der LINKEN. So trete ich auch auf.

Präsenz und Sichtbarkeit sind also die Voraussetzungen, doch was folgt dann?

Dann muss man offensiv das Gespräch suchen. Die Leute wollen soziale Gerechtigkeit und eine Rente,­ von der man leben kann. Die Leute wollen einen Lohn, von dem man menschenwürdig existieren kann und im Falle von Arbeitslosigkeit wollen sie abgesichert sein. Wer diese Punkte als die wichtigsten ansieht, der kann ja eigentlich nur für eine Partei sein. Und das muss man den Leute erklären und sagen: Wir sind die Partei, die für soziale Gerechtigkeit kämpft! Wenn dir das wichtig ist, dann kannst du nicht grün, nicht sozial- oder christdemokratisch wählen, sondern nur DIE LINKE. Wir sind zudem die Partei, die konsequent gegen alte und neue Nazis kämpft. Ich appelliere an alle Genossinnen und Genossen, mit den Leuten Klartext zu reden. Fordert sie auf, bei uns mitzumachen! Die Leute warten nicht darauf, endlich bei uns Mitglied werden zu dürfen.

Die Ansprache ist das eine, aber es sind ja auch die Inhalte, die überzeugen müssen. Mit welchen Themen kann man hier im ländlichen Raum linke Akzente setzen?

In Neuruppin gibt es auf Antrag der LINKEN erstmals einen Bürgerhaushalt. Den wollen wir auch auf Kreisebene einführen und somit den Leuten signalisieren: Hey, ihr könnt hier tatsächlich mitbestimmen. Demokratie heißt ja: Alle Macht geht vom Volke aus. Also los, macht mal! Aber ganz klar sind es vor allem die sozialen Themen, die uns wichtig sind. Gute Kitas und Schulen, eine gute ärztliche Versorgung und Freizeitangebote für alle Altersstufen, die sich jeder leisten kann. Wir wollen die Region für alle Menschen lebenswert machen, aber müssen natürlich für die jungen Leute Bedingungen schaffen, die sie dazu bringen, hierzubleiben. Der Landkreis soll so attraktiv sein, dass die Leute zu uns kommen und hier gerne leben.

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