Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz
Skip to main content

DISPUT

Schwer finanzierbar

Die Mieten in den Unistädten steigen, aber das BAföG nicht. Die Studienbedingungen werden härter. Das verändert auch die Politik linker Studierender

Von Janis Ehling

Fast die Hälfte aller Schulabgänger in Deutschland nimmt ein Studium auf. Doch das Studium ist für viele schwer fi nanzierbar. Die Lebenshaltungskosten steigen. Der größte Teil geht für die Miete drauf. Seit der Finanzkrise 2008 gelten Immobilien in Unistädten als sichere Geldanlage. Die Mieten schießen in die Höhe.

In München geben Studierende nach Angaben des Deutschen Studentenwerks im Schnitt fast 400 Euro pro Monat für die Miete aus. Zimmerpreise von 600 Euro sind keine Seltenheit, Zimmerpreise von mehr als 300 Euro sind an den meisten Hochschulstandorten mittlerweile normal. Eigentlich sollten finanzielle Engpässe kein Problem in der Ausbildung sein, Studierende haben ein Recht auf Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG). Nur leider zieht sich die Regierung aus der Verantwortung. Zwar sollen immer mehr Menschen studieren. Mehr Geld will der Staat dafür aber nicht ausgeben.

Trotz der stark gestiegenen Lebenshaltungskosten sind die BAföG-Sätze in den vergangenen Jahren nur minimal gestiegen. Die Zahl der Empfänger sinkt seit 2012, weil immer weniger Studierende einen Anspruch auf BAföG haben. Gerade einmal 584.000 von 2,81 Millionen Studierenden bekommen noch BAföG. Der Bund gab 2016 rund 59 Millionen weniger aus als im Vorjahr – bei gestiegenen Studierendenzahlen.

Hohe Schulden

Wer das Glück hat, gefördert zu werden, bekommt nicht unbedingt genug Geld. Nicht mal die Hälfte der BAföG-Empfänger erhält den Höchstsatz von 735 Euro. Im Schnitt bekommen BAföG-Bezieher 435 Euro pro Monat. Das Geld gibt es nicht umsonst. Seit den 1980ern muss die Hälfte, maximal 10.000 Euro, nach dem Studium zurückgezahlt werden.

Mehr als zwei Drittel der Studierenden arbeiten neben dem Studium. Bei vielen reicht auch das nicht. Fast ein Viertel der Studierenden bleibt zuhause wohnen. Für die, die das nicht wollen oder den Wohnort für das Studium wechseln müssen, bleibt nur ein Studienkredit bei einer Bank. Viele Uniabgänger haben neben den BAföG-Lasten in Höhe von 10.000 Euro noch tausende Euro Schulden bei einer Bank.

Anders als früher garantiert das Studium heute keinen guten Job mehr. Ein Abschluss senkt zwar das Risiko, arbeitslos oder prekärer beschäftigt zu werden. Aber sichere, unbefristete Jobs für Akademiker sind rar. Die Chancen sind ungleich verteilt. Der Berufseinstieg und die Aussicht auf einen guten Job hängen stark vom Elternhaus ab. Oft kommt der Berufseinstieg über Kontakte und Wissen der Eltern zustande. Arbeiterkinder und besonders junge Menschen mit Migrationshintergrund gehen öfter leer aus und sind öfter gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten.

Die veränderten Studienbedingungen haben die Politik linker Studierender verändert. Das schlechtere BAföG, Nebenjobs und ein höherer Konkurrenzdruck haben sich in den 00er Jahren in weniger politischem Engagement ausgedrückt. Seit einigen Jahren kippt das. Der Studierendenverband DIE LINKE.SDS ist in den letzten Jahren um ein Drittel gewachsen und mehr Arbeiterkinder – mit und ohne Migrationshintergrund – werden aktiv.

Dementsprechend sind auch die Themen andere geworden. In einigen Städten wie Bielefeld und Hildesheim sind SDS-Gruppen dabei, Arbeiterkindreferate an den Unis einzurichten, um sich gezielter austauschen und helfen zu können. Andere Gruppen machen gegen hohe Mieten und für mehr bezahlbaren Wohnraum mobil. Wieder andere Gruppen unterstützen die Streiks im Krankenhaus- und Pflegebereich.

Für ältere Westdeutsche mag sich das nach den 1970ern anhören, in denen ein Joschka Fischer ans Fließband ging, um Arbeiter zu agitieren. Anders als damals gibt es aber zumindest unter vielen linken Studierenden die Einsicht, dass gewerkschaftliche Organisierung und Kämpfe um ein höheres BAföG und bezahlbaren Wohnraum in eigenem und dem allgemeinen Interesse sind. Denn von schlechten Arbeitsbedingungen und unsicheren Lebensperspektiven wird auch ein Teil der Studierenden betroffen sein.

Janis Ehling ist Bundesgeschäftsführer von DIE LINKE.SDS Kontakt: info@linke-sds.org oder www.linke-sds.org

Zurück zur Übersicht