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DISPUT

Offensiv feministisch

Was hat DIE LINKE Frauen zu bieten, was andere Parteien nicht haben?

Wir LINKE haben eine Vision einer gerechten Gesellschaft, die sich von allen anderen Parteien abhebt. Das gilt auch für unsere Vision der Gleichstellung von Frauen und Männern. Das heißt nicht, dass Frauen am vorherrschenden Männerbild gemessen werden, sondern Gleichstellung für alle. Wir stellen uns Gleichstellung von Frauen und Männern umfassend vor: Wir wollen Lebenszeit, Lohn- und Sorgearbeit, Zeit für Politik, FreundInnen, Bekannte, Familie und die eigene Weiterentwicklung gerecht zwischen den Geschlechtern verteilen. Dazu brauchen wir eine radikale Verkürzung der Arbeitszeit für ein gutes Leben für alle.

Trotzdem sind in der LINKEN weniger Frauen organisiert als Männer, auch wählen weniger Frauen die LINKE.

Wir sind als Partei auch ein Spiegelbild der Gesellschaft. Gesellschaftlich ist es so, dass Frauen weniger Lust dazu haben, sich parteipolitisch zu engagieren. Sie haben den Anspruch, ihren Job gut zu machen und auch wegen der Sorgearbeit in der Familie weniger Zeit für Politik. Allerdings sind Frauen nicht insgesamt unterrepräsentiert im Ehrenamt. Das zeigt, dass es auch an Parteistrukturen liegt, wenn sich Frauen in geringerem Maße parteipolitisch engagieren. Hoffungsvoll macht mich, dass bei den Bundestagswahlen 10 Prozent der männlichen Gewerkschaftsmitglieder DIE LINKE gewählt haben und bei den weiblichen Gewerkschaftsmitgliedern 13 Prozent. Das ist auch ein Ergebnis unserer Politik der vergangenen Jahre, bei der wir in Arbeitskämpfen präsent waren etwa in Kliniken und im Rahmen unserer Kampagne »das muss drin sein«, bei der wir für eine bessere Personalausstattung in Krankenhäusern gekämpft haben. Mehr als 80 Prozent der Pflegekräfte sind weiblich. Aber wichtig ist auch, dass wir als LINKE generell fordern, unbezahlte Sorgearbeit mehr Wert zu schätzen und besser zwischen den Geschlechtern zu teilen.

 Was unternimmt DIE LINKE, um Frauen zu gewinnen und für sie attraktiv zu sein?

 Wir haben Doppelspitzen aus Frau-en und Männern in der Bundestagsfraktion und in der Partei auf Bundesebene und in fast allen Ländern. Alle Gremien sind nach Geschlecht quotiert, wir führen quotierte Redelisten. Das heißt, Frauen und Männer kommen immer abwechselnd zu Wort, auch wenn sich weniger Frauen als Männer melden. Bei jedem Bundesparteitag fi ndet ein Frauenplenum der weiblichen Delegierten statt, bei der sich die Frauen über wichtige Punkte verständigen. Außerdem haben wir in fast allen Landesverbänden eine eigene feministische Struktur. In Nordrhein-Westfalen heißt sie LISA – LINKE Sozialistische Arbeitsgemeinschaft der Frauen –, in manchen Ländern allerdings anders. In diesen feministischen Strukturen können sich Frauen vernetzen, kreativ sein, Spaß haben und gemeinsam Projekte entwickeln. Alle Genossinnen sind herzlich eingeladen, sich dort zu engagieren.

Warum sind solche Instrumente und Strukturen wichtig?

Damit sich Frauen untereinander vernetzen, Gehör und Platz verschaffen können.

 Was muss DIE LINKE tun, um attraktiver für Frauen zu werden?

Das ist eine Frage, die wir uns in vielen Zusammenkünften immer wieder stellen, vor allem wenn wir unter Genossinnen zusammensitzen. In Nordrhein-Westfalen haben wir viele Workshops dazu gemacht. Dabei kamen immer bestimmte Punkte heraus: Wir müssen zum Beispiel eine andere Sitzungskultur entwickeln. Wir brauchen eine Sitzungskultur an der auch Frauen, die ja meistens zu Hause die Sorgearbeit erledigen, teilnehmen können. Da gibt es ganz profane Dinge wie eine Kinderbetreuung, die vorhanden sein muss. Und zwar eine gute Kinderbetreuung mit ausgebildetem Personal, vernünftigen Räumen und einem Spielplatz in der Nähe. Wenn wir eine gute Kinderbetreuung haben, werden die Genossinnen verstärkt kommen. Allerdings: Auch die Genossen müssen an sich und der Sitzungskultur arbeiten. Männer haben ja auch bei uns die Angewohnheit, das zu wiederholen, was die Vorgänger gesagt haben oder sich nur auf Männer zu beziehen. Viele Frauen haben sich angewöhnt, das auf Sitzungen auch zu thematisieren. Da brauchen wir noch mehr Solidarität unter den Genossinnen. Wir müssen eine andere Sicht bekommen auf unsere Sitzungen und überhaupt auf unsere Veranstaltungen. Noch immer gibt es Veranstaltungen, die nicht quotiert besetzt sind und bei denen dann eine Frau als Moderatorin als Alibi geholt wird. Das muss aufhören, wir haben genug fähige Frauen, die zu allen Themen Stellung nehmen können. Es gibt Angebote der Frauenstrukturen in den Ländern und auf Bundesebene, passende Referentinnen zu finden.

Du machst mit bei der feministischen Offensive der LINKEN. Was ist das?

Die feministische Offensive fußt auf einem Parteivorstandsbeschluss. Wir wollen ein Netzwerk für Frauen innerhalb der Partei schaffen, das versucht, die feministische Entwicklung voranzutreiben. Dort machen unter anderem Frauen aus der Bundesgeschäftsstelle, der Bundesarbeitsgemeinschaft LISA mit, aus dem Parteivorstand, aus der Bundestagsfraktion, aus der politischen Bildung, aus dem Studierendenverband SDS , der Linksjugend solid und der Rosa-Luxemburg- Stiftung. Wir wollen die feministische Arbeit zwischen gesellschaftlichen Bewegungen und der Partei verknüpfen. Deshalb sind wir zum Beispiel immer Teil der Frauenkampftagsdemo am 8. März und bei den Aktionen gegen den jährlichen »Marsch für das Leben« der AbtreibungsgegnerInnen in Berlin. Es gibt feministische Interventionen im Rahmen der blockupy-Proteste, und die gab es auch im vergangenen Jahr bei den Protesten gegen den G20-Gipfel in Hamburg. Innerhalb der politischen Bildung der Partei wollen wir die feministische Bildung schärfen, etwa indem Bildungskonzepte zur Patriarchatskritik angeboten werden. Auch der Ausbau von Frauenstrukturen in den Ländern gehört zu unserem Arbeitsprogramm.

Was plant die feministische Offensive in den kommenden Monaten?

Im März steht die Verleihung des Clara-Zetkin-Preises an, den DIE LINKE jährlich um den Internationalen Frauentag am 8. März für herausragende Leistungen von Frauen in Gesellschaft und Politik verleiht. Die feministische Offensive beruft eine Jury ein, die die Preisträgerinnen auswählt. Wir appellieren an alle Genossinnen, am Frauenkampftag 8. März aktiv zu werden. In vielen Städten fi nden dazu Demos, Aktionen oder Veranstaltungen statt. Im September fi ndet der LINKE Zukunftskongress in Berlin statt. Wir überlegen, dafür einen feministischen Veranstaltungsstrang anzubieten.

Interview: Anja Krüger 

Nina Eumann: Geboren 1965 in Mülheim an der Ruhr, ist Steuerfachwirtin in einem kleinen Unternehmen in Dortmund und Mitglied im Parteivorstand der LINKEN. Außerdem ist sie eine der Sprecherinnen von LISA (LINKE Sozialistische Arbeitsgemeinschaft der Frauen) NRW und arbeitet im bundesweiten Blockupy-Bündnis mit.

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