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DISPUT

Social Media wirkt

Thomas Lohmeier, Leiter der Öffentlichkeitsabteilung der LINKEN, über Facebook und Co. im Wahlkampf

Im Wahlkampf wurde viel über Social-Media gesprochen. Wer der Wahlkampf dort wirklich entscheidend, wie manche Medien schreiben?

Unser Wahlkampf findet dort statt, wo wir Wählerinnen und Wähler erreichen können. Da sie auch beiFacecebook, Twitter, Instagram oder Youtube sind, sind wir auch dort. Insofern war der Wahlkampf in den sozialen Medien nicht entscheidend. Aber er wird dort immer wichtiger.

Aber droht denn nicht die Gefahr, in der eigenen Filterblase zu verbleiben?

Wir sind uns bewusst, dass wir in den sozialen Medien in erster Linie mit der eigenen Community kommunizieren. In den letzten vier Wochen vor der Wahl erzielten wir auf Facebook eine Reichweite von über sieben Millionen. Das heißt, dass unsere Beiträge in so vielen Facebook- Profilen angezeigt wurden. Wir haben die eigene Filterblase im Wahlkampf also verlassen. Aber davon abgesehen ist es auch im Wahlkampf wichtig, im stetigen Austausch mit den eigenen Mitgliedern, Wählenden und Unterstützenden zu sein. Sie sind wichtige Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Deshalb war es uns wichtig, viele Argumente dafür zu liefern, uns zu wählen. Sowohl in den Posts und Tweets als auch in den Kommentaren.

Zeichnest du nicht ein zu optimistisches Bild von den sozialen Medien? Es gibt doch auch gezielte Flaschinformationen.

Also, Fake-News hat es schon immer gegeben. Und die bekannteste Fake- News, die sogar einen Krieg nach sich zog, war die Präsentation des US-Amerikanischen Außenministers Colin Powell vor dem UN-Sicherheitsrat über Chemische Waffen im Irak. Bei aller Kritik am Wahnsinn und an Verschwörungstheorien, die in den sozialen Medien täglich gepostet werden, sollten wir nicht vergessen: Lobbyismus und der Einfluss der Großkonzerne und finanzstarken Wirtschaftsverbände ist eine deutlich größere Gefahr für Demokratie als Filterblasen und Fake-News.

Aber die Wahl Donald Trumps und der Aufstieg der AfD hängen doch auch mit deren erfolgreicher Strategie in den sozialen Medien zusammen.

Mit Rassismus kann man in den sozialen Netzwerken hohe Reichweiten erzielen. Das gilt für die AfD wie für die CSU. Aber für das Erstarken der AfD bei der Bundestagswahl halte ich die Themenwahl bei den Fernsehsendungen zur Wahl für ausschlaggebender, insbesondere beim sogenannten TV-Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz.

Hat sich denn die Social-Media- Arbeit am Ende gelohnt?

Ja, das hat sie. Wir waren mit zehntausenden Menschen im direkten Kontakt. Viele, die früher Briefe geschrieben hätten, schreiben uns jetzt auf Facebook. Unsere Posts erreichten teilweise Reichweiten von bis zu zwei Millionen Menschen und mehrere Tausend Likes oder Shares, also Teilungen. Aber letztlich weiß man natürlich nie, welche Kommunikationsmaßnahme den letzten Anstoß für die Stimmabgabe gibt. Die Forschung trifft ja bis heute keine klare Aussage darüber, ob Plakate eine Wirkung auf die Wahlentscheidung haben (lacht). Mein Lieblingspost »Wahlprogramm auspacken« führte immerhin dazu, dass wir innerhalb weniger Stunden weit über hundert Wahlprogramm- Bestellungen erhielten. Als nach dem Wahlwochenende rund 500 Menschen in die Partei eintraten, legten wir am Montag mit einem Post auf Facebook nach. Ergebnis: 580 Eintritte am Dienstag nach der Wahl. Das ist der Tag mit den meisten Eintritten in der Geschichte der Partei. Das zeigt: Soziale Medien haben eine Wirkung.

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