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DISPUT

Leipzig ist rot!

Erstmals ist DIE LINKE stärkste Kraft im Stadtrat. Dieser Erfolg ist kein Zufall, sondern Ergebnis guter Arbeit der Partei vor Ort

Von Adam Bednarsky und Kay Kamieth

Je später der Abend, desto schöner die Zahlen: Diese Devise galt für die LINKE am 26. Mai zumindest in Leipzig. Zunächst waren im Rathaus die Ergebnisse der Europawahl ausgezählt worden. In Sachsen schaffte es die Partei auf magere 11,6 Prozent und auch in Leipzig wuchsen mit 15 Prozent die Bäume nicht gerade in den Himmel. Nachdem jedoch die Stimmscheine der Stadtratswahl an der Reihe waren, konnte die Leipziger LINKE einen sensationellen Erfolg bejubeln: Mit 21,4 Prozent wurde die Partei knapp vor den Grünen zum ersten Mal stärkste politische Kraft im Stadtrat. Gegenüber 2014 sank das Ergebnis zwar um 2,8 Prozent; gleichzeitig gewann man aber absolut 46.000 Stimmen dazu.

Strategische Vorbereitung

Auf den ersten Blick könnte man sagen: Kein Wunder. Leipzig ist eine boomende Stadt voll junger Hipster: Die sprichwörtlichen »Latte-Macchiato-Linken«, die die Partei einer verbreiteten Wahrnehmung zufolge zulasten ihrer traditionellen Wählerklientel zuletzt umworben hat. Adam Bednarsky, der Leipziger LINKE-Chef, widerspricht: »Der Erfolg ist bei weitem nicht nur jung-urbanen Wählern zu verdanken.« Zwar erzielte die Partei im Szeneviertel Connewitz mit 40,6 Prozent ihr Rekordergebnis. Insgesamt seien aber »sowohl unsere alternativen als auch unsere traditionellen Milieus angesprochen« worden, so im Plattenbauviertel Grünau. Während in vergleichbaren Quartieren in Dresden und Chemnitz die AfD stärkste Kraft wurde, lag in Grünau die LINKE mit 30 Prozent vorn. Zu den Erfolgsfaktoren zählen fünf Jahre engagierte Ratsarbeit mit profilierten Stadträtinnen und Stadträten wie zum Beispiel der direkt gewählten Landtagsabgeordneten Juliane Nagel und dem Fraktionsvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Sören Pellmann, der bekanntlich 2017 das einzige Direktmandat jenseits von Berlin für die Partei gewann und in Grünau fast 16 Prozent aller abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen konnte.

Der eigentliche Schlüssel zum Erfolg liegt sicher in einem nach außen hin geschlossen agierenden Stadtverband, der nicht nur über 1.500 Mitglieder zählt, sondern sich auf diese Wahl fast 18 Monate strategisch vorbereitete. Dazu zählte eine basisdemokratische Erarbeitung des Kommunalwahlprogramms mit dem Titel »Die Stadt gehört allen!« in Zusammenarbeit mit zahlreichen Akteurinnen und Akteuren der Zivilgesellschaft; aber auch die insgesamt sieben Plakatmotive für die Kommunalwahl wurden kollektiv diskutiert und ausgewählt. Auf dieser fundierten Grundlage gelang es dann, mit dem Konzept »10 mal 10« (je Wahlkreis mindestens 10 Kandidierende) erneut der sich weiter ausdifferenzierenden Wählerschaft ein attraktives und breit gefächertes Personalangebot zu unterbreiten. Wir haben in vielen Wahlkreisen nicht nur gute Erstplatzierte, wir haben auch außergewöhnlich gute Zweite, Dritte und Vierte, deren Ergebnisse oft höher sind als die der Gewählten der anderen Parteien.

Das tolle Abschneiden der LINKEN – so viel Ehrlichkeit muss sein – hatte aber auch mit Faktoren jenseits unseres direkten Einflusses zu tun. Die zivilgesellschaftliche Kampagne »Leipzig kippt nicht« warb beispielsweise sehr erfolgreich im linksalternativen Milieu für eine deutlich höhere Wahlbeteiligung, die am Ende auch den Grünen und der Partei von Martin Sonneborn zu einem deutlichen Aufschwung verhalf. Damit könnte es im Endeffekt im neuen Stadtrat sogar zu einer leichten Linksverschiebung kommen. Rot-Grün-Rot, die im Unterschied zu den beiden anderen sächsischen Großstädten Dresden und Chemnitz bislang nicht in einer Koalition miteinander verbunden waren, verfügen dann über eine noch deutlichere Mehrheit als bisher.  

Dr. Adam Bednarsky ist Vorsitzender LINKEN Leipzig. Kay Kamieth ist stellvertretender Vorsitzender der LINKEN Leipzig und Medienveranwortlicher.

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