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DISPUT

Schlag ins Gesicht

Streit unter Senioren endet mit Schlag ins Gesicht«, »Das ist ein Schlag ins Gesicht der Bürgerinitiativen«, »Polizist schlägt 14-Jähriger brutal ins Gesicht«, »Schlag ins Gesicht für alle Bürger«: Diese lose Auswahl aktueller Schlagzeilen scheint nicht nur zu belegen, dass die Gesellschaft immer weiter verroht, sondern mit ihr auch unsere Sprache. Die Floskel vom »Schlag ins Gesicht« findet sich längst im Inventar eines jeden Pressesprechers und Kommentators. Wobei sich beim aufmerksamen Medienbeobachter der Eindruck einstellt, dass die Schläge schon bei nichtigsten Anlässen ausgeteilt werden. Mal ist es die Fahrpreiserhöhung der örtlichen Nahverkehrsbetriebe, mal die Schließung einer Bäckerei-Filiale und selbst die Konzertabsage eines nur mäßig bekannten Sängers ist bereits ein »Schlag ins Gesicht seiner Fans«. Die Metapher wird so inflationär gebraucht, als müssten wir uns tagtäglich grün und blau geschlagen durch den öffentlichen Raum kämpfen.

Doch wo liegen die Ursprünge dieses sprachlichen Brutalität? Dafür müssen wir weit zurückgehen in die Zeit, in der man sich in deutschen Landen noch aus nichtigsten Anlässen duellierte. Wer ein solches Duell provozieren wollte, der musste seinem Kontrahenten mit einem Stoffhandschuh ins Gesicht schlagen. Dieser Fehdehandschuh, den man auch heute noch in vielen Pressetexten entweder aufnimmt oder hinwirft, war das Accessoire, das dabei zum Einsatz kam. Der »Schlag ins Gesicht mit dem Fehdehandschuh« oder besser noch die »schallende Ohrfeige mit dem Fehdehandschuh« wäre somit die schwerste aller möglichen Provokationen. Richtig gefährlich wird es aber, wenn Boxer den Fehdehandschuh werfen. So geschehen etwa im Jahre 2012, als der Boxer Vitali Klitschko dem amtierenden ukrainischen Staatspräsidenten Viktor Janukowitsch »den Fehdehandschuh hingeworfen« hatte.

Fabian Lambeck

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