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DISPUT

»Vom Himmel hoch …«

Feuilleton

Von Jens Jansen

Die Vor-Weihnachtszeit nannte der Klerus vor tausend Jahren »Advent«. So heißt im Lateinischen »die Ankunft«. Das galt »Gottes Sohn«, »dem Erlöser«, von dem die Propheten sagten, dass er »Friede auf Erden« bringen werde. Seither richten die Gläubigen ihre Blicke nach oben, wenn Kriege, Hungersnöte und Unrecht wüten. Doch geholfen hat das nicht. Im Gegenteil: Nie gab es mehr Gemetzel, Armut, Unrecht und Verzweiflung als jetzt. Früher gehörten zum Advent noch 40 Fastentage. Wer will das heute noch, wenn uns in den reichen Ländern monatelang Lebkuchen und Schokolade hinterhergeworfen werden? Mir scheint: Wo die Weihnacht zur Ware wurde, kann es die wahre Weihnacht nicht geben. 

Dabei haben die Bischöfe doch überall christliche Parteien, Minister und Missionare, Zeitungen und Sender zur Seite. Aber inzwischen musste auch Papst Franziskus feststellen, dass eine gierige Finanzoligarchie den Staatsdienern das Ruder aus der Hand nimmt, was diese Ordnung für zu viele Menschen tödlich macht. Nicht nur im Mittelmeer. An allen Ufern.
Früher konnten die Superreichen in Europa so tun, als würden sie sich weitgehend aus den Staatsgeschäften heraushalten. Die Bürger dürfen doch seit über hundert Jahren ihre Vertreter in die Parlamente wählen. Da werden die nötigen Gesetze und Steuern gemacht. Die Übermächtigen und ihre Geschäftsführer warnen nur, wenn die Rahmenbedingen nicht stimmen: »Dem Volk kann es nur gut gehen, wenn es den Konzernen gut geht!«

Doch zehn Jahre nach dem Zusammenbruch von hundert Banken sprang in den USA ein Immobilien-Mogul in das Weiße Haus. Der redet Tacheles und spuckt Feuer! Ringsum melden sich rabiate Nationalisten zu Wort. Und kaum wackelt in Deutschland der Thron der »stärksten Frau der Welt«, da springt eine »Heuschrecke« aus dem Sumpf der Vermögensberater vor das Portal des Kanzleramtes. Nun eifert Herr Merz mit viel Rückenwind um die Staatsmacht und gelobt: »Der Markt wird alles richten!« (Als hätte der Tanz um das Goldene Kalb nicht genug Unheil angerichtet!)

Die SPD bekommt Gänsehaut neben solchen Koalitions-Kandidaten. Sie versucht gerade, sich vom giftigen Hartz IV-Erbe abzunabeln. Die Grünen segeln im Aufwind über die deutschen Lande und hätten nichts dagegen, am Kabinettstisch zu landen. Die FDP findet unter den Besserverdienenden genügend Sponsoren, um sich erneut als Zünglein an der Waage anzubieten. Und die braunkarierte »Alternative für Deutschland« scheint in solchem Klima prächtig zu gedeihen. Sie gilt längst als »salonfähig«, aber noch ist sie »anrüchig«, wegen gewisser Altlasten. Doch – unter uns gefragt – was passt besser zum Streben der Globalplayer nach Alleinherrschaft auf allen Märkten als eine autoritäre Staatsmacht, wo »ein Volk, ein Reich und ein Führer« für Maximalprofite sorgen? Nie kam mehr Geld in die Tresore der Reichen als mit den Hitlers, Francos und Mussolinis. Nie ist aber auch mehr Blut geflossen in Europa!

Ach, wenn doch DIE LINKE mehr Einigkeit und Durchsetzungskraft hätte! Wir sind keine Spekulanten, sondern Anwalt der Betrogenen. Uns blendet kein Nationalismus, uns leitet der Internationalismus. Wir segnen keine Waffen, wir ringen um dauerhaften Frieden. Aber ohne andere Mehrheiten kommen wir doch zu keiner anderen Politik. Dabei sind wir die einzige Partei, die es ernst meint mit der Advent-Losung: »Friede auf Erden und allen gutwilligen Menschen ein Wohlgefallen!« Uns gefällt Heinrich Heines Bekenntnis: »Wir wollen hier auf Erden schon das Himmelreich errichten!«

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