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DISPUT

Spitze des Eisbergs

Das kleine Blabla

Von Daniel Bartsch

War ja kein Sommer dies Jahr – und wenn, dann war es an einem Mittwochnachmittag. Erschöpft vom passiven Teilhaben am nervenzerfetzenden Kampf um die Kanzlerinnen- Krone liege ich im Pelzmantel auf der Sonnenliege, neben mir das Radio, die Nachrichten laufen und ich höre: »… ist nur die Spitze des Eisberges!« Angesichts des Lebensmittelskandals, den alle schon wieder vergessen haben, wäre Eiberg – analog zu »Butterberg«, aber wer kennt das noch – auch schön. Aber schale (ha, ha – Ei, Schale … verstanden?) Scherze beiseite.

Oh je – spätestens seit dem 14. April 1912 weiß man, dass bei Eisbergen nur der kleinste Teil über die Wasseroberfl äche ragt. Der gigantische Rest verbirgt sich unsichtbar unter der Wasserlinie und sorgt dafür, dass 85 Jahre später Filme mit Leonardo DiCaprio und Kate Winslet erscheinen. Wer also »Eisberg« sagt, meint damit, dass von einem Vorgang bisher nur der kleinste Teil bekannt ist.

Und an dieser Stelle setzt der missbräuchliche Umgang mit dem armen Eisberg ein: Er wird viel zu oft nur dazu benutzt, Themen, Vorgänge und –fälle über die Maßen zu dramatisieren und zu skandalisieren. In der schnellen modernen Medienwelt reicht meist die Erwähnung der »Spitze des Eisberges« aus – untersetzt werden muss nichts, erklärt auch nicht, nachgeschoben wird in der Regel nicht. Alles fröstelt und malt sich den Rest selbst aus. Schönen Dank auch Kate und Leonardo.

Weil die beiden dereinst im kalten Atlantik lagen, und wir alle im Kino … (weinten, lachten, schluchzten, zitterten – Zutreffendes bitte einsetzen!), also hochemotional waren, lässt sich mit dem Eisberg so schön Schindluder treiben. Aber wenn der globale Dauer- Sommer kommt, muss man sich eh etwas Neues einfallen lassen. So!

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