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DISPUT

Zahnloser Tiger

Das kleine Blabla

Von Daniel Bartsch

Schön, so ein Frühstück im Zoo – naja, nicht ganz Zoo, aber es riecht immerhin wie im Raubtierkäfi g. Argwöhnisch wird die Futterration des Nachbarn beäugt, kurz mit der Tatze nach dem größten Brötchen gelangt und gefaucht, wenn der Kaffee alle ist. Im Radio die Nachrichten und ich höre: »…ist ein zahnloser Tiger!« Großkatze mit Schnabeltasse – eine amüsante Vorstellung, bestimmt.

 Der »zahnlose Tiger« ist eine eigentlich schöne Variante von »große Klappe, nichts dahinter«, will also sagen: Hier kommt jemand, der machtvoll auftritt, mit breiten Schultern, letztlich aber machtlos ist und ein schmales Hemd. Oder aber es ist etwas gemeint, das als dolles Ding daherkommt, letztlich aber kaum Bedeutung besitzt.

 Durch die Brille der Objektivität gesehen, würde sich der Ti(g)ervergleich im Prinzip wunderbar dazu eignen, beispielsweise, Vorschläge sachlich und argumentativ auseinanderzunehmen – und dann humorig mit dem Resümee zu schließen: »ist also ein zahnloser Tiger!« Diese Brille hat man in der Regel aber verlegt.

Was bleibt ist, dass man sich darauf verlegt, den zahnlosen Tiger ins Feld zu führen, um den Gegner, den, der anders denkt und anderes will, madig zu machen. Ihn als kraftlos, altersschwach und als blassen Schatten einstiger Größe hinzustellen – eben als Großmaul ohne Chance… und Biss. Auch auf der Farm der Tiere kein feiner Zug.

 In der Welt von heute ist es schwer, einen echten Tiger zu Gesicht zu bekommen – selbst die mit Zähnen gibt es kaum noch. Aber in Sprachbildern wird der Tiger wohl noch ewig überdauern und ist allgegenwärtig: Tiger sind im Tank, landen als Bettvorleger oder sind schlimmstenfalls aus Papier… Und man sollte nicht vergessen: Ihre Leibspeise sind größere Huftiere, also Ochsen, Schafe und Esel auch.

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