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Konferenz zu Digitalisierung und sozialer Gerechtigkeit

(K)eine automatische Revolution

Konferenz zu Digitalisierung und sozialer Gerechtigkeit

Big Data, Blockchain, KI oder ADM? Die Produkte der Digitalisierung haben viele Namen. Viele davon dürften der Mehrheit der Gesellschaft vermutlich nicht geläufig sein – dabei bestimmen sie viele Bereiche unseres Lebens. Das kann eine Erleichterung sein, wenn wir über ein Onlineportal den günstigsten Urlaub buchen oder über eine App beim nächstgelegenen Leihauto per Klick auf dem Smartphone die Wagentür öffnen. Es kann aber auch zur Tortur werden, wenn die Arbeit als Click-Worker keine sozialen Sicherheiten mehr bietet oder wir jegliche Kontrolle über unsere Daten an private Unternehmen wie Google oder Facebook verlieren. Der technische Fortschritt und die Folgen der Digitalisierung stellen uns alle vor neue Herausforderungen, manche davon können wir heute nur erahnen.
Umso wichtiger, dass DIE LINKE Antworten parat hat wie wir auf diese Herausforderungen reagieren sollten, damit die Vorteile der Digitalisierung allen zu Gute kommen und nicht nur den Reichtum und die Kontrolle weniger stärkt. Deshalb wollen wir auf dieser Konferenz Lösungen der Linken und LINKEN zusammentragen und gemeinsam weiterentwickeln. Leiten werden uns dabei die Fragen: Wie können wir den technologischen Fortschritt demokratisch und sozial gestalten? Wie können wir neue Technologie so nutzen, dass sie der Mehrheit nützt? Wie können wir uns vor Missbrauch von Technologie durch andere schützen? Am Ende steht die Frage: wie können wir ein gutes Leben für alle schaffen? Eine Linke, die es schafft diese Fragen zu beantworten und Lösungen anzubieten, muss die Zukunft nicht fürchten – sie wird sie gestalten.

Die Teilnahme an der Veranstaltung und die Verpflegung während des Tages sind kostenlos. Anreise und Übernachtung müssen selbst organisiert werden. Wenn ihr in der LINKEN aktiv seid, fragt gern in euren Kreis- oder Landesverbänden nach, ob es eine Möglichkeit zur Kostenübernahme gibt. Der Veranstaltungsort ist barrierefrei zugänglich, eine Kinderbetreuung wird es geben.

Wann und wo?

7. Dezember 2019, Jugendherberge Berlin-Ostkreuz, Marktstraße 9-12, 10317 Berlin

Programm

  • 9.30 – 10.30 Uhr Begrüßung und Einführung in die Tagung

Digitales Warm Up

Wer, wie, was Digitalisierung? Wer sich mit dem Politikfeld befassen möchte steht vor etlichen neuen Begriffen und technische Zusammenhänge schrecken viele ab, sich mit Digitalisierungspolitik politisch auseinanderzusetzen. Wir beginnen die Tagung deshalb mit einem kurzen Update für alle - unterhaltsam und informativ starten wir den Tag mit einem Live-Glossar und befragen zwei Auskennen*innen zu den wichtigsten Begriffen der Digitalisierung und lassen das Publikum eigene Antworten geben.

Mit: Elizabeth Calderon-Luening (Forschungsgruppe "Ungleichheit und digitale Souveränität" an der Universität der Künste), Walter Palmetshofer (Projektleiter der Open Knowledge Foundation), Moderation: Katalin Gennburg (Sprecherin für Smart City, Linksfraktion Berlin)

10.30 – 12.30 Uhr Workshopphase I

Umbrüche in der Arbeitswelt – Herausforderungen für linke Politik

Kapitalismus, technische Innovationen und Arbeitswelt sind eng miteinander verwoben. Heute wie zu Beginn der Industrialisierung steht das Renditestreben der Unternehmen den Wünschen der Beschäftigten nach Guter Arbeit, sicheren Arbeitsplätzen und betrieblicher Mit- und Selbstbestimmung gegenüber. Die aktuellen politischen Kämpfe sind somit keine gänzlich neuen; sie finden im klassischen Spannungsfeld zwischen Kapital und Arbeit statt. Die Digitalisierung bricht nicht nur herkömmliche Arbeitsstrukturen auf, sondern stellt auch die Verteilungsfrage neu: Wie und von wem wird Mehrwert erzeugt und wer bekommt ihn? DIE LINKE beobachtet seit Jahren, dass Arbeitgeberverbände die Digitalisierung als Einfallstor zu nutzen versuchen, um hart erkämpfte Schutzrechte von Beschäftigten aufzuweichen und eine neue Welle der arbeitsmarktpolitischen Deregulierung durchzusetzen. Ziel des Panels ist eine Diskussion darüber, wie ein positiver Gegenentwurf der LINKEN aussehen kann, um Gewinne gerechter zu verteilen, neue Erwerbsformen sozial abzusichern und Beschäftigte zu entlasten und zu stärken.

  • Block I: Arbeitszeitsouveränität vs. Flexibilisierung und Entgrenzung – Gute Arbeit und Digitalisierung: mehr Arbeitsverdichtung, Arbeitsbelastung, Überstunden, Stress Rolle der Gewerkschaften und Betriebsräte
  • Block II: Überwachung, Kontrolle, Disziplinierung oder mehr Entlastung und Arbeitsschutz durch Assistenzsysteme/MMI? – Rolle der Gewerkschaften und Betriebsräte

Mit: Nadine Müller (Referentin im Bereich Innovation und gute Arbeit bei ver.di) und Jessica Tatti (Sprecherin zum Thema Arbeit 4.0 der Linksfraktion im Bundestag)

Für den ländlichen Raum bietet die Digitalisierung viele Chancen, der Landflucht etwas entgegen zu setzen und als Lebensraum an Attraktivität zu gewinnen. Da Arbeitsplätze zunehmend ortsungebunden sind, können immer mehr Menschen ihren eigentlichen Wohnortwünschen folgen und sind nicht mehr gezwungen, den Jobs hinterher in die Städte zu ziehen, wo sie hohe Mieten erwarten. In diesem Workshop stellen wir innovative Kommunen aus der brandenburgischen "Provinz" vor, die kreative Möglichkeitsräume schaffen, in denen Leben, Lernen und Arbeiten mit den Potenzialen des Digitalen zusammen gedacht werden und die damit Voraussetzungen schaffen für zukunftsfähige Perspektiven dort, wo es für viele am Schönsten ist - auf dem Land.

Mit: Silvia Henning (neuland21), Frederik Fischer (KoDorf), Daniel Domscheit-Berg (Verstehbahnhof), Roland Leisegang (Bürgermeister Bad Belzig) und Anke Domscheit-Berg (​Netzpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag)

Teil I: Kita, Schule, berufliche Bildung

In einer Gesellschaft, in der digitale Technologien immer mehr Raum gewinnen, stellen sich für Bildung und ihre Institutionen neue Herausforderungen. Es geht um Chancen und Risiken. Es geht um soziale Spaltung. Es geht um die Entwicklung vielfältiger Kompetenzen. Gefragt werden muss nach Qualifizierung und Weiterbildung der Pädagog*innen, nach den nötigen Ressourcen in Bildungseinrichtungen. Nicht zuletzt müssen Qualitätsstandards diskutiert werden: offene Bildung durch frei zugängliche Materialien, durch kollaborative Lernkulturen, freie Lizenzen. Freier Zugang zu freiem Wissen bringt mehr Bildungsgerechtigkeit. Diskutiert werden muss über Datenschutz- und -sicherheit, über die Gefahren der Privatisierung und Ökonomisierung von Bildung und Lobbyismus.

Wir stellen uns die Fragen und wollen sie beantworten: Wie geht Bildung in einer digitalisierten Welt? Welche neuen Herausforderungen treten auf die Agenda? Welche alten Fragen werden neu aufgeworfen? Welche politischen Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden für gute Bildung in einer medial und digital beeinflussten Gesellschaft? Welche Kompetenzen sollen entwickelt werden (sozial, digital, personell)? Wie verhindern wir soziale Spaltung? Mit welchen Chancen und Risiken müssen wir uns auseinandersetzen?

Mit: Birke Bull-Bischoff (Bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag) u.a.

Mit der Digitalisierung haben auch Über­wa­chung und Kontrolle neue Ausmaße ange­nom­men. Geheimdienste und Staat übertreffen sich in ihrem Wunsch nach Überwachungsmaß­nah­men. Die digitale Aufrüstung eskaliert und die Kontrolle der verantwortlichen Institutionen wird systematisch verhindert. Das zeigen so­wohl der NSA- als auch der NSU-Skandal. Der Regierung geht es nicht um unsere Sicherheit, sondern um die Interessen der Rüstungsindustrie und die Macht ihrer ei­ge­nen Sicherheitsapparate. Sie bekämpft die Angst nicht, sondern instrumentalisiert sie für ihre eigene Agenda. Un­ser Recht auf Schutz der Privatsphäre wurde in den letzten Jahren zunehmend erodiert, Missbrauch von Geheimdiensten nachträglich legalisiert. Auch werden die technischen Errungenschaf­ten derzeit für eine vernetzte, unüberwindliche „Grenzsicherung“ an den Gräben und Zäunen der Festung Europa und für Kriegseinsätze genutzt. Das heißt „Abschottung und Krieg 4.0“. Der brutale Akt der europäischen Abschottung wird auf die Technik ausgelagert – Verant­wortung verwischt und eine technokratische Dystopie wird zum Greifen nahe: Algorithmen entscheiden, wer die smarte Mauer über­winden darf und wer nicht. Diese Entwicklungen kündigen ein Über­wachungssystem an, das die Menschen wie nie­mals zuvor unter die Kapitalinteressen stel­len und die bestehenden Verhältnisse mittels Ma­schinen verwalten und verfestigen würde. Aber: So muss es nicht kommen. Wir haben eine Wahl.

Mit: Matthias Monroy (Wissensarbeiter, Aktivist und Mitglied der Redaktion der Zeitschrift Bürgerrechte & Polizei/CILIP), Pascal Stuiber (Politikwissenschaftler und Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundestag) und Felix Lee (2012 bis 2019 China-Korrespondent der taz in Peking, jetzt wieder in Berlin für Weltwirtschaft zuständig)

Im digitalen Zeit­alter müssen wir den Sozialstaat völlig neu denken. Die Digitalisierung kann dazu führen, dass die Menschen freier arbeiten und leben. Im schlimmsten Fall aber führt sie zur Verschärfung der sozialen Ungleichheit. Wie sieht also eine soziale Infrastruktur aus, die überhaupt mög­lich macht, dass alle Menschen das digi­tale Freiheitsversprechen einlösen kön­nen? Ohne einen Sozial­staat 4.0 wird es eine digitale Demokratie nicht geben können. Konkret bedeutet das, dass wir z.B. neue soziale Absicherungsinstrumente für die in­zwischen über zwei Millionen Soloselbst­stän­digen brauchen, die meist unter prekären Bedingungen über die Runden kommen müssen. Und wie sieht aus es mit einer solidarischen Bürgerversicherung, wie mit der Rente und wie mit sozialen Garantien, die tatsächlich Schutz gegen die um sich greifende Existenzangst bieten? Diese und weitere Fragen wollen wir in diesem Workshop stellen und Antworten finden.

Mit: Katrin Mohr (Politische Sekretärin im Bereich Grundsatzfragen und Gesellschaftspolitik beim Vorstand der IG Metall) u.a.

 

Welche Umbrüche in der Wirtschaft, in Dienstleistungen und Industrie, sind durch den neuen Schub der Digitalisierung zu erwarten? Was sind die sozial-ökologischen und volkswirtschaftlichen Folgen von 5G, Industrie 4.0 und neuen Unternehmensstrategien? Welche Chancen eröffnen sich für ein stärker selbstbestimmtes Arbeiten und Leben, für eine sozial gerechtere und ökologische Gestaltung der Wirtschaft?

Im ersten Teil des WS wollen wir den Versuch einer Bestandsaufnahme machen und uns über Herausforderungen für eine transformative, sozial-ökologische Wirtschaftspolitik verständigen.

Mit: Input Rainer Fischbach (Softwarexperte und Publizist u.a. für Makroskop) und Birgit Mahnkopf (Professorin (i.R.) für Europäische Gesellschaftspolitik an der HWR Berlin)

Neue und alte Medien zwischen rechter Hetze und demokratischen Potential. Wie kann linke Medienpolitik und emanzipatorische Medienarbeit heute noch aussehen?

Welche Hoffnung lag nicht auf den neuen Medien. Utopien sahen eine wirkliche Demokratisierung der Medien kommen. Jeder Empfänger konnte selbst zum Sender werden. Dialog wurde möglich. Sollte Brechts Radiotheorie Praxis werden? Der Tag lag nah, an dem Springer, Murdoch und Co. ihr Monopol auf Desinformation genommen werden konnte. Nach der kurzen Phase der Hoffnung landeten wir in der Phase der Dystopie. Rechte Hetze, Kampf gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk statt gegen die Macht privater Medienkonzerne, die Wahl Trumps mittels gezielter Social-Media-Kampagnen oder die Verbreitung von Fake-News: Die Digitalisierung der Medien schafft es offenbar, die niedrigsten Instinkte noch zielgerichteter zu mobilisieren als es Hetzblätter wie BILD je konnten. Gleichzeitig führt die Digitalisierung und die schlafmützige Reaktion seitens der Verlage auf diese technische Revolution sowie gesteigerte Renditeorientierung in der Hochphase des Neoliberalismus auch noch zu einem Qualitätsverlust: Fehlende Bezahlkultur führte zu ausgedünnten journalistischen Angeboten, prekäre freiberufliche Arbeit erschwert gute Recherche und unabhängigen Journalismus, und die Vermarktungsabteilung der Verlage im digitalen Kapitalismus verlangt von ihren Online-Redaktionen SEO-Optimierung statt investigativem Journalismus, fundierter Recherche und längeren feuilletionistischen Reportagen.

In diesem Workshop wollen wir die Entwicklung der Digitalisierung der Medien aus verschiedenen Perspektiven bearbeiten. Grundsätzlich – wie kann linke Medienkritik heute eigentlich noch aussehen, Medienpolitisch – wie wollen wir die Digitalisierung der Medienarbeit unter demokratischen, aufklärerischen und emanzipatorischen Gesichtspunkten steuern und medientechnisch – wie kann linke und das heißt aufklärerische und empowernde Medienarbeit in Zeiten der Digitalisierung eigentlich aussehen? In Teil 1 des Workshops liegt der Fokus auf der Medienkritik und Medienpolitik.

Mit: Malte Krückels (Staatssekretär Medien in Thüringen), Doris Achelwilm (MdB), medienpolitische Sprecherin Fraktion DIE LINKE im Bundestag u.a.

  • 12.30 – 14.00 Uhr Mittagspause

14.00 – 16.30 Uhr Workshopphase II

Umbrüche in der Arbeitswelt – Herausforderungen für linke Politik

 

Kapitalismus, technische Innovationen und Arbeitswelt sind eng miteinander verwoben. Heute wie zu Beginn der Industrialisierung steht das Renditestreben der Unternehmen den Wünschen der Beschäftigten nach Guter Arbeit, sicheren Arbeitsplätzen und betrieblicher Mit- und Selbstbestimmung gegenüber. Die aktuellen politischen Kämpfe sind somit keine gänzlich neuen; sie finden im klassischen Spannungsfeld zwischen Kapital und Arbeit statt. Die Digitalisierung bricht nicht nur herkömmliche Arbeitsstrukturen auf, sondern stellt auch die Verteilungsfrage neu: Wie und von wem wird Mehrwert erzeugt und wer bekommt ihn? DIE LINKE beobachtet seit Jahren, dass Arbeitgeberverbände die Digitalisierung als Einfallstor zu nutzen versuchen, um hart erkämpfte Schutzrechte von Beschäftigten aufzuweichen und eine neue Welle der arbeitsmarktpolitischen Deregulierung durchzusetzen. Ziel des Panels ist eine Diskussion darüber, wie ein positiver Gegenentwurf der LINKEN aussehen kann, um Gewinne gerechter zu verteilen, neue Erwerbsformen sozial abzusichern und Beschäftigte zu entlasten und zu stärken.

  • Block I: Neue Erwerbsformen und Prekarisierung am Beispiel Plattformarbeit
  • Block II: Produktivität, Verteilung, Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle

Mit: Mit: Florian Butollo (Weizenbaum Institut, Leiter der Forschungsgruppe "Arbeiten in hochautomatisierten digital-hybriden Prozessen") und Jessica Tatti (Sprecherin zum Thema Arbeit 4.0 der Linksfraktion im Bundestag)​

Nicht nur die Verwaltung digitalisiert sich – ganze Infrastrukturen der Städte nutzen die Möglichkeiten digitaler Datenerhebung. Lange wurde die Debatte um Smart City vor allem von kommerziellen Unternehmen vorangetrieben. Smarte Häuser, outgesourcte öffentliche Dienstleistungen, kommerzielles und zunehmend monopolisiertes Sharing – die Stadt, ihre Bürgerinnen und Bürger, deren Daten und deren Verwaltung als Ware. Datenkonzerne sowie Software- und Infrastrukturgiganten geben den Takt vor und nehmen sich Raum. Dabei lässt sich eine digitale Stadt auch anders beschreiben: als ein soziales Gemeinwesen, das Digitalisierung im öffentlichen und zivilgesellschaftlichen Kontext im Interesse ihrer Bewohnerinnen und Bewohner gestaltet und vorantreibt. Dabei gilt es, die Gefahren der monopolisierten Daten- und Softwarekonzerne sowie Dienstleistern einzuschätzen und ihnen bewusst entgegen zu wirken. Geschäftsmodelle von Firmen wie Uber, Google oder AirBnB wollen wir dabei kritisch analysieren, gesetzliche Regulierungen diskutieren und Alternativen aufzeigen. Wie kann eine smarte Stadt von unten, demokratisch und im Commons-Gedanken wachsen? Wie können wir die Digitalisierung der Verwaltung und der öffentlichen Unternehmen sowie der Wissenschaft als Nukleus für eine „Open City“, für mehr Demokratie, Teilhabe und sozialen Ausgleich nutzen? Wie halten wir digitale Infrastrukturen, Netze, Sensorik, Rechenzentren im öffentlichen Bereich und für alle offen? Welche Rolle spielen dabei offene Software und Infrastruktur als Gemeingut? Wie kann man eine produktive Zusammenarbeit von digitaler Zivilgesellschaft und von progressiver Stadt- und Kommunalpolitik gestaltet werden?   

Mit: Katalin Gennburg (Sprecherin für Smart City, Linksfraktion Berlin), Tobias Schulze (Sprecher für Netzpolitik, Linksfraktion Berlin), N.N. (Bündnis Digitale Stadt), Markus Beckedahl (netzpolitik.org) - angefragt

Teil II: Hochschule, Forschung und Wissenschaft

Die Digitalisierung stellt der Wissenschaft nicht nur neue Instrumente zur Verfügung, sondern ändert auch die Art und Weise, in der Wissenschaft betrieben wird, von der Lehre bis zur wissenschaftlichen Forschung. Weit über die Forderung nach „Open Access“ hinaus geht es um eine Transformation von Strukturen und Arbeitsbedingungen und neue Möglichkeiten, Wissenschaft zugänglich zu machen und in die Gesellschaft einzubetten.

Wir stellen uns die Fragen und wollen sie beantworten: Welche Folgen hat die Digitalisierung für Arbeitsbedingungen in Lehre und Wissenschaft? Welche Wechselwirkungen gibt es zwischen Digitalisierung und Ökonomisierung der Wissenschaft? Wie können zukünftige System wissenschaftlicher Kollaboration und Publikation aussehen? Welche Ansätze haben welches Potenzial, das Wissenschaftssystem im Sinne von „Open Science“ offener und zugänglicher zu machen?

Mit: Julia Landgraf (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) und Petra Sitte (Sprecherin für Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik der Linksfraktion im Bundestag)

Doxing, Revenge-Porn, Hatespeech, Cyber-Stalking – Digitale Gewalt gegen Frauen hat viele Facetten. Vieles davon findet online und sichtbar im Netz statt, aber es gibt auch die digitale Seite der häuslichen Gewalt. „Mit digitaler Gewalt meinen wir alle Formen von Gewalt, die sich technischer Hilfsmittel und digitaler Medien (Handy, Apps, Internetanwendungen, Mails etc.) bedienen und/oder Gewalt, die im digitalen Raum, z.B. auf Online-Portalen oder sozialen Plattformen stattfindet.“ (Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe bff)

Obwohl das alles nicht mehr neu ist, ist wenig über die Digitale Gewalt gegen Frauen bekannt. Es gibt kaum Zahlen, denn sie wird in den Polizeistatistiken nicht erfasst. Strafverfolgungsbehörden sind im Umgang mit ihr meist hilflos und auch nicht besonders interessiert. Beratungsstellen haben nicht die Kapazitäten, sich das technische Know-How zu besorgen und zu analysieren, woher der prügelnde Ex all sein Wissen hatte. Die Folgen sind dramatisch: Frauen ziehen sich aus Debatten im Netz zurück, der Online-Stalker steht plötzlich vor der Tür, Opfer der Veröffentlichung privater Bilder werden suizidal. Darüber wird viel zu wenig gesprochen.

Wenn Frauen – mal wieder – aus dem öffentlichen Raum verdrängt werden, wenn Digitalisierung für Frauen reale Bedrohungen und psychischen Terror mit sich bringt, ist das ein Problem für die gesamte Gesellschaft, denn dann geht es z.B. auch um Meinungsfreiheit oder Teilhabe.

Wir wollen im Workshop damit beginnen, einen Überblick über die Formen, Ausmaß und Folgen der digitalen Gewalt zu geben und dann darüber sprechen, wie sich Betroffene wehren können, aber auch, welche Probleme es gibt, wenn sie das auf dem juristischen Weg tun wollen. Sind die Gesetze ausreichend, die wir haben? Auch bei diesem Thema wird schnell die Klarnamenspflicht gefordert, die wir aus guten Gründen ablehnen: Aber was dann? Natürlich werden wir auch darüber sprechen, was jenseits der Strafverfolgung nötig ist: Informationen, Beratung, Know-How, oder vielleicht auch die Entwicklung besserer Software zur Erkennung von privaten Überwachungs-Apps.

Mit: Christina Clemm (Rechtsanwältin), Ans Hartmann (Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe, Projekt ‚Aktiv gegen digitale Gewalt‘), Abir Ghattas (Information Security Technologist bei Human Rights Watch) und Anne Roth (Netzpolitische Referentin der Linksfraktion)

Unter kapitalistischen Bedingungen bleiben gesundheitstechnologische Innovationen hinter den medizinisch-ethisch bestmöglichen Lösungen zurück, weil schon bei ihrer Entwicklung ihre Einsatzmöglichkeit für die Profitmaximierung ein zentrales Kriterium darstellt. Bislang gibt es nur unzureichende gesetzliche Regelungen und kaum einheitliche Rahmenbedingungen für digitale Gesundheitsanwendungen, dennoch haben sie Einzug in die Behandlungspraxis, die Arbeitsverhältnisse und unser Leben gehalten. Es ist höchste Zeit, politische Zielvorgaben und gesetzliche Regelungen zu schaffen, unter denen der technologische Fortschritt uns nützt und eine höhere Versorgungsqualität, bessere Arbeitsbedingungen in der Gesundheitsbranche und eine bessere Prävention ermöglicht, ohne gläserne Patient*innen zu erschaffen.

Dafür wollen wir uns vor allem mit folgenden Fragen auseinandersetzen:

  • Welche Veränderungen bringt die Entwicklung und Einführung digitaler Gesundheitstechnologien für die Ausgestaltung der Gesundheitsversorgung?
  • Welches Spannungsverhältnis besteht zwischen dem neoliberalen Dogma der Eigenverantwortung und dem Solidarprinzip?
  • Welche Rolle spielt die Attraktivität von Gesundheitsdaten dafür, dass Patient*innen noch umfassender als bisher zur Ware werden und die Forderung nach gesundheitsbewusstem Verhalten als Vorwand für die weitere Privatisierung der Daseinsvorsorge genutzt wird? 
  • Wie können wir Partei DIE LINKE Einfluss nehmen auf den Digitalisierungsprozess im Gesundheits- und Pflegesystem?
  • An welchen Ebenen müssen wir strategisch ansetzen, um diesen Prozess im Sinne von Patient*innen und Angestellten im Gesundheitswesen zu gestalten, bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen und die informationelle Selbstbestimmung zu schützen?
  • Mit welchen Bündnispartner*innen und gesellschaftlichen Kräften können wir diese Ziele gemeinsam erreichen?

Mit: Elke Steven (Digitale Gesellschaft) und Dr. Achim Kessler (Gesundheitspolitischer Sprecher der Linksfraktion im Bundestag)

Ein digitaler Kapitalismus droht die soziale Spaltung, die Klimakrise und die Aushöhlung der Demokratie zu verschärfen. Gefragt ist ein Transformationsprojekt von links: nur mit einer Demokratisierung der Wirtschaft lässt sich die Digitalisierung sozial gerecht und klimagerecht gestalten. Wie kann eine linke Agenda für eine sozial-ökologische und demokratische Transformation der digitalisierten Wirtschaft aussehen? Wie können Einstiege aussehen, mit denen wir die gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse nach links verschieben?

Mit: Input Rainer Fischbach (Softwarexperte und Publizist u.a. für Makroskop), Birgit Mahnkopf (Professorin (i.R.) für Europäische Gesellschaftspolitik an der HWR Berlin), Michael Fischer (Leiter Abteilung Politik und Planung beim ver.di Bundesvorstand) und Bernd Riexinger (Vorsitzender der Partei DIE LINKE), Moderation: Lia Becker (DIE LINKE;  wissenschaftliche MA von Bernd Riexinger)

Zwischen Hetze und Aufklärung, zwischen Empowerment und der Mobilisierung des Ressentiments: Wie kann linke Medienarbeit heute aussehen?

Linke Medienpolitik und Medienarbeit wirkt gegen die Wucht des Ressentiments teilweise hilflos und neigt zum Kulturkonservativismus. Selbst das gute alte ZDF-Heute-Journal wirkt plötzlich als Hort der Aufklärung im Meer des Wahnsinns in den sozialen Medien und auf den privaten TV-Sendern. Aber gibt es nicht auch die Rezos, Campact, erfolgreiche Kampagnen gegen TTIP oder zur Seenotrettung, die ohne die Möglichkeiten der Digitalisierung so auch nicht möglich gewesen wären?

In diesem Workshop wollen wir die Entwicklung der Digitalisierung der Medien aus verschiedenen Perspektiven bearbeiten. Grundsätzlich – wie kann linke Medienkritik heute eigentlich noch aussehen, Medienpolitisch – wie wollen wir die Digitalisierung der Medienarbeit unter demokratischen, aufklärerischen und emanzipatorischen Gesichtspunkten steuern und medientechnisch – wie kann linke und das heißt aufklärerische und empowernde Medienarbeit in Zeiten der Digitalisierung eigentlich aussehen? In Teil 2 des Workshops liegt der Fokus auf der Medienarbeit.

Mit: Tom Strohschneider (Zeitschrift OXI) u.a.

  • 16.30 – 17.00 Uhr Kaffeepause
     

17.00 – 19.00 Uhr Podium: Digitaler Klassenkampf? Die Zukunft des digitalen Kapitalismus und die Perspektive eines neuen Sozialismus.

Digitalisierung ist (auch) Klassenkampf. Von sich aus wird die technologische Entwicklung nicht zur Emanzipation führen, sondern bestehende Tendenzen der Prekarisierung von Arbeit und Leben und Aushöhlung der Demokratie verschärfen. Wie verändern sich die Formen der Organisation von Arbeit und Ausbeutung im High-Tech-Kapitalismus? Welche neuen Formen der Solidarität und Macht entstehen? Wie kann ein ›digitales Prekariats‹ von prekären Software-EntwicklerInnen über Millionen Click- und Crowdworker bis hin zu den Belegschaften neuer Konzernriesen wie Amazon sich organisieren?

Angesichts der Vielfach-Krise des globalisierten Kapitalismus wird klar: wir müssen die Weise, wie wir arbeiten, leben und wirtschaften radikal verändern. Ist ein neuer, demokratischer und ökologischer Sozialismus die Antwort von links auf Vielfachkrisen und digital organisierte Produktivkräfte?

Mit: Nina Scholz (Journalistin), Evgeny Morozov (Autor und Wissenschaftler), Birgit Mahnkopf (Professorin (i.R.) für Europäische Gesellschaftspolitik an der HWR Berlin) und Bernd Riexinger (Vorsitzender der Partei DIE LINKE). 
 

19.00 – 21.00 Uhr: Abendessen und Get Together
 

Anmeldung

zur Digitalkonferenz am 7. Dezember 2019 in Berlinweiter

Dossier: Digitalisierung

Mit Beiträgen von Bernd Riexinger, Katja Kipping, Anke Domscheit-Berg, Julia Schramm und Sabine Nuss.weiter

10 Punkte für eine digitale Agenda

Ein Diskussionspapier von Katja Kipping, Julia Schramm, Anke Domscheit-Berg und Martin Delius

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Was hat DIE LINKE in der Digitalpolitik zu diskutieren?

Eine Kurzübersicht der BAG Netzpolitik

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Das Produkt sind wir. Über das Leben im digitalen Zeitalter

Eine Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Siftung mit Katja Kipping, Francesca Bria, Thomas Kaspar und Philipp Staab, Moderation: Ines Schwerdtner
Freitag, 6. Dezember ab 19 Uhr im TAK – Theater im Aufbauhaus. Weitere Informationen