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DISPUT

Sommeruni in Budapest

Austausch mit Genossinnen und Genossen aus anderen Ländern und Exkursionen an Orte, die Ungarns Premier Orban nicht gefallen

Von Johannes Buchner

Gut 200 Genossinnen und Genossen aus 25 Ländern trafen sich vom 20. bis zum 23. Juli 2017 im ungarischen Budapest zur Sommeruniversität der Europäischen Linken (EL). Die Sommeruniversität der EL fand in diesem Jahr bereits zum zwölften Mal statt.

Die EL ist die Vereinigung sozialistischer, kommunistischer, rot-grüner und anderer demokratischer linker Parteien aus den Mitgliedstaaten der Europäischen Union und deren Partnerstaaten. Jede Genossin und jeder Genosse der LINKEN in Deutschland ist automatisch auch Mitglied der europäischen Vereinigung. Präsident der EL ist seit dem Kongress der Partei im Dezember in Berlin Gregor Gysi.

Bei der diesjährigen Sommeruniversität in Budapest war DIE LINKE mit knapp 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern vertreten. Über die Mitgliedparteien hinaus waren dort auch Genossinnen und Genossen aus anderen Ländern präsent. Das Spektrum der vertretenen Länder reichte von Albanien und Lettland über Moldawien und die Tschechische Republik bis hin zur Türkei und Zypern.

Exkursionen

Es gab eine große Anzahl an Diskussionsrunden und Plenarveranstaltungen, etwa das Panel zu »Europa und Globalisierung«. Daran teil nahm auch der ehemalige Vorsitzende der Linksfraktion und Ehrenmitglied des Europaparlamentes Francis Wurtz von der französischen Kommunistischen Partei. Diskutiert wurde auch über »Verschiedene Wege für die Linke in Europa«, unter anderem mit der Arbeitsministerin Griechenlands, Eftychia Achtsioglou von SYRIZA. Das Programm kann auf der Homepage der Europäischen Linken heruntergeladen werden (www.european-left.org).

Höhepunkte des Programms waren die politischen Exkursionen: Dazu gehörte der Besuch des Holocaust-Museums, das vor knapp 15 Jahren als eines der ersten Museen zu diesem Themenkreis in Osteuropa eröffnet wurde. Die momentane Regierung in Ungarn unter Ministerpräsident Viktor Orbán schränkt systematisch die Meinungsfreiheit ein. Auf dem Feld der Geschichts- und Erinnerungspolitik ist dieser Einfluss ebenfalls zu bemerken. In dem Museum wird die Rolle der ungarischen Bevölkerung zur Zeit des Holocaust kritisch beleuchtet. Von Seiten der Orban-Regierung gab es den Versuch, die Ausstellung zu verändern, um eine positivere Darstellung der ungarischen Geschichte zu erreichen. Bei der Auseinandersetzung ging es vor allem um die Bewertung der Beteiligung des ungarischen Horthy-Regimes (1920–1944) an der massenhaften Ermordung ungarischer Staatsbürger jüdischen Glaubens.

Am nächsten Tag boten die ungarischen Genossinnen und Genossen uns die Gelegenheit, das Archiv Georg Lukács zu besuchen. Er gilt als ein bedeutender Erneuerer der marxistischen Philosophie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er hat den Großteil seines Lebens (1885-1971) in seiner Geburtsstadt Budapest verbracht. In seiner originalgetreu erhaltenen Wohnung kann sowohl sein Arbeitszimmer besichtigt als auch seine Bibliothek für Studienzwecke genutzt werden.

Solidarität und Spaß

Durch die oben beschriebene politische Situation in Ungarn bekam auch das Archiv Probleme und der Fortbestand war gefährdet. Durch den Aufbau von politischem Druck, auch von Gregor Gysi in seiner Funktion als Präsident der EL, konnte erreicht werden, dass das Archiv in seiner jetzigen Form bestehen bleibt. Der Mietvertrag für die Wohnung wurde entgegen der ursprünglichen Pläne verlängert. So ist sichergestellt, dass das Archiv zumindest in den nächsten Jahren an dem historisch authentischen Standort erhalten bleiben kann.

Insgesamt wurde in der deutschen Delegation übereinstimmend festgestellt: Die EL-Sommeruniversität ist eine tolle Gelegenheit zum Austausch mit Genossinnen und Genossen aus anderen Ländern. Das gemeinsame Singen von Liedern aus dem reichhaltigen Fundus der europäischen ArbeiterInnenbewegung stellt sicher ein Highlight dar, besonders wenn dies während einer Bootsfahrt auf der Donau durch Budapest geschieht.

Das Ziel muss für die Zukunft noch stärker sein, trotz der Sprachbarrieren und der Unterschiede in Alter und Herkunft partizipative Diskussionen und Workshops im politischen Programm zu ermöglichen. Daran werden wir gemeinsam weiter arbeiten. Wer Lust bekommen hat, im nächsten Jahr selbst bei einer Sommeruni dabei zu sein, sollte im Frühjahr nach der Ausschreibung der Teilnahme im Newsletter und auf der Homepage der Partei Ausschau halten.

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