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DISPUT

Im Abseits

Das kleine Blabla

Der Journalismus ist eine sportliche Sache. Nicht nur, dass Medien oft über Sportereignisse berichten. Nein, auch die Sportmetaphern gehören zum festen Vokabular der mehr oder weniger ehrbaren Zunft. Und da auch die Gegenseite, sprich die Politik, sich solcher Metaphern bedient, gibt es oft ein »heftiges Ringen« um Abgasnormen, Sparprogramme oder neue Friedensinitiativen. Da liefern sich Regierung und Opposition einen »heftigen Schlagabtausch« oder gar ein »Wettrennen um die Wählergunst«. Mit Blick auf die Brexit-Verhandlungen meint man bei der EU: »Der Ball liegt im britischen Spielfeld«. Doch immer, wenn ein Kompromiss in Sicht ist, »grätscht« ein Spielverderber dazwischen. Oftmals »blocken« interessierte Kreise gute Vorschläge einfach ab. In der Regel wird aber nicht regelkonform gespielt. So ist etwa das Lavieren der Bundesregierung in der Abgasaffäre »ein weiteres grobes Foul gegenüber den Autobesitzern und den Menschen«. Und wer ein grobes Foul spielt, wird entweder »vom Wähler verwarnt« oder muss sogar das Spielfeld verlassen. So titelte eine bekannte Tageszeitung vor wenigen Tagen: »Rote Karte für italienischen Haushaltsplan«. Nun darf man einen Platzverweis durch die EU-Kommission nicht all zu ernst nehmen, hält sich doch in der Finanzpolitik kaum jemand an das Regelwerk. So sind es die Finanzmärkte, die sich zum »Schiedsrichter für Rom« aufspielen.

All diese Beispiele zeigen, wie tief die Sportmetaphern in den Wortschatz von Journalisten und Pressesprechern eingedrungen sind. Sportmetaphern wirken dynamisch und sind, so meint man zumindest in Redaktionen und Pressestellen, leicht verständlich, weil bildhaft. Wer vom Volk verstanden werden will, der bedient sich einer Fußballmetapher. Wer nicht mitspielt, steht im Abseits. 

Fabian Lambeck

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