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DISPUT

Befreiung aus der Opferrolle

Von Katharina Kirchhoff

Die Abschlussveranstaltung des »Feministischen Labors« steht unter dem Motto »Die Zukunft gehört uns«. Ein sehr beruhigender Gedanke in Zeiten, in denen die Trumps und Erdogans dieser Welt mit ihrer anti-sozialen Macho-Politik scheinbar immer salonfähiger werden. Der rechts-konservative Rollback auf allen Ebenen richtet sich auch gegen die Errungenschaften der Frauenrechtsbewegung. Doch es liegt an uns mitzuentscheiden, wohin die Reise gehen wird. Auch vor 100 Jahren wurde den Frauen das Wahlrecht nicht geschenkt. Nein, sie haben es sich erkämpfen müssen. Auch in den kommenden Auseinandersetzungen werden wir Frauen eine zentrale Rolle spielen. Weltweit gehen Feministinnen auf die Straße und fordern ihre Rechte ein.

Marta Dillon ist argentinische Journalistin und Mitbegründerin des Bündnisses »Ni una menos« (Nicht eine Frau weniger). Sie erzählt, wie Morde an Frauen in Argentinien lange nicht als frauenfeindliche Taten (Femizide) anerkannt wurden. Schlimmer noch: Sie wurden als »Leidenschaftsmorde« verhältnismäßig milde bestraft. Als Gegenprotest formte sich mit »Ni una menos« eine starke Bewegung, die bald auch weitere feministische Forderungen aufgriff. Für Dillon ist der weibliche Körper ein Territorium, das sich gegen das Patriarchat und den Neoliberalismus verteidigen muss. Der Protest wird ständig stärker und für Dillon ist vor allem eines wichtig: »Die Frauen befreien sich dadurch aus ihrer Opferrolle.«

Besime Konca, kurdische HDP-Politikerin aus der Türkei, wurde von der Regierung Erdogan das Parlamentsmandat entzogen. Sie lebt jetzt in Deutschland. Konca ist überzeugt, dass der kollektive feministische Protest der Schlüssel des Widerstands ist: »Die kapitalistische Welt führt immer mehr zu einer Individualisierung – auch im Widerstandskampf. Aber wir glauben, dass der kollektive Weg der Richtige ist. Am Ende will das Patriarchat entscheiden, wie viele Rechte uns zugestanden werden. Es ist deshalb äußerst wichtig, internationalistisch und solidarisch gegen das Patriarchat zu kämpfen.«

Sozial und feministisch

Die Frauen machen deutlich, dass Kapitalismus und Unterdrückung Hand in Hand gehen. Margarita Tsomou, Journalistin und Mitherausgeberin des »Missy Magazins«, bringt es auf den Punkt: »Feministische Kämpfe sind keine individuellen Kämpfe, es sind strukturelle Kämpfe. Das Herz der feministischen Frage ist antikapitalistisch.« Sie sagt, die Arbeiterklasse sei heute eine Arbeiterinnenklasse. Global gesehen seien es heute mehrheitlich Frauen, die heute in prekären Be-schäftigungsverhältnissen tätig seien. Dennoch werde Feminismus als Identitätsfrage abgetan – irgendwo jenseits der wichtigen sozialen Frage. Die soziale Frage sei aber durch und durch eine Frauenfrage. Tsomou ist überzeugt: »Die soziale Frage steckt in jeder von uns drin!«

Bettina Gutperl, Geschäftsführerin des SDS und Mitglied im Vorstand der Partei DIE LINKE, ist überzeugt, dass wir viel von den internationalen feministischen Bewegungen lernen können. Sie bedauert zum Beispiel, dass der politische Aspekt des Weltfrauentages am 8. März verloren gegangen sei. Das will sie ändern. Zusammen mit dem Bündnis »Frauen*streik« setzt sie sich dafür ein, dass der Tag repolitisiert wird: »In Spanien, Polen und Argentinien haben es die Frauen vorgemacht –sie streiken am Weltfrauentag. Nicht nur für bessere Arbeitsbedingungen, sondern auch gegen die vielen Ungerechtigkeiten eines kapitalistischen und patriarchalen Systems. Wir können von diesen Frauen viel lernen. Am 8. März 2019 schließen wir uns deshalb dieser Bewegung an!«

Wie nehmen wir uns also die Zukunft, die uns zusteht? Indem wir zusammenstehen: Solidarisch, international, antikapitalistisch und laut! Oder wie eine der bekanntesten Feministinnen schon sagte: »Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt!«

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