Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz
Zum Hauptinhalt springen

DISPUT

Triumph an der Treene

Von Harald W. Jürgensonn

Knapp 500 Menschen leben in Schwabstedt, dem Dörfchen an der Treene. Zwölf Meter über Normalnull, zwölf Kilometer sind es bis Husum, sechs bis Friedrichstadt. Und seit Sonntag, 6. Mai, dem Tag der Kommunalwahlen in Schleswig-Holstein, prägt noch eine Zahl den kleinen Luftkurort: 19,2. Diese Prozentzahl erreichte DIE LINKE aus dem Stand, ihre zwei Vertreter im Gemeinderat kamen auf 22,8 und 22 Prozent. 3,9 Prozent waren es für die Partei landesweit, 1,4 mehr als noch vor fünf Jahren.

Schon bei der Landtagswahl ein Jahr zuvor hatte DIE LINKE 26.000 Stimmen dazugewonnen, das waren 1,5 Prozent mehr als 2012. Dieses Ergebnis, obwohl es nicht für den Einzug in den Landtag reichte, sowie der Erfolg, seit 2017 wieder zwei Abgeordnete für Schleswig-Holstein im Bundestag zu haben, machte Mut. Nahezu flächendeckend trat DIE LINKE an, 600 Kandidatinnen und Kandidaten machten sie sichtbar. Die gesetzten Themen betreffen die meisten Menschen im Land: günstiger Wohnraum, effektiver öffentlicher Personennahverkehr, gute Löhne und bessere soziale Absicherung, mehr Personal für Gesundheit und Pflege. Argumente, die diesmal nicht nur in den Städten, sondern auch in der Fläche überzeugten.

Lorenz Gösta Beutin, Bundestagsabgeordneter und Landessprecher der LINKEN: »Der für uns positive Trend setzt sich nach Landtags- und Bundestagswahl fort: Wir arbeiten erfolgreich an der Verankerung in Städten und auf dem Land, wir werden jünger, wir gewinnen neue Mitglieder. « 1.276 Genossinnen und Genossen hatte der nördlichste Landesverband der LINKEN im ersten Quartal 2018, Tendenz steigend.

Das mag auch der Grund sein, dass in einigen Orten aus dem Stand bis zu drei Mandate pro Parlament errungen wurden. »Ahrensburg, Elmshorn, Plön, Heide, Itzehoe, Meldorf«, zählt Conni Möhring auf, »wo DIE LINKE aktiv ist und auch Personen bekannt sind oder bekannt werden, erreichen wir auch im ländlichen Raum kommunale Mandate. Präsenz zahlt sich aus«, sagt die Bundestagsabgeordnete. Sie sieht in den über 70 Mandaten im Land auch eine neue Herausforderung für die beiden MdBs: »90 Prozent der Bundestagsentscheidungen betreffen die Kommunen. Hier müssen wir intensiv mit den Kreis-, Stadt- und Gemeinderäten zusammenarbeiten und uns gegenseitig unterstützen.«

Der Aufwind ist spürbar nach dem Stimmenabsturz 2013. Von 6,9 Prozent im Jahr 2008 auf 2,5 Prozent war DIE LINKE bei den vorigen Kommunalwahlen gefallen. Nichts deutete damals darauf hin, dass es diesmal in Flensburg und Kiel wieder über sieben Prozent geben würde, doppelt so viele wie bisher. Kaum jemand dachte an neue Fraktionen, allenfalls an Einzelmandate. Aber alle arbeiteten daran. Anderthalb Jahre Dauerwahlkampf, auf Bundes-, Landes- und jetzt auch regionaler Ebene - das bedeutete anderthalb Jahre Infostände bei Wind und Wetter, Steckaktionen, Diskussionen. Und wenig Freizeit. Der Erfolg in absoluten Zahlen: Von 26.870 Stimmen vor fünf Jahren steigerte sich die Partei jetzt auf 42.584 Stimmen. Beachtlich, aber immer noch zu wenig bei rund 2,4 Millionen Wahlberechtigten. 47,1 Prozent Wahlbeteiligung sind bitter wenig - und schaden kleineren Parteien.

Für die Landessprecherin der LINKEN Marianne Kolter zeigt das Landesergebnis, »dass DIE LINKE Schleswig-Holstein als eine kontinuierlich arbeitende Partei vor Ort wahrgenommen wird«. Lorenz Gösta Beutin zieht daraus Schlüsse für die Zukunft: »Es wird darauf ankommen, den Schwung jetzt mitzunehmen, die Strukturen zu stärken, die neuen Mandatsträgerinnen und -träger einzubinden und unser Profil zu schärfen.« Dann korrigiert sich vielleicht auch die Wahlbeteiligung und damit noch einmal das Ergebnis der LINKEN nach oben. Schwabstedt hat Maßstäbe gesetzt.

Zurück zur Übersicht