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DISPUT

Lernen in Las Vegas

Von Susanne Lang

Wie überall in Las Vegas führt auch beim »SLS Hotel« der Weg hinein oder hinaus durch eine gigantische Spielhalle. Nur wer sich durch das Gewirr von Spieltischen und Spielautomaten hindurchgekämpft hat, findet schließlich die Konferenzräume im ersten Stock. Dort weisen Schilder den Weg zur Spring School der Working Families Party (WFP). »Bingo!«, ruft die fast zwei Meter große schwarze Transfrau Monica, geht zum Tresen und nimmt sich einen Drink. Beim »Bingo zum  Kennenlernen« interviewen sich die Teilnehmenden gegenseitig und suchen nach Gemeinsamkeiten. Wer diese erste Aufgabe erfüllt hat, darf sich einen Drink mixen.

Nach diesem unterhaltsamen Einstieg startet die »Working Families Academy Spring School« am nächsten Morgen hochkonzentriert. Vom 12. bis 15. April veranstaltete die Working Families Party ihre erste Frühlingsakademie. Die lockere, solidarische Stimmung trägt die Teilnehmenden durch drei Tage intensiven Lernens und Diskutierens. Es wird gelacht und aufmerksam zugehört. Nur gestritten wird nicht, denn das Verbindende statt des Trennenden wird gesucht und immer wieder betont. Die Working Families Party ist in unserer Partei vor allem durch ihre Haustürwahlkämpfe bekannt. Bereits im Oktober 2016 besuchten LINKE die WFP an ihrem Gründungsort in New York und ließen sich in die Geheimnisse des Haustürwahlkampfes einweihen (DISPUT Januar 2017). Seither hat auch DIE LINKE in verschiedenen Wahlkämpfen vielfältige Erfahrungen mit Haustürgesprächen gesammelt.

Links und populistisch

Die Working Families Party sieht sich als linke populistische Partei, also als eine Bewegung der einfachen Leute, die keinen Zugang zu Reichtum und politischer Macht haben. Sie gründete sich vor rund zwanzig Jahren nach dem Vorbild der People's Party, die als breite Bewegung zwischen 1891 und 1919, vor allem im ländlichen Raum, existierte. Die People's Party entwickelte eine erfolgreiche Wahltaktik, das Fusion Voting: Wiederholt benannte die People's Party progressive Kandidaten der Demokraten als eigene Bewerber und unterstützte deren Wahlkampf. So waren Erfolge möglich, die es bei getrennten Kandidaturen nicht gegeben hätte. Eben dieses Konzept greift nun die Working Families Party auf. So machte sie 2016 Bernie Sanders zu »ihrem« Kandidaten und beförderte seinen Wahlkampf durch persönliche Gespräche an unvorstellbar vielen Haustüren (DISPUT Mai 2016).

Dass eine linke Partei ihre Frühlingsakademie ausgerechnet in Las Vegas abhält, mag auf den ersten Blick kurios anmuten. Doch neben Las-Vegas-Touristen, die ein Wochenende lang ihr Glück mit Karten, Würfeln und Spielautomaten suchen, treiben vor allem Konferenzteilnehmer/innen die Besucherzahlen in die Höhe – fast 15 Prozent der Gäste der Stadt kommen als Konferenzteilnehmer/innen. Denn durch günstige Hotelangebote und vielfältige Verkehrsanbindungen lassen sich in Las Vegas solche Veranstaltungen preiswert organisieren.

Die 80 Teilnehmenden der Spring School in Las Vegas kamen vor allem aus den verschiedenen regionalen Sektionen der Working Families Party in New York, Portland, South Carolina oder Nevada. Vertreten waren auch die Gewerkschaft Communication Workers of America (CWA) und Partnerorganisationen der WFP wie der Trans United Fund sowie Parteien und Organisationen aus dem Ausland: Die Trademark-ICTU aus Belfast, Barcelona en Comú aus Barcelona, Momentum aus Großbritannien und eine kleine Delegation von unserer Partei DIE LINKE. Der Fokus der Akademie lag auf Erwerb und Vertiefen von praktischem Wissen für die alltägliche politische Arbeit. Es ging um strategische Abwägung und politische Vermittlung, um Ressourceneinsatz und Spendenakquise. Nach drei Tagen intensiver Arbeit verabschieden sich alle Teilnehmenden überschwänglich und hochmotiviert, aber auch besorgt. Trump hat gerade Syrien bombardiert. Die internationale Linke steht vor großen Herausforderungen und schweren Zeiten, darum sind diese Momente der gegenseitigen Stärkung und Vernetzung so wichtig und kostbar.

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