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Katja Kipping

Wehret den Anfängen!

»Hat hier jemand mal eine Zigarette für mich?«, ruft Peter Fischer den vorbeilaufenden Passanten zu. Natürlich findet sich sofort eine Gruppe, die ihrem Präsidenten welche herüberreicht. Ende September traf ich mich in Frankfurt am Main mit Peter Fischer vom Bundesligaverein Eintracht Frankfurt. Anlass für dieses Treffen war weniger meine Begeisterung für Fußball, als seine klare Positionierung gegen rechts. Fischer hatte sich dafür eingesetzt, dass alle Aussagen zu Antirassismus und gegen Diskriminierung in der Vereinssatzung von Eintracht ernst genommen werden und folgerichtig gesagt: »Prüft Euch, wenn ihr bei uns Mitglied seid.« Wer diese Satzung und ihre Ziele ernst nimmt, kann nicht für Rassismus oder für die AfD sein.

Die Rechten reagierten mit Beschimpfungen und Klagen bis hin zu Morddrohungen. Sein Verein hingegen stärkte ihm den Rücken und wählte ihn mit 99 Prozent erneut zum Vereinspräsidenten. (Und als ob es einen antifaschistischen Fußball-Gott gebe, gewann sein Team sogar den Pokal.) Seine klare Positionierung hat viele ermutigt und brachte Eintracht Frankfurt viele neue Mitglieder. Darunter auch Fans anderer Fußballclub, die teilweise auf die Eintrittserklärungen schrieben: »Getrennt in der Farbe, aber vereint im Ziel gegen Rassismus«.

Wir trafen uns auf dem Römer in Frankfurt. Dort im Herzen seiner Stadt sprach ihn gefühlt jeder zweite Passant an. »Und gewinnen wir an diesem Wochenende? Wie geht es der Mannschaft? Schön Dich zu sehen, Peter.« Er erzählt von Beschimpfungen der Rechten. Davon, wie ihn die Zurückhaltung der anderen Clubs ärgert. Inzwischen wird er häufig zu Veranstaltungen eingeladen. So manches Mal musste er sich an Wochenenden schon entscheiden: zur Demo oder ins Stadion. All die Anfragen und der Zuspruch – das gilt halt meinem Amt – meint er: »Ich bilde mir darauf nichts ein, aber ich nutze es, um das zu sagen, was mir wichtig ist«. Er redet leidenschaftlich und mit derben Worten. Da wird nichts verklausuliert und auch mal mit der Faust auf den Tisch gehauen. Da ist einer durch und durch Frankfurter und Fußball-Mensch.

In linken Feuilleton-Debatten wird ja manchmal der Eindruck erweckt, antirassistisches Engagement – das sei eher was für »Jetsetter« oder für Studierte oder fürs »akademische Milieu«, nicht so sehr fürs proletarische Milieu. Wer das glaubt, dem sei empfohlen, sich mit Peter Fischer auf ein Getränk und eine Kippe in Frankfurt zu treffen. Antifaschismus geht nun mal alle an. Um es mit seinen Worten zu sagen: »1930 haben 18 Prozent NSDAP gewählt. Sie haben nicht gewählt, dass sechs Millionen Juden vergast und Kinder in Euthanasieverfahren umgebracht werden. Aber sie haben mit ihrer Wahl den Weg dafür bereitet«. Deshalb gilt: Wehret den Anfängen! 

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