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DISPUT

Über Knöpfe und Köpfe

Von Jens Jansen

Wie uns die Medien einbläuen, kommt alles Unheil dieser Erde aus Moskau oder aus Peking. Oder vom durchgedrehten Kim Jong Un in Nordkorea. Die drei sind Nachbarn und Bösewichte, obwohl sie das gerne bemänteln: Putin schickt ein Ballett nach Berlin. Nordkorea führt mit Südkorea Gespräche. Peking liefert Scherzkekse mit Geboten des Konfuzius: »Menschenliebe, Anstand, Bedachtsamkeit.«

Das hat aber den besonders unbedachten Bösewicht in Washington so böse gemacht, dass er als Neujahrsgruß gen Osten twitterte: »Mein Atomknopf ist viel größer und mächtiger als der von Jong Un, und meiner funktioniert!« Das twitterte Trump am 2. Januar, weil Kim Jong Un in seiner Neujahrsrede sagte, dass sein Atomknopf immer auf seinem Tisch läge. Nun würde kein Tierfreund glauben, dass ein Dackel einen Elefanten frisst, aber Mr. Trump braucht zur Begründung seines verdoppelten Rüstungsetats immer neue »Beweise «, dass die Welt in Fernost voller Kampfhunde ist, die am liebsten Amerikaner fressen. Nur so scheint begründet, dass er seine dortigen Stützpunkte und Manöver verstärkt. Dass er von Peking verlangt, in Nordkorea die Heizungen abzudrehen. Obwohl er selber schreibt, dass das Regime in Nordkorea »ausgelaugt und ausgehungert« ist. Worauf der Zwerg in Pjöngiang dann seinen Landsleuten versichern muss: Wir haben nicht nur Flitzbogen. Uns kriegen sie nicht!

Doch wie kommt es, dass wir zu diesen »Knopfspielen« nur noch die Köpfe schütteln, statt aufzuschreien? Europa liegt doch in der Mitte zwischen den beiden Psychopaten! Und was sind die »Polen-Kracher« gegen die »Donald- Kracher«? Wie die BILD-Zeitung vorrechnete, existieren insgesamt 14.935 Kernwaffen auf der Welt. Davon 6.800 in den USA, 515 in Frankreich und Großbritannien, weitere 340 in Indien, Pakistan und Israel. Nordkorea hat etwa zwei Dutzend. Das sind 24 zu viel! Aber die UNO-Botschafterin der USA sagte cool: »Wir glauben nicht, dass wir ein Heftpflaster brauchen …« Richtig, denn wo der US-Präsident geht und steht, hat er einen schweren Lederkoffer an der Seite. Darin steckt ein abhörsicheres Telefon, ein Buch mit allen denkbaren Einsatzbefehlen für die Streitkräfte, eine Standortliste der Atombunker und die »Go Codes«, mit denen sich der Präsident als alleinige Autorität ausweisen kann.

Nun suchen Sie mal 6.800 Ziele auf diesem zerbrechlichen Globus, ohne suizidgefährdet zu werden! Die Bomben von Hiroshima und Nagasaki nennt man heute »Baby-Bomben«, weil ihre Zerstörungskraft ein Zehntel war. Wir brauchen neue Höchstgrenzen gegen den Krieg der Worte und Waffen. Die Böller helfen nicht gegen böse Geister. Aber sie kosten uns alljährlich etwa 130 Millionen Euro. Mit dem Geld könnte man auch Nahrungsmittel über die Notstandsgebiete in Afrika ausschütten. Dann müssten nicht Millionen vor Hunger, Krieg und Aussichtslosigkeit flüchten. Doch »Brot statt Böller« – das bleibt ein frommer Wunsch in jenen Ländern, in denen die Leute so satt sind, dass die Ärzte vor Übergewicht warnen müssen. Außerdem liegt ja dazwischen das Mittelmeer mit den Aufgreifern der Bundesmarine. Dazu die Stacheldrahtzäune der Balkanstaaten, die Sammellager in der Türkei und die Barrikaden der Nationalisten und Rassisten in Österreich, Polen, Frankreich und Holland. Und wenn trotzdem einige Hundert Farbige hier anklopfen, rennen sie sich an Seehofers Höchstgrenze den Kopf ein.

Die politischen Geschäftsführer unseres Landes sagen: Deutschland ist gut aufgestellt! Man müsse nur prüfen, ob der Bundestag mit über 700 Sitzen nicht doch zu breit aufgestellt ist und ob die über 800 Hausausweise für die Lobbyisten der Konzerne nicht auch eine Höchstgrenze verlangen. Richtig! Sonst ahnt der Bürger, wer Deutschland – trotz aller Böller – immer wieder in die Scheiße treibt!

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