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DISPUT

»Der Bedarf ist groß«

Sophie Dieckmann vom Bereich Politische Bildung über die gestiegene Bedeutung von Seminaren und neue Herausforderungen

Sophie, Du wirst ab Januar den Bereich Politische Bildung leiten. Dein Bereich soll, so hat es der Parteivorstand beschlossen, »die Voraussetzungen schaffen, dass sich möglichst viele Mitglieder an der Weiterentwicklung unserer Alternativen beteiligen und qualifiziert in politische Debatten eingreifen können«. Klingt nach großer Verantwortung ...

Ja, aber wir sind hier im Bereich ein hoch motiviertes Team. Deshalb freue mich auf die neue Aufgabe. Ich glaube, dass wir als Partei gerade in einer Situation sind, in der es politische Bildung besonders braucht. Der Bedarf ist groß. Zum einen weil gerade die Europawahl ansteht und wir mit unseren Wahlkampf-Seminaren viele Landesverbände unterstützen. Zum anderen haben wir in den letzten Jahren unglaublich viele Neumitglieder gewonnen, von denen viele unter 30 sind. Diese jungen Leute erhoffen sich, dass wir ihnen Antworten auf die großen gesellschaftlichen Fragen liefern. Bei vielen der jüngeren Leute beobachten wird, dass linke Selbstverständlichkeiten keine Selbstverständlichkeiten mehr sind. Dass man etwa »Das Kapital« gelesen hat oder durch einen kritischen Professor an der Universität an linkes Denken herangeführt wurde.

Woran liegt das?

Vor allem daran, dass eine Generation von kritischen Wissenschaftler­inn­en und Wissenschaftlern, die mit und nach 1968 an die Hochschulen gelangt ist, in Rente gegangen oder bereits verstorben ist. Zudem haben die Bologna-Reformen die Lehrpläne extrem verdichtet. Da bleibt kaum noch Zeit für selbstorganisierte Marx-Seminare oder die Beteiligung an Studentenstreiks. Außerdem kommen viele Menschen in die Partei, die kein Studium absolviert oder keine Zeit fürs Selbststudium haben. Auch hier gibt es Bedarf an Seminaren – etwa über die Geschichte der Arbeiterbewegung oder marxisitische Theoretikern.

Das heißt, wer eines Eurer Seminare besucht, muss vor allen Dingen büffeln?

Es geht uns nicht nur um reine Wissensvermittlung. Es geht auch darum, wie wir eine Parteikultur schaffen können, in der wir aufeinander zugehen und Verständnis für die Positionen der anderen entwickeln. Gerade in so einer pluralen Partei wie der LINKEN ist die Bildungsarbeit ein Ort, an dem eine gewisse Parteikultur von Solidarität und Akzeptanz anderer Standpunkte gelernt werden kann.

Das sind ja dann offenbar sehr harmonische Veranstaltungen ...

Es wird schon auch energisch diskutiert. Aber bei uns wird tatsächlich in solidarischer Atmosphäre über die Sache gestritten. Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer fahren danach mit einem guten Gefühl nach Hause. Ein Seminar kann so auch die Atmosphäre im Kreisverband verbessern.

Wo kann ich mich als Parteimitglied über Eure Angebote informieren?

Auf unserer Webseite findet man viele Informationen – etwa zu unserer Frühlingsakademie, vom 30. Mai bis zum 2. Juni im EJB am Werbellinsee. Das Thema diesmal: »Krasse Zeiten – Wie linke Mehrheiten organisieren?«. Gedacht für alle, die sich die Verhältnisse nicht bieten lassen wollen. Wir wollen vier Tage lang miteinander diskutieren, lernen, analysieren – und wenn die Köpfe rauchen, eine Runde in den Werbellinsee springen.

Können sich die Genossinnen und Genossen auch direkt an Euren Bereich in der Bundesgeschäftsstelle wenden?

Ja, wir haben immer ein offenes Ohr für euch und kommen sehr gerne, wenn ihr uns ruft. Allerdings können wir nicht garantieren, dass das immer sofort geschieht. Schließlich hat DIE LINKE 350 Kreisverbände und wir sind hier im Bereich nur zu viert. Jeder Kreisverband sollte zudem einen Bildungsverantwortlichen haben. Auf alle Fälle gibt es diese aber bei den Landesverbänden und die sind da eure Ansprechpartner.

Klingt so, als bist Du oft unterwegs?

Ja, wir sind als Bereich ständig unterwegs. Die Wochenenden sind unsere Hauptarbeitszeit. Denn die meisten Genossinnen und Genossen in den Kreisverbänden haben natürlich nur am Wochenende Zeit. Einen positiven Nebeneffekt hat die viele Reiserei aber auf jeden Fall: Die Parteibasis lernt man so wirklich ganz toll kennen.

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