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DISPUT

Trübe Aussichten mit JAMAIKA

Feuilleton

Von Jens Jansen

Ein Fabeldichter fand ein fabelhaftes Gleichnis: »Ein Schwan, ein Krebs und auch ein Hecht / spazierten einmal recht und schlecht / und doch gemeinsam übers Land. Am Wege eine Karre stand. Weil man sie schön und nützlich fand / hat man sich gleich davor gespannt. Man wollte sie vom Platze ziehen / indes, umsonst war das Bemühen. Der Schwan tat seine Flügel breiten, der Krebs war für das Rückwärtsschreiten. Dem Hecht lag anderes im Sinn: Ihn zog es zu dem Wasser hin. Weil nichts im Einklang hier geschah / steht heute noch die Karre da.«

 

Ich schwanke nun zwischen Urheberrecht und Quellenschutz. Der Dichter hieß nämlich Iwan Andrejewitsch Krylow. Das könnte hierzulande als Beweis für die Einmischung der Russen in die Wahlkämpfe fremder Länder gelten. Drum weise ich darauf hin, dass dieser Krylow bereits 1844 in Petersburg verstarb. Er kann daher keinerlei Kontakte mit Putin gehabt haben. Er streifte viel durch die Natur und niemals durch den Korridor des Geheimdienstes oder gar der Cyber-Piraten.

Umgekehrt hätte ich sogar Verständnis dafür, wenn sich ein russischer Dichter für die Konstituierung des neuen Parlamentes in Deutschland interessiert. Vor 70 Jahren hatte die Rote Armee ihre Fahne bis auf das Dach des Reichstages zu tragen, was nach dem Überfall der Naziwehrmacht 27 Millionen Sowjetbürgern das Leben kostete. Da kann es Moskau nicht egal sein, dass im Herbst 2017 wieder eine Hundertschaft von Braunkarierten mit den alten Parolen in das Reichstagsgebäude eingezogen ist. Zeitgleich postierten sich auch Einheiten der Bundeswehr im NATO-Auftrag an der russischen Grenze im Baltikum. Nur gut, dass sich der neue Bundespräsident Steinmeier die Zeit nahm, auf ein Glas Tee nach Moskau zu fliegen – was sein Vorgänger Gauck in fünf Jahren Amtszeit nicht geschafft hatte.

»Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht «, schrieb Heinrich Heine 1843. Als hätte er geahnt, was noch auf uns zukommt. Und dennoch wäre er entsetzt über die verlorenen Revolutionen von 1848, 1919 und 1990 und die zwei grausamen Weltkriege. Was macht so viele Deutsche so dumm und rabiat? Jeder Größenwahn ließ unser Land kleiner werden. Brauchen wir immer jemanden, auf dem wir rumtrampeln können? Welchen Kurs wird die nächste deutsche Regierung einschlagen? Darüber pokert man nun am Tisch von Jamaika.

Da umzingeln nun drei deutsche Eichen – CSU + CDU + FDP – eine grüne Birke.

Wenn der Schwanz mit dem Hund wackeln könnte, ließe sich wohl manches verändern. Aber da die Liberalen nicht an dem Ast sägen werden, auf dem sie sitzen, und die Grünen auch olivgrün ganz kleidsam finden, werden sie kaum verlangen, den erhöhten Wehretat zugunsten der verarmten Kinder, Schulen und Gemeinden zu kürzen. Es genügt, wenn Horst Seehofer den Gauland nicht rechts überholt. Wenn Angela Merkel mit Frankreich den richtigen Kitt für die bröckelnde EU findet. Und wenn Christian Lindner nicht die ganze Profi t- Torte am Tisch der Superreichen verteilt. Der Hauptauftrag dieser Pokerrunde ist und bleibt, Sozis und Linke auf Distanz zu halten. Da nun als Opposition mit SPD + AfD + LINKE drei Akteure im Parlament sitzen, die auch nicht einmütiger sind als Krylows Troika mit Schwan + Hecht + Krebs und gar dazu neigen, sich selber zu zerfleischen, sind die Hoffnungen, den deutschen Karren aus dem Dreck zu ziehen, ziemlich trübe.

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