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DISPUT

Zurück aus der Zukunft

Von Fabian Lambeck

 

Nun ist die Zukunft bereits Vergangenheit. Vier Tage voller Diskussionen, Workshops, Podien und Theatervorstellungen liegen hinter uns. Wir haben mehr erfahren über Ungleichheit, Feminismus, Spekulation, Austerität, Plattformkapitalismus, neue Klassenpolitik und Aufrüstung. Wir haben neue Perspektiven entwickelt und uns ausgetauscht mit Aktivistinnen und Aktivisten aus anderen Zusammenhängen und Ländern. Wir hatten die US-Amerikanerin Winnie Wong zu Gast, die großen Anteil am Erfolg von Bernie Sanders hat. Gleich mehrere Aktivistinnen und Aktivisten der Momentum-Bewegung, die den linken Labour-Chef Jeremy Corbyn unterstützt, berichteten über Wahlkämpfe und erfolgreiche Kampagnen. Der Präsident der Europäischen Linken, Gregor Gysi, sprach mit »Lifeline«-Kapitän Claus-Peter Reisch über das Sterben im Mittelmeer.

 

Die Vorsitzende der LINKEN Katja Kipping diskutierte mit der Berliner Landesvorsitzenden Katina Schubert und der Journalistin Nina Scholz über eine digitale Agenda von links als Gegenentwurf zur neoliberalen Vision der Digitalisierung. Ein »Feministisches Labor« agitierte gegen die Macho-Politik von Männern, wie Björn Höcke und Donald Trump. Ziel ihrer politischen Arbeit sei es, so die Organisatorinnen und Organisatoren, nicht nur den Kapitalismus zu überwinden, sondern auch die Vormachtstellung der Männer. Da den Worten gleich Taten folgen sollten, gab es ein Ermächtigungs-Training für Frauen, »um Ziele zu erreichen, Gegner_innen überzeugen zu können, und sich trotzdem selbst treu zu bleiben«.

 

Ein weiterer thematischer Schwerpunkt war der Rechtsruck in Politik und Gesellschaft. Der linke Vordenker und Gewerkschafter Hans-Jürgen Urban suchte mit Partei-Vize Martina Renner nach Strategien gegen Rechts. Der Vorsitzende der LINKEN Bernd Riexinger kritisierte die »Ablenkungsmanöver der Rechten«, die den realen Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit übertünchten mit ihrer Unterscheidung zwischen drinnen und draußen, deutsch und nicht-deutsch. Riexinger, der zusammen mit dem Theaterregisseur Volker Lösch auch sein gerade erschienenes Buch »Neue Klassenpolitik« vorstellte, zeigte sich überzeugt: »Wenn Klassenbewusstsein herrscht, muss man nicht die Flüchtlinge zu Sündenböcken machen.« Er plädierte dafür, am Begriff des Klassenkampfes festzuhalten. Schließlich sei der anderen Seite durchaus bewusst, dass es hier um eine solche Klassenauseinandersetzung gehe.

 

Klassenkampf 2.0

 

Nachdenklich stimmende Worte kamen vom Jenaer Soziologen Klaus Dörre, der bereits in den Achtzigerjahren rechte Einstellungen bei westdeutschen Gewerkschaftern erkannte und jetzt warnt, dass solche Einstellungen selbst »im Kern der Gewerkschaften« angekommen seien. So hätten viele den Eindruck, auch in dieser prosperierenden Phase nicht den ihnen zustehenden Anteil zu erhalten. »Und jetzt kommen die Flüchtlinge«, machte Dörre den Konflikt deutlich.

 

Ein weiterer Workshop brachte friedenspolitische Akteure zusammen. Dort forderte der erfahrene Friedensaktivist Willi van Ooyen, im Vorfeld der Europawahlen aktiv zu werden, weil die EU massiv aufrüste und ihre Außenpolitik weiter militarisiere. Parteivorstandsmitglied Tobias­ Pflüger zeigte sich »geschockt«, wie breit der Vorschlag zur Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht diskutiert wurde. Pflüger erinnerte daran, dass die Wehrpflicht »nur ausgesetzt und nicht abgeschafft ist«. Offenbar hofften hier interessierte Kreise gleich »zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: das Rekrutierungsproblem der Bundeswehr und den Personalnotstand in der Pflege«.

 

Bereits am Freitag startete DIE LINKE ihre bundesweite Kampagne »Bezahlbare Miete statt fetter Rendite« mit einer Demonstration durch die Berliner Innenstadt. Auf der Abschlusskundgebung forderten zahlreiche Rednerinnen und Redner der LINKEN eine mietenpolitische Wende der Bundesregierung. Die Kampagne erfreut sich großer Beleibtheit: Schon mehr als 150 Kreisverbände haben das neue Kampagnenmaterial bestellt.

 

Die »Linke Woche der Zukunft« und die zeitgleich am selben Ort stattfindende Konferenz »über:morgen« der Rosa-Luxemburg-Stiftung waren ein voller Erfolg.

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